Opernhaus Bonn / Foto © Thilo Beu

„Faust – Ein musikalisches Traumspiel nach Johann Wolfgang von Goethe“ als Produktion des Kinder- und Jugendchors am 24.10.2020 in Bonn

Theater Bonn: BRUNDIBÁR | Ensemble/Foto Thilo Beu

Mit 3.000 €, dem Publikumspreis 2020, ehren die Bonner Opernfreunde am 24. Oktober 2020 ihren Kinder- und Jugendchor. Unter der Leitung der Dirigentin Ekaterina Klewitz wirken die mehr als 110 Mitglieder bei Opernproduktionen, zuletzt im „Rosenkavalier“ und in „Staatstheater“ und in viel beachteten und hoch gelobten Eigenproduktionen wie „Brundibár“ und der „Winterreise“ mit. Sie gestalten diesmal unter der Regie von Jürgen R. Weber Szenen aus Goethes „Faust“.

 

Die neue Musiktheaterpädagogin Alessia Heider musste die Einführungsveranstaltung für Studenten am 20.10.2020 im Foyer der Oper in zwei Gruppen teilen, weil sich so viele angemeldet hatten. Im Anschluss an die Einführung durften die Studenten an einer Bühnenprobe teilnehmen.

Den Fragen der Studenten stellten sich Santiago Sanchez, Tenor und Darsteller des jungen Faust, Tristan Jaspersen, Kostümbildner, und Barbara Prada Rojas, eine der Gretchen-Darstellerinnen aus dem Jugendchor. „Wir haben die Gretchen-Rolle auf vier Sängerinnen aufgeteilt, damit mehrere die Chance haben, eine Solorolle zu singen“, erläutert Barbara das Besetzungskonzept.

Barbara berichtet über die Corona-bedingten Schwierigkeiten bei den Proben, die schon im Februar 2020 begonnen hatten: man habe zunächst einzeln mit Hilfe von „Zoom“ am PC zu Hause geprobt, Frau Klewitz habe Klavier gespielt und vorgesungen, die einzelnen Stimmen hätten jede für sich stummgeschaltet mitgesungen. Später habe man in Gruppen zu je zehn Sängerinnen und Sängern proben können, zum Schluss habe man im Zuschauerraum geprobt. „Es ist gar nicht so einfach, mit zwei Metern Abstand vom nächsten Sänger zusammen zu singen, man muss ja auch aufeinander hören“, so Barbara.

„Im Gegensatz zu den klassischen ‚Faust‘-Opern aus dem 19. und 20. Jahrhundert gibt es hier nicht die langen Steigerungen über Rezitativ, Arie und Ensemble, die Stücke sind eher kurz und kompakt“, so Tenor Santiago Sanchez.

Santiago Sanchez, Tristan Jaspersen, Alessia Heider und Barbara Prada Rochas/Foto @ Thilo Beu

„Wir haben das Problem, dass Kinder und Jugendliche wachsen, die Kostüme aber nicht. Ich habe daher ein Universalkostüm entwickelt, Einheitsgröße, das allen passt und mit dem man alles machen kann“, erläutert Kostümbildner Tristan Jaspersen und präsentiert eine Art glattes Tuch mit Bindeband, Knopf und Armschlitzen, das Sanchez mit der cremefarbenen Seite nach außen als Rock, mit der flaschengrünen Seite nach außen als Umhang und als Wams mit Kragen vorführt. „Wir haben sehr rasche Szenenwechsel, da muss die Verwandlung schnell gehen, so Sanchez.

„Mit Hilfe von Turmkonstruktionen können auf der Bühne bis zu 62 Sängerinnen und Sänger sowie der Saxophonist untergebracht werden“, so Alessia Heider. Es wird also auf jeden Fall eine große Choroper.

Das Unbeschreibliche, hier wird’s getan!“ – so kündigt die Oper Bonn selbst die Faust-Szenen als Eigenproduktion ihres Kinder- und Jugendchors der Oper Bonn auf ihrer Website an. Regisseur Jürgen R. Weber, dem mit Mauricio Kagels „Staatstheater“ trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ein von der Kritik hoch gelobter Saisonstart in Bonn gelang, wagt eine szenisch-musikalische Annäherung an den Stoff, in der Faust als alter Mann Traumsequenzen erlebt, in denen Mephisto, Gretchen, Valentin und die schöne Helena vorkommen – oder ist alles nur Theater und Fiktion?

Bei Goethes „Faust“ ist der Teufel in Gestalt Mephistos im Spiel. Eine Volkslegende über Geld, Verführung und Tod mit einer an Shakespeare erinnernden Kombination von Tragik und Komik hat Goethe aufgegriffen und daraus ein spannendes zeitloses Drama gemacht, von dem sich Komponisten und Regisseure immer wieder inspirieren lassen. Alessia Heider stellt fest, dass viele der Studenten Goethes „Faust“ schon kennen, vermutlich, weil er jahrelang Inhalt des Zentralabiturs in NRW war.

Jürgen R. Weber und Chorleiterin Ekaterina Klewitz kündigen jede Menge Musik an, die zu Goethes Dichtung geschrieben wurde. Charles Gounod, Arrigo Boito und Robert Schumann haben Szenen aus Goethes Faust vertont, und auch Beethoven und Wagner, Liszt und Mahler haben sich von Goethes „Faust“ anregen lassen.

Ekaterina Klewitz hat die Musikstücke ausgewählt und arrangiert, und man kann gespannt sein, welche Instrumente des Beethoven-Orchesters, das mit 13 Musikern im Graben sitzt, zum Einsatz kommen. Namentlich erwähnt ist der Saxophonist Tobias Marc Rüger als Gast. Als Mephisto wird Bariton Vincenzo Neri, als junger Faust Tenor Santiago Sanchez, beide Neuzugänge im Bonner Ensemble, debütieren. Die Dialoge werden gesprochen.

Es ist ein faszinierender Einfall, Gretchen mit verschiedenen Sängerinnen aus dem Jugendchor zu besetzen. Wir können auf die Premiere am 24. Oktober 2020 um 18.00 Uhr und die weiteren Aufführungen im großen Haus der Oper Bonn gespannt sein! Sie sind alle schon ausverkauft.

Mehr zur Produktion: https://www.theater-bonn.de/de/programm/faust/186756#dates-and-tickets

Teilnahme an der Einführungsveranstaltung für Studenten am 20.10.2020

 

  • Artikel von Ursula Hartlapp-Lindemeyer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Titelfoto: Opernhaus Bonn / Foto © Thilo Beu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.