Opernhaus Zürich: Premiere von „Die Fledermaus“

Opernhaus Zürich / DIE FLEDERMAUS/ Foto: Herwig Prammer

Mit der Neuproduktion der wohl bekannstesten Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss, im Jubiläumsjahr des 200. Geburstag des Komponisten, präsentiere das Opernhaus Zürich eine rasante, farbenfrohe Inszenierung der Regisseurin Anna Bernreitner im Bühnenbild von Hannah Oellinger und Manfred Rainer und Kostümen von Arthur Arbesser. Die Uraufführung im Jahre 1874, als Wien traumatisiert vom großen Gründerkrach und ein Jahr zuvor die Börse zusammengebrochen war, was viele Vermögen vernichtet hat, passte zum Bedürfnis der Menschen nach Ablenkung. Die ganze Verlogenheit der Gesellschaft mit Maskeraden und falschen Identitäten und Gefühlen wurde ihr schonungslos vorgeführt.  (Rezension der Premiere v. 7. Dezember 2025)

 

Eine Videoprojektion während der Ouvertüre zeigt uns die Situation in der Champagner Bar zwanzig Jahr vorher, als Eisenstein und Falke, die Sängerin Rosalinde umschwärmten. Falke wird betrunken als Fledermaus zum Gespött der ganzen Bar, während Eisenstein mit Rosalinde zusammen die Bar verlassen. Im ersten Akt begegnen wir, in einem grauen, von einer hohen Hecke umgebenen Haus,  der ehemüden Rosalinde und dem Lebemann Eisenstein, welcher am Vorabend seines Haftantritts in Folge eines Streits, von seinem Freund Falke überredet wird auf das ausgelassene Fest des Fürsten Orlofsky zu gehen. Da braucht es natürlich Ausreden. Genau wie das Stubenmädchen Adele, welche ebenfalls überraschend eine Einladung zu diesem Fest erhalten hat und unter dem Vorwand die Tante sei krank um Freigang bettelt. Kaum ist Eisenstein aus dem Haus, kommt Rosalindes Verehrer Alfred und versucht diese wieder, wie in alten Zeiten als Sängerin zu gewinnen. Damit das Chaos komplett wird, erscheint Gefängnisdirektor Frank und hält Alfred für deren Ehemann und führt ihn ab.

Opernhaus Zürich / DIE FLEDERMAUS/ Foto: Herwig Prammer

Der zweite Akt spielt auf der Party des Prinzen Orlofsky, einer knallbunten Insel, wo die Schamlosigkeit keine Grenzen kennt und die obigen Protagonisten in falscher Identität unverhohlen feiern und der Aufforderung Orlofsky „seien Sie frei, seien Sie hemmungslos“ gerne folge leisten. Auch Rosalinde tritt als geheimnisvolle Sängerin auf und so kommt es, das Eisenstein mit seiner eigenen Ehefrau flirtet, ohne zu merken wer sich hinter der Maske verbirgt. Mit dem Verlauf des ausgelassen Festes bröckeln die aufgesetzten Fassaden. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf. Im dritten Akt treten anstelle des Gerichtsdiener Frosch, die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld, welche die Schicksalsfäden der Menschheit in der Hand halten und mit neuen Texten der Schweizer Komikerin Patti Basler, welche sehr pointiert und mit raffinierten Sprachspielen aufwartet, bissig kommentieren.

Es ist der Regisseurin Anna Bernreitner gelungen die veralteten Ansichten aus der Uraufführungszeit der heutigen Zeit suptil anzupassen und so wirkt diese Inszenierung frisch und sorgt auch für manchen Lacher. Das raffinierte Bühnenbild von Hannah Oellinger und Manfred Rainer bietet für das Auge schöne Effekte und zusammen mit der Lichtgestaltung von Martin Gebhardt einen gelungenen Rahmen für die phantasievollen Kostüme von Arthur Arbesser, welcher für jeden Darsteller einen separaten Entwurf gestaltet hat.

Das Orchester der Oper Zürich liess unter dem temperamentvollen Dirigat von Lorenzo Viotti diese prächtige Musik mitreißend aufblühen und überraschte mit einem Vorspiel zum dritten Akt, der „Tritsch-Trasch“ Polka in nie gehörter Version. Hier wurde mit Herzblut musiziert. Da passte zur Polka „Unter Donner und Blitz“ der riesige Blitz auf der Bühne. An Energie hat es in dieser Aufführung wahrlich nicht gemangelt.

Opernhaus Zürich / DIE FLEDERMAUS/ Foto: Herwig Prammer

