DVD-Tipp: „LA NONNE SANGLANTE“ – Oper von Charles Gounod

LA NONNE SANGLANTE

Oper in fünf Akten von Charles Gounod

DVD-Aufnahme der Aufführung in der Opéra Comique, Paris. 2018

Label: NAXOS DVD 2.110632. (2019) Spielzeit 139 Min.

In französischer Sprache mit Untertiteln in 5 Sprachen.

 

Diese tragische Geschichte nach einem Libretto von Eugène Scribe und Germain Delavigne, basiert auf einem Teil des Romans «The Monk» von Matthew Gregory Lewis.

Bei dieser Oper handelt es sich um ein sehr selten gespieltes Werk, welches nur gerade im Jahre 1854 aufgeführt wurde und dann bis im Januar 2008 nie mehr gezeigt wurde. Die hier vorliegende DVD der Aufführungen vom Juni 2018 aus der Opéra Comique, zeigt uns eine Inszenierung von David Bobée in Zusammenarbeit mit Laurence Equilbey.

Die Handlung spielt im 11. Jahrhundert in der Region von Prag.

Akt 1.

Graf von Luddorf und seine Kämpfer sind in das Schloss des Barons von Moldaw eingedrungen, wo sich ein Kampf zwischen den beiden verfeindeten Familien abspielt. Da erscheint der Mönch Pierre, ein Eremit, mitten im Kampf. Mit seiner göttlichen Autorität kann er den Kampf beenden und fordert als Zeichen des Friedens zwischen den Feinden, dass Moldaws Tochter Agnès, Théobald, den älteren Sohn von Graf Luddorf, heiraten soll. Dann sollen alle gemeinsam am Kreuzzug teilnehmen. Da erscheint Rodolphe, der jüngere Bruder von Théobald mit seinen Kämpfern. Als diese vom Friedensschluss erfahren, legen sie die Waffen nieder.

Rodolphe kann nicht glauben, dass seine Agnès, seinen Bruder heiraten soll, doch Pierre fordert ihn auf, für das Vaterland zu verzichten.

Da erscheint Agnès und gemeinsam planen Sie, um Mitternacht zu fliehen. Doch zu dieser Stunde wandelt seit Jahren der Geist der blutigen Nonne umher und versetzt die Menschen in Angst. Rodolphe glaubt diese Geschichten nicht und kommt auf die Idee, Agnès solle sich als diese Nonne verkleiden um ungehindert fliehen zu können. Die Angst von Agnès ist zu gross und sie lehnt diesen Vorschlag ab. Auf den Knien bittet Rodolphe, dass sie zustimmen soll. Als die beiden in inniger Umarmung von Graf Luddorf und seinem Gefolge entdeckt werden und Rodolphe auf seiner Liebe zu Agnès besteht, wird er vom Vater verbannt.

In der großen Aufregung, gelingt es Agnès, Rodolphe zuzuflüstern, dass Sie um Mitternacht auf ihn warten werde.

Akt 2.

Von der Feier sind die Landsleute betrunken und auf dem Weg nach Hause. Arthur, der Page von Rodolphe, erwartet seinen Herrn um bei der Flucht zu helfen. Er ist jedoch neidisch auf seinen Herrn. Rodolphe erscheint und erfährt dass alles bereit sei. Er wartet zurückgezogen auf das abgemachte Zeichen. Da erscheint Agnès als verkleidete Nonne, genau wie in der Legende. Rodolphe glaubt, es sei Agnès. Die Nonne spricht nur «Mein!… immer mein!». Er nimmt Ihre Hand und erschreckt zwar über deren Kälte. Trotzdem steckt er ihr einen Ring an den Finger und schwört Ihr Treue. Da taucht auf der Treppe, von Rodolphe ungesehen, Agnès auf. Die Nonne zieht ihn mit sich fort.

Rodolphe findet sich wieder im Schloss seiner Vorfahren. Die Nonne hat sich zum Gebet niedergekniet. Rodolphe erinnert sich an die Kindheit und die vergangenen Feste in diesem Raume. Es erscheinen die Ahnen als Geister und erwarten ein weiteres Fest. Die Nonne erklärt ihm, dass diese Gestalten Ihre Trauzeugen seien. Doch da erkennt er auch seinen Bruder Théobald unter ihnen. Wie die Nonne erwähnt, ist dieser in der Zwischenzeit gestorben. Sie gibt sich ihm als die Blutige Nonne zu erkennen und besteht auf seinen Schwur. Rodolphe bricht zusammen. Der Eremit beendet den Spuk.

Akt 3.

Pächter Fritz und Anna feiern Ihre Hochzeit.Die Gäste sind bei einem Walzer in fröhlicher Laune. Da triff der Page Arthur ein und verspricht eine gute Nachricht. Dort erkennt er Rodolphe, welcher verstört dem Treiben zusieht. Arthur erzählt ihm, dass sein Bruder Théobald gefallen ist und nun die Eltern einer Heirat mit Agnès zustimmen. Alle Gäste werden weggeschickt. Da erzählt Rodoplhe, dass ihn die blutige Nonne jede Nacht heimsuche und an seinen Schwur erinnere. Arthur beruhigt ihn.

