BALLETT ZÜRICH: „NIJINSKI“ – «TRAUM-TÄNZER»

Ballett Zürich/ Nijinski/ Foto @ Carlos Quezada

NIJINSKI

Ballett von Marco Goecke

Schweizer Erstaufführung/Zürcher Neufassung/ BALLETT ZÜRICH Junior Ballett

Philharmonia Zürich / Dirigent: Pavel Baleff

Solist Klavier: Adrian Oetiker

Premiere Opernhaus Zürich

9. März 2019

 

Wie bringt man das aussergewöhnliche Leben einer Tanz-Ikone wie NIJINSKI auf die Bühne, ohne sich in den Geschichten, welche sich um diesen Jahrhunderttänzer gewoben haben, zu verstricken. Unzählige Episoden und Skandale hat dieser Tänzer provoziert oder wurden ihm zugeschrieben. Ein für die damalige Zeit ausgelassenes, launisches Leben haben ihn zu einer Legende werden lassen. Oft wird darüber auch die absolute Faszination der Bühnenpräsenz und die Magie seiner Figur etwas vergessen. Aber diejenigen die das Glück hatten, ihn auf der Bühne zu erleben, waren hingerissen. Es sei auf das hervorragende Essay von Dorion Weickmann im Magazin des Opernhauses hingewiesen, welche alle Facetten dieses Lebens aufzeigt.

NIJINSKI war nur gerade 10 Jahre auf den Bühnen präsent und hat es in dieser Zeit fertig gebracht, unsterblich zu werden. Nach dreißig weiteren Jahren in diversen Kliniken und dem Wahnsinn verfallen, verliess er diese Welt. Genau 100 Jahre nach seinem letzten Auftritt, welcher in St. Moritz stattgefunden hat, bringt das BALLETT ZÜRICH mit diesem abendfüllenden Werk des Choreographen MARCO GOECKE eine eigene Sichtweise auf die Bühne. Dieses Ballett wurde schon mit großem Erfolg auf diversen Bühnen präsentiert und hier In Zürich jedoch mit Live-Orchester und Pianist in einer Neufassung für das BALLETT ZÜRICH aufgeführt.

Ballett Zürich/ Nijinski/ Foto @ Carlos Quezada

Was wir im Opernhaus Zürich an diesem Abend erleben, ist eine faszinierende Choreographie, welche die ganz eigene Sprache von MARCO GOECKE spricht. Goecke gelingt in dieser Arbeit einmal mehr, das Publikum zu fesseln mit unglaublichen Bewegungen der Arme und Oberkörper, welche sich in atemberaubendem Tempo und höchstpräzisem Zusammenspiel präsentieren. Die Einstudierung dieses äußerst anspruchsvollen Werkes lag in den Händen von FABIO PALOMBO, welcher eine hervorragende Arbeit leistete.

Die Bühne ist ein leerer Raum, welcher durch die raffinierte Lichtgestaltung von UDO HABERLAND und die Kostüme von MICHAELA SPRINGER und einige wenige Requisiten, die Konzentration total auf die Tänzer lenkt. In zehn «Bildern» wird der Aufstieg und Fall dieses Ausnahmetänzers gezeigt. Es gelingen faszinierende Reminiszenzen an die verschiedenen Lebensstationen und bieten den Solisten Raum für intensive Rolleninterpretationen.

Das Leben dieser Tanz-Ikone Nijinski und die damit verbundene Tragik werden so auf eindrückliche Weise sichtbar gemacht und im Kombination mit den beiden Klavierkonzerten von Chopin und «Prélude à l’après-midi d’un faune» von Claude Debussy perfekt in Szene gesetzt.

Ballett Zürich/ Nijinski/ Foto @ Carlos Quezada

An allererster Stelle muss die unglaubliche Leistung von JAN CASIER als Nijinski genannt werden. Während der ganzen Aufführung ist dieser aussergewöhnliche Tänzer auf der Bühne und fasziniert mit einer Leistung welche begeistert. Grossartig!

Die Rolle des Djiaghilew findet in WILLIAM MOORE einen perfekten Gegenpart, welcher diesen dominanten, jedoch auch verzweifelten Mann hervorragend interpretiert. Nijinski’s Freund Isajef wird von YANNIK BITTENCOURT mit Hingabe getanzt und verbindet die beiden in der Traumvision zur Musik von Debussy geradezu magisch.

KATJA WÜNSCHE als Muse Terpsichore, IRMINA KOPACZYNSKA als Marka, die Mutter von Nijinski und MÉLANIE BOREL als Romola, seiner Ehefrau, überzeugen in den weiblichen Partien durch Ihre Bühnenpräsenz. In weiteren Rollen erleben wir als Arzt DOMINIK SLAVKOVSKY, ELENA VOSTROTINA als Etwas, MÉLISSA LIGURGO und JESSE FRASER als zwei Libellen, WEI CHEN und RICCARDO MAMBELLI als zwei Petruschka-Tänzer und CONSTANZA PEROTTA ALTUBE als Rosenmädchen.

Ballett Zürich/ Nijinski/ Foto @ Carlos Quezada

Die immer wieder im Hintergrund zu hörenden Texte, werden von MARK GEILINGS interpretiert.

Das Ballett Zürich beweist mit diesem Abend einmal mehr seine Spitzenposition durch hervorragende Leistungen. Man kann nur erahnen was für eine intensive Probenzeit zu diesem tollen Resultat geführt hat.

Die PHILHARMONIA ZÜRICH unter der Leitung des Dirigenten PAVEL BALEFF begleitete diesen Abend. ADRIAN OETIKER spielte die beiden Klavierkonzerte virtuos und mit Hingabe. Auch auf der musikalischen Seite ein absolut gelungener Abend.

Man muss sich für diesen speziellen Tanzstil öffnen und sich auf diese ungewohnte Sichtweise einlassen, dann wird man mitgerissen. Dass dies gelungen ist, zeigte die absolute Ruhe während der fast 90 Minuten, welche sich dann am Ende in begeisterten Applaus mit vielen Bravorufen verwandelte.

 

  • Rezension der besuchten Premiere von Marco Stücklin/ RED. DAS OPERNMAGAZIN-SCHWEIZ
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  • Titelfoto: Ballett Zürich/ Nijinski/ Foto @ Carlos Quezada

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