Mareile Blendl: „Ich vermisse alles, sogar das Text lernen!“

Mareile Blendl/Foto @Dirk Ossig

Seitdem die Theater geschlossen sind und auch keine Filme mehr gedreht werden, kann  die Düsseldorfer Schauspielerin Mareile Blendl nicht arbeiten. (Artikelübernahme von RUHRBARONE)  

 

Ruhrbarone: Was hast Du gedacht als Du von dem kulturellen Shutdown gehört hast?

Mareile Blendl: Das Begreifen lief in Stufen ab. Es begann mit der Verschiebung eines Drehtags auf Unbestimmt, dann hagelte es eine Zeit lang Absagen, ebenfalls auf unbestimmte Zeit und irgendwann stand man dann mit einem völlig leergefegten Terminkalender da und hat sich überlegt, was man mit seinem Sohn als nächstes basteln könnte, damit wenigstens für ihn irgendwas weiter geht.

Ruhrbarone:  Wie wirkt er sich auf Dich beruflich aus? Wirst Du finanzielle Einbußen haben?

Blendl: Wenn ich nicht spiele, verdiene ich nicht einen Cent. Auf unbestimmte Zeit ist das ein existenzielles Problem.

Ruhrbarone:  Wie ist es für eine Schauspielerin, nicht arbeiten zu können?

Blendl: Ich vermisse alles, sogar das Text lernen! Und an ein Set zu kommen, neue Kollegen kennen zu lernen, mit einem Team zu arbeiten, Mittagspause zu machen, im ICE zu Theatervorstellungen anzureisen und das Gemurmel aus dem Publikum, bevor im Theatersaal das Licht ausgeht und diese ganz bestimmte Konzentration einsetzt, wenn eine Vorstellung beginnt…

Ruhrbarone: Was hältst Du von der Soforthilfe des Landes NRW?

Blendl: Tja, es ist toll, dass das Thema so schnell auf den Tisch kam und es tut gut, zu wissen, dass eine Bereitschaft da ist, Kulturschaffende in dieser außergewöhnlichen Situation nicht im Stich zu lassen.  Das Einkommen sehr vieler Kreativer liegt weit unter dem Durchnittseinkommen, da ist wenig Luft, um lange ganz ohne auszuhalten. Allerdings sind die Beschäftigungsverhältnisse in dieser Branche nicht so leicht über einen Kamm zu scheren. Schauspieler zum Beispiel dürfen gar nicht in die Künstlersozialkasse, da sie hauptsächlich sozialversicherungspflichtig angestellt werden. Immer für die Dauer eines Films. Beim Theater, vor allem in der sog. Freien Szene gibt es wieder ganz andere Vertragskonstrukte. Die meisten Engagements werden sehr kurzfristig geschlossen, so dass die wenigsten nachweisen können: Dies und das ist konkret entfallen. Im Moment findet unser Beruf einfach grundsätzlich nicht statt und wer kein festes Engagement am Theater hat, wird so schnell auch nichts angeboten bekommen. Das ist zum Beispiel mein Hauptproblem. Ich hoffe, dass auch darauf entsprechend eingegangen wird.

Vorhang/ Foto: Public Domain, CC0

Ruhrbarone:  Wie wird sich der Shutdown Deiner Meinung nach auf das kulturelle Leben in NRW auswirken?

Blendl: Meine größte Befürchtung ist, dass es zuerst all diese kleinen, feinen Projekte trifft, in denen so viel Herzblut steckt. Das sind oft Lebenswerke in die Begeisterung und Mut investiert wurden. Das ausgerechnet ihr Mut jetzt so vielen Kulturschaffenden zum Verhängnis wird, das nehme ich dem Virus echt persönlich. Ich möchte nicht in Zukunft auf all die netten, kleinen Theater, die Programmkinos, charmante Cafes, Boutiquen und Buchhandlungen verzichten. Für mich machen gerade diese Orte NRW zu einem lebens- und liebenswerten Ort. Aber: „Die Macht ist stark in uns“. Um mal einen berühmten Jedi zu zitieren. Und mit Macht meine ich die Kreativität. Sie wird sich durchsetzen. Wir werden selbstverständlich weitermachen, wenn das alles vorüber ist.

Ruhrbarone:  Wirst Du die Zeit für künstlerische Arbeit nutzen und wenn ja, was wirst Du machen?

Blendl: Oh, ich bin super kreativ zurzeit. Ich habe gestern bereits einen Fisch aus einer Klopapierrolle, ein Mäuschen aus Eierkartons, ein Vogelhaus aus einem Tetrapack und merkwürdige Salzteiggebilde hergestellt. Nein, ohne Witz, spielen ist ein sozialer Akt, mit anderen für andere. Für mich alleine macht es überhaupt keinen Sinn.

 

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