Giorgos Kanaris im Sommer-Stipendiatenkonzert des Richard-Wagner-Verbands Bonn mit jungen Stipendiaten

Woelfl Saal Bonn

Das Stipendiaten-Wunschkonzert des Richard-Wagner-Verbands Bonn, das von Stipendiaten aus einem Zeitraum von elf Jahren gestaltet wurde,  beschwor mit gängigen Stücken des Repertoires, absolut passend zum Wetter, eine laue Sommernacht.

 

Das Programm des Konzerts konnten sich die Künstler*innen selbst aussuchen. Es sollte nur zu einer lauen Sommernacht passen. Der Vorstand des Bonner Richard-Wagner-Verbands hatte die Idee im nassen und viel zu kalten April, ein Konzert mit Stipendiaten aus einer Zeitspanne von elf Jahren zu planen.

Damit wollte er seinen Mitgliedern zumindest einen kleinen Ausgleich dafür bieten, dass aufgrund der Corona-Pandemie seit März 2020 keine Veranstaltungen mehr live durchgeführt werden konnten. Das Stipendiatenkonzert 2021 sollte wenigstens als Stream aus dem Woelfl-Haus angeboten werden. Eigentlich ist es das Ziel des Verbands, nicht nur das Interesse für das Werk Richard Wagners zu wecken, sondern den künstlerischen Nachwuchs zu fördern und das kulturelle Leben in der Region mitzugestalten und die Zusammenarbeit mit weiteren kulturellen Einrichtungen zu fördern.

Der Richard-Wagner-Verband Bonn entsendet jedes Jahr vier Stipendiaten nach Bayreuth, die dort mit rund 250 jungen Künstlern aus der ganzen Welt eine Woche verbringen und dabei zu drei Opern Richard Wagners eingeladen werden. Dazu tragen die Mitglieder mit ihren Beiträgen und Spenden bei.

Der Richard-Wagner-Verband Bonn führt vom 15. bis 19. September  2021 ein hochkarätiges Symposium zum Thema „Beethoven und Wagner und die politischen Bewegungen ihrer Zeit“ durch, das ursprünglich 2020 im Rahmen des Internationalen Richard-Wagner-Kongress in Bonn veranstaltet werden sollte, der  dem Lockdown zum Opfer gefallen ist. Mehr dazu:

https://rwv-bonn.de/vorankuendigung-beethoven-wagner-und-die-politischen-bewegungen-ihrer-zeit

 

Während des Lockdowns hat der Richard-Wagner-Verband zahlreiche Konzerte aus dem Woelfl-Haus gestreamt, zu denen zeitweise überhaupt keine Zuschauer zugelassen waren, zuletzt am 15. Juni 2021 ein Gesprächskonzert mit Gedichten und Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“ mit Corby Welch, Andrea von der Weth und Bernt Hahn mit Roland Techet am Klavier in Kooperation mit der Universität Bonn.

Gastgeberin Prof. Margit Haider-Dechant reservierte den Termin am 20. Juni 2021 um 18.00 Uhr im Woelfl-Haus, und die Planung unter der Koordination der Sopranistin Anna Christina Sayn, Stipendiatin 2019, nahm ihren Lauf.

Sommerkonzert/Foto @ Ursula Hartlapp-Lindemeyer

Das Programm fand bei den Zuschauern an den Bildschirmen und den acht Zuhörern im Saal, alle gegen Corona geimpft und registriert, regen Beifall. Die ausgewählten Stücke, alles Reißer des Repertoires, souverän moderiert von Clara Pauly, Musikwissenschaftlerin und Stipendiatin 2019, kamen sehr gut an.

Besonders schön waren die Fanfaren aus Wagner-Opern, die zum Beginn eines jeden Blocks die von Trompeter Valentin Annerbo gespielt wurden. Annerbo war eigentlich als Stipendiat für 2020 nominiert, aber die Festspiele fielen, bedingt durch Corona, aus. 2021 sind nur 65 statt 225 Stipendiaten eingeladen, und die werden statt drei Vorstellungen jeweils nur eine sehen können. Daher hat der Bonner Richard-Wagner-Verband beschlossen, die vier für 2020 nominierten  Stipendiat*innen 2022 zu entsenden in der Hoffnung, dass dann die Pandemie keine Rolle mehr spielt.

