Theater Hagen: Antonin Dvoraks Oper „RUSALKA“ – spannend inszeniert und musikalisch anspruchsvoll

Theater Hagen/Rusalka/ Marilyn Bennett (Küchenjunge), Kenneth Mattice (Jäger / Heger)

Das lyrische Märchen von Antonin Dvorak entstand 1900 nach einem Libretto von Jaroslav Kvapil und wurde am 31. März 1901 im Prager Nationaltheater uraufgeführt. Die Handlung erinnert an Andersens Märchen die kleine Meerjungfrau und díe Erzählung Undine von Friedrich de la Motte Fouqué. Die Hagener brachten nun, 50 Jahre nachdem Rusalka dort zuletzt gespielt wurde, die Oper wieder auf die Bühne. Im Bühnenbild von Martin Kukulies und den Kostümen von Katharina Tasch entstand unter der Regie von Nina Kupczyk ein modernes Märchen in dem die Wasserwelt das Unterbewusstsein des Menschen ist, Rusalka eine junge Frau, die aus ihrem Elternhaus ausbricht, auf der Suche nach Liebe, Ruhm und dem Sinn ihres Lebens. (Rezension der Premiere v. 1.12.2018)

 

Statt Wald und See erlebt man eine ebenso bizarre, wie auch skurrile Umgebung aus Fotostudio im 1. Akt, Laufsteg im 2. Akt und kahler, dunkler Umgebung im 3. Akt. Die Trennung von Land und Wasser ist dennoch gelungen durch klare, wabernde Stellwände. Eine großartige Beleuchtung machte das Bühnenbild perfekt. Auch der Publikumsraum wurde mit einbezogen.

Ein schrilles Kostümspektakel aus Barbieworld und Prada. Ein Leben mit Alkohol, Tablettensucht, Psychiatrie, eine oberflächliche Gesellschaft des „sich zur Schau stellens“.

Theater Hagen/Rusalka/ Angela Davis (Rusalka) /Foto @ Klaus Lefebvre

Es wäre schade, würde man alles aufzählen, was die Inszenierung bietet.

  1. Akt: Rusalka ist in den Prinzen verliebt und will seine Liebe gewinnen, sie will ihre Welt verlassen, ihr Vater, der Wassermann, versucht sie zu halten, zu warnen vor einem Umfeld, in dem Frauen nichts gelten, sie schlägt alle Warnungen in den Wind und erbittet die Hilfe von Jezibaba, schenkt ihr ihre Stimme, bleibt für immer stumm und kann so zu ihrem Prinzen kommen, ihre Stimme wird aber für die Menschen niemals hörbar sein. Der Prinz verliebt sich in die fremde weisse Gestalt und nimmt sie mit sich.
  2. Akt: Der Prinz will Rusalka heiraten, obwohl er die Leidenschaft bei ihr vermisst. Die Hofgesellschaft zeigt ihre Irritation über die seltsame Fremde und eine aufreizende Fürstin zieht den Prinzen in ihren Bann, Rusalka erkennt, daß sie den Prinzen verloren hat, die Gesellschaft demütigt Rusalka und der Prinz weist sie von sich. Der Prinz wird von der Fürstin verlassen und bleibt allein.
  3. Akt: Rusalka weiss nicht wohin, sie kann nicht bleiben, zurück kann sie auch nicht und sucht erneut die Hilfe von Jezibaba. Die sagt ihr, die Erlösung läge darin, den Prinzen zu töten, das kann sie nicht, ihre Liebe ist zu groß.Zwei Menschen aus dem Umfeld des Prinzen suchen ebenfalls Hilfe bei Jezibaba, der Prinz ist seitdem vollkommen verändert. Rusalkas Vater, der Wassermann, jagt die Beiden davon.

    Der verwirrte Prinz findet am Seeufer Rusalka wieder und bittet sie um Erlösung, sie warnt ihn vor ihren Küssen, er fleht sie dennoch an, sie küßt ihn, der Prinz findet darauf seinen Tod und Rusalka ……

Theater Hagen/Rusalka/ Milen Bozhkov /Prinz und Angela Davis/ Rusalka/ Fotograf: Klaus Lefebvre

Angela Davis ist eine wirklich großartige Rusalka, die während der gesamten Vorstellung sowohl stimmlich, als auch in den stummen Szenen darstellerisch überzeugte, Dong-Won Seo ist ein kraftvoller, ausdrucksstarker Wassermann, Milen Bozhkov ein Prinz, der sich im Laufe des Abends stark entwickelte, der dann im dritten Akt wirklich eine hervorragende Leistung gezeigt hat. Die Fürstin ( Veronika Haller) und Kristine Larissa Funkhauser als Jezibaba, der Küchenjunge, Kenneth Mattice  als der Heger/Jäger ergänzten in wunderbarer Weise stimmlich die Hauptpartien.

Es war ein so rundes Erlebnis, dass es fast unmöglich ist, jede/n DarstellerIn besonders hervorzuheben.

Das Orchester unter dem Dirigat von GMD Joseph Trafton spielte sicher und harmonisch, wobei das Blech an manchen Stellen etwas zu sehr an Lautstärke dominierte.

Fazit: Eine spannende Erfahrung, die musikalisch jeden begeisterte, darstellerisch hörte man von Publikumsseite aus durchaus kritische Sätze, weil die schrille und moderne Interpretation unverdienterweise leider nicht jeden überzeugen konnte. Ein großer Erfolg, der auch mit viel Applaus und standing Ovation belohnt wurde.

 

  • Rezension der besuchten Premiere vom 1.12.2018 von Rene Isaak Laube/ RED. Das Opernmagazin
  • Weitere Termine, Infos und Kartenvorverkauf unter DIESEM LINK
  • Titelfoto: Theater Hagen/Rusalka/Fotograf: Klaus Lefebvre 

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Prinz (Tenor) Milen Bozhkov

Fremde Fürstin (Sopran) Veronika Haller

Rusalka (Sopran) Angela Davis

Wassermann (Bass) Dong-Won Seo

Jezibaba ( Alt) Kristine Larissa Funkhauser

Heger/Jäger (Tenor) Kenneth Mattice

Küchenjunge (Sopran) Mariyn Bennett

Erste Waldelfe (Sopran) Elizabeth Pilon

Zweite Waldelfe (Mezzosopran) Nina Andreeva

Dritte Waldelfe (Alt) Vera Käuper-de Bruin

Chor des Theaters Hagen unter der Leitung von Wolfgang Müller-Salow

Philharmonisches Orchester Hagen /Dirigent Joseph Trafton GMD

Statisterie des Theaters Hagen /Leitung Wolfgang Niggel

Ein Gedanke zu „Theater Hagen: Antonin Dvoraks Oper „RUSALKA“ – spannend inszeniert und musikalisch anspruchsvoll

  1. Ich war begeistert von der rundum gelungenen Aufführung und hätte eine so moderne Interpretation und Inszenierung in Hagen nicht erwartet. Die Regie von Nina Kupczyk, die keine Symbole und gestalterischen Mittel auslässt, phantasievoll und geschickt gesetzt, in Verbindung mit dem klaren Bühnenbild und den großartigen Kostümen und Frisuren, musikalisch sehr beeindruckend, hält wirklich einer Aufführung in ganz großen Häusern stand und hinterlässt bei mir einen wirklich bleibenden Eindruck. Da lohnt sich eine Reise nach Hagen!

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