Rodolphe erhofft die Vergebung durch seinen Vater und die Erneuerung seine Liebe zu Agnès. Um Mitternacht erscheint wieder die Nonne. Sie erinnert ihn erneut an seinen Schwur und erzählt ihm von ihrem Leiden: Ein Mann habe ihr die Liebe versprochen. Doch da habe man ihr mitgeteilt, dass dieser im Krieg gefallen sei. Daraufhin hat sie sich ins Kloster zurückgezogen. Sie erfuhr dort, dass dieser Mann noch Lebe und eine andere Frau heirate. Da hat sie ihn an das Versprechen erinnert. Dieser habe sie dann erstochen. Rodolphe ist voller Mitleid und will sie rächen. Dafür will ihn die Nonne am Grab ihres Mörders, dessen Namen sie nicht nennt, vom Treueschwur erlösen.

Akt 4.

Die Hochzeitsfeier von Rodolphe und Agnès vereint die beiden Familien. Das Fest wird eröffnet. Es wird getanzt. Der Eremit Pierre bittet die Feindseligkeiten zu vergessen.

Nur für Rodolphe zu erkennen, erscheint die Nonne und zeigt auf seinen Vater. Voller entsetzen erkennt er, dass er zum Vatermörder werden sollte. Doch dies kann er nicht erfüllen und erklärt, Agnès doch nicht heiraten zu können. Alle sind unter Schock und der Hass zwischen den beiden Familien bricht erneut auf. Agnès und die anderen Frauen, sowie Pierre wollen das Schlimmste verhindern.

Akt 5.

Die Moldaws stellen dem Verräter Rodolphe eine tödliche Falle. Dessen Vater erfährt von diesem Vorhaben und lässt sich anstelle des Sohnes töten. Der Fluch der Nonne ist dadurch nichtig und zusammen mit Luddorf steigt sie in den Himmel auf.

 

Der Lichtdesigner Stéphane Babi Aubert und der Kostümbildner Alain Blanchot haben einen Bühnenraum geschaffen, welcher in faszinierender Düsternis diese dramatischen Geschehnisse mit raffinierter Lichtgestaltung untermalt. Es ist beeindruckend, mit wie wenigen Elementen immer wieder die Handlung genau aufgezeigt wird. Sei es in an Gemälde erinnernde Szenen oder in intimen Momenten.

Die Musik von Charles Gounod ist von einer wunderbaren, fließenden Melodik und schafft es mit viel Gefühl für die großen Szenen und lyrischen Momente zu begeistern. Es ist absolut nicht nachzuvollziehen, warum dieses Werk nicht mehr auf den Spielplänen erscheint.

Der Opéra Comique ist es gelungen, eine Besetzung zu gewinnen, welche dieses seltene Werk mit vollem Einsatz zu einem Erfolg werden liess.

Allen voran muss der großartige Michael Spyres genannt werden, welcher die riesige Rolle des Rodolphe mit seiner sicheren Tenorstimme zu einem Erlebnis werden lässt. Eine Idealbesetzung. Vannina Santoni singt die Rolle der Agnés mit ihrem dramatischen Sopran ebenfalls total der Rolle entsprechend und ist auch als Darstellerin sehr glaubhaft.

Die Nonne ist mit der Mezzosopranistin Marion Lebégue in besten Händen und gestaltet diese unheimliche Figur mit starker Stimme. Graf Luddorf findet mit Jerŏme Boutillier ebenfalls einen idealen Sänger für diese Partie. Großartig die Schlussszene.

Den Pagen Arthur singt die Sopranistin Jodie Devos  mit herrlichster Stimme und überzeugt auf der ganzen Linie als burschikoser Diener. Für den Eremiten Pierre wurde mit Jean Teitgen, dessen Bass sehr gut zu diesem einsamen Mittler passt, eine weitere überzeugende Leistung erbracht. Luc Bertin-Hugault als Baron Moldaw singt mit einem schönen Bass und viel Ausdruck.

Mit Enguerrand De Hys als Fritz, Olivia Doray als Anna, Pierre-Antoine Chaumien, Julien Neyer und Vincent Eveno wird das Ensemble bestens ergänzt.

Das von Laurence Equilbey gegründete und von ihr dirigierte Insula orchestra lässt die herrliche Musik von Charles Gounod in allen Facetten erklingen und beeindruckt mit hervorragender Präzision.

Der Chor accentus, ebenfalls von der Dirigentin Laurence Equilbey gegründet, fügt sich sehr engagiert in diese Inszenierung ein und man hat den Eindruck, dass wir hier Zeuge einer ganz intensiven Ensembleleistung aller Beteiligten beiwohnen können.

Diese Aufnahme ist ein wichtiges Dokument für alle Liebhaber selten gespielter Werke und sollte bei keinem Opernfreund fehlen.

 

  • DVD-Empfehlung von Marco Stücklin /Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Fotos: DVD-Cover @ NAXOS.com

2 Gedanken zu „DVD-Tipp: „LA NONNE SANGLANTE“ – Oper von Charles Gounod&8220;

  1. Sehr geehrter Herr Stücklin,
    offenbar haben Sie sich beim Schreiben Ihrer Besprechung nicht daran erinnert, dass die Dirigentin Laurence Equilbey eine Frau ist … Bitte korrigieren Sie das unbedingt.
    Mit freundlichen Grüßen

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