Annerbo trug auch, begleitet von Georgy Voylochnikov, Stipendiat 2019, am Klavier, populäre Sätze aus Trompetenkonzerten, zum Beispiel von Leopold Mozart und Oskar Böhme und die“ Vocalise étude en Forme d´habanera“ von Maurice Ravel bei. Voylochnikov konnte neben der Sängerbegleitung  mit virtuosen Klavierstücken wie die „Consolation Nr. 1“ und „Jeux d´eau“ von Liszt glänzen.

Giorgos Kanaris / Foto @ David Jerusalem
Giorgos Kanaris / Foto @ David Jerusalem

Giorgos Kanaris, Stipendiat 2011, ist seit 2009 im Ensemble der Bonner Oper und hat sich von Papageno zum Don Giovanni und Faninal entwickelt. Er hat neben dem Stipendium des Richard-Wagner-Verbands Bonn auch 2010 den Preis der Bonner Opernfreunde als beliebtestes junges Mitglied des Ensembles erhalten und ist seitdem der Bonner Oper als Ensemblemitglied treu geblieben. Er trat mit Paraderollen wie Don Giovanni und Escamillo aus seinem Repertoire auf, die er auch auf der Bühne verkörpert. Vor der Pause krönte er den ersten Teil des Konzerts mit Wolframs Arie „O du mein holder Abendstern“ aus Wagners „Tannhäuser“.

Anna Sayn erwies sich als charmante Sängerin-Darstellerin und bezauberte unter anderem mit Susannas „Rosenarie“ und Spitzentönen im „Schwipslied“ von Johann Strauss. In zwei Duetten, unter anderem „La ci darem la mano“ aus Don Giovanni, besangen sie und Kanaris die Liebe.

Frau Prof. Haider-Dechant/Foto @ Sarah Winklhöfer

In der Pause des Streams wurde eine Diashow mit Stipendiatenfotos von 2011 und 2019 gezeigt, zu der Margit Haider-Dechant Variationen zu „Freut euch des Lebens“ von Joseph Woelfl, dem Namensgeber des Woelfl-Hauses, spielte. Sie sind das Filetstück seiner Grande Sonate pour Pianoforte op. 41, genannt „Non plus ultra“.

Nach der Pause eröffnete das Walhall-Motiv den Operettenteil des Konzerts in Champagnerlaune mit der „Valse Impromptu“ von Franz Liszt und dem „Schwipslied“ von Johann Strauss, in der Orchesterfassung als „Annenpolka“ bekannt. „Dunkelrote Rosen“ brachte Giorgos Kanaris schönen Frau´n, Georgy Voylochnikov spielte aus dem Ballett „Dornröschen“ von Tschaikovsky das Adagio Nr. 10 in einer Bearbeitung für Klavier, und dann kam auch schon die Zugabe: „Lippen schweigen“ von Johann Strauss. Mit: „Nun sei bedankt mein lieber Schwan“ aus „Lohengrin“ endete das Konzert dann wirklich.

Anna Sayn, die die Programmgestaltung übernommen hatte, hat ein klar gegliedertes abwechslungsreiches Konzept vorgelegt mit thematischen Schwerpunkten (zum Beispiel „Wiener Klassik“, „Blumen“, „Champagnerlaune“ und „Nacht in Venedig“) und bekannten und beliebten Stücken. Clara Pauly zeigte mit ihrer Moderation, dass ein Konzert noch mehr Freude macht, wenn man Hintergrundinformationen zu den Stücken und Interpreten bekommt.

Die von Valentin Annerbo gespielten Fanfaren-Signale mit Wagner-Motiven dokumentierten hörbar, dass es hier um eine Veranstaltung des Richard-Wagner-Verbands ging.

Hinter den Kulissen erarbeitete Lina Eberling, Stipendiatin 2019, die den Stream begleitete, die Einladung und die Dokumentation, und Paulina Walter, Stipendiatin 2020 bzw. 2022, richtete den Stream auf der Plattform „Dringeblieben“ ein.

 

Der kostenlose Stream ist abrufbar unter https://dringeblieben.de/videos/richard-wagner-verband-stipendiatenkonzert

 

Vielleicht sind Sie ja neugierig geworden und wollen Mitglied im Richard-Wagner-Verband werden?

Hier finden Sie die Website des Richard-Wagner-Verbands Bonn https://rwv-bonn.de/

 

 

  • Rezension von Ursula Hartlapp-Lindemeyer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Foto: Andreas Loesch, Vorsitzender, Georgy Voylochnikov, Anna Sayn, Valetin Annerbo, Clara Pauly, Giorgos Kanaris, John Peter, 2. Vorsitzender

 

 

 

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