GOTTHARD Klassik-Festival: Eröffnungsgala der Camerata Zürich zu Ehren Beethovens

Gotthard Klassik-Festival/Foto @ Peter Fischli / Gotthard Klassik-Festival

25. September 2020, Konzerthalle Andermatt
SwissChamber MusicCircle, Camerata Zürich
Musikalische Leitung: Igor Karsko


Die Gemeinde Andermatt liegt im Kanton Uri am Gotthardpass, von über 3000 m hohen Bergen umgeben, eingebettet in den Schweizer Alpen auf halbem Wege der Reise des „langsamsten Schnellzugs der Welt“, dem Glacier Express von Zermatt nach St. Moritz. Trotz der pittoresken Schönheit des kleinen Orts ist Andermatt seit jeher nur für den regionalen Tourismus von Bedeutung gewesen und wurde erst in den letzten Jahren durch das Projekt „Andermatt Swiss Alps“ für den internationalen Tourismus, insbesondere den Wintersport, erschlossen. Der hierfür verantwortliche ägyptisch-montenegrinische Unternehmer Samih Sawiris baute der Gemeinde neben einem Urlaubsresort mit Hotel und Geschäften auch eine eigene Konzerthalle. Eingeweiht wurde diese im letzten Sommer mit keinem geringeren Orchester als den Berliner Philharmonikern. In dieser Spielstätte fand nun pünktlich zum Wintereinbruch bei Sturm und starkem Schneefall die Eröffnungsgala des im Jahre 2020 erstmalig stattfindenden „GOTTHARD Klassik-Festivals“ statt. Eines der renommiertesten Schweizer Kammerorchester, die Camerata Zürich, ehrten mit diesem festlichen Auftakt den Komponisten Ludwig van Beethoven zu seinem 250. Geburtstag.

 

Nach einer kurzen Ansprache des Festival-Intendanten Prof. Jörg Conrad führte Sabine Dahinden, Moderatorin im Schweizer Rundfunk SRF, auf charmante, kurzweilige Art und Weise durch den Abend. Mit Erläuterungen und Anekdoten ergänzte sie das Programm und bereitete so ein anregendes Konzertvergnügen.

Gotthard Klassik-Festival / Foto @ Peter Fischli / Gotthard Klassik-Festival

Nach einem flotten Auftakt mit Beethovens Prometheus-Ouvertüre bot die Camerata Zürich erst einmal eine Rarität in kleiner Orchesterbesetzung, Johann Wilhelm Hertels 1. Trompetenkonzert mit Immanuel Richter als Solist. Richter überzeugte mit schlankem, beflügelndem Tonfluss. Die daran anschließende Klaviersonate Nr. 8 in c-Moll op. 13 von Beethoven, auch „Pathétique“ genannt, ist schon weitaus geläufiger, jedoch nicht in der dargebotenen Streicherbearbeitung. Äußerst raffiniert hat Daniel Rumler dieses Klavierwerk für Streichensemble arrangiert, mit weiteren Klangfarben ergänzt, ohne es dabei zu verfremden. Diese Sonate wird allgemein als Findung einer neuen, eigenen Art des Ausdrucks von Beethoven angesehen.

Nach der Pause folgte, dann ergänzt durch weitere Musiker und Musikerinnen in Tutti-Besetzung, die 4. Sinfonie Beethovens. Eingebettet zwischen der „Eroica“ und der sogenannten „Schicksalssinfonie“ findet Beethoven in diesem Werk in wenigen Takten schon im Kopfsatz „durch die Nacht zum Licht“. Die Sinfonie besticht durch einen leichten, humorvollen Charakter. Auch die Interpretation der Camerata Zürich geriet in diesem Werk äußerst dynamisch und heiter, das Adagio erklang geradezu tänzelnd. Beachtlich, dass das Orchester trotz starker Streicherbesetzung auf einen Dirigenten verzichtete und nur der Konzertmeister Igor Karsko am 1. Pult der Violinen den Takt und einzelne Einsätze vorgab. Alles Weitere geschah, kennzeichnend für ein erstrangiges Kammerensemble, durch das Zuhören und Agieren der Instrumentalisten untereinander und führte zu erstaunlich präzisem Rhythmus bei prachtvollem Klang. Eine ganz eigene, frische Dynamik im Zusammenspiel gewann sich das Ensemble, indem sie stehend musizierten.

Gotthard Klassik-Festival/ Foto @ Peter Fischli / Gotthard Klassik-Festival

Beim Anblick der rauen Natur unweit der Konzerthalle, den verschlungenen Schluchten der Schöllenen mit der bekannten Teufelsbrücke, den düster-romantischen Wäldern und den vom Nebel überzogenen Bergen, entstehen Assoziationen zum Weltschmerz, den Beethoven seinen Lebtag verspürt haben muss und der viele seiner Werke ausmacht.

Und doch hat der Komponist die Gotthard-Region nie persönlich erlebt. Sein Zeitgenosse aus der Klassik, Johann Wolfgang von Goethe, hat es 1779 bei einem Besuch in Andermatt schon richtig erkannt: „Mir ist’s unter allen Gegenden, die ich kenne, die liebste und interessanteste“. Mit diesen Worten lässt sich doch auch das „GOTTHARD Klassik-Festival“ zutreffend beschreiben. Denn es ist anerkennenswert, dass bei solch gewaltigen Investitionen in alpine Hotelkomplexe und Ressorts auch die Kunst und Kultur adäquat gewürdigt wird. Das hoffentlich in Zukunft fortbestehenden Festival bietet von Konzerten mit Kammerensembles, großen Sinfonien bis hin zur Jazz-Musik ein vielseitiges Programm, welches die Gotthard-Region auch über den Wintersporttourismus hinaus nachhaltig bereichern wird.

 

Ein Gedanke zu „GOTTHARD Klassik-Festival: Eröffnungsgala der Camerata Zürich zu Ehren Beethovens

  1. Erfüllend, berührend und wunderschön, absolut gekonnt haben wir diesen Abend erlebt. Ihr Bericht sagt alles aus, worüber sich Musikherze zutiefst erfreuen dürfen….
    Danke allen Beteiligten für das wunderbare Erlebnis.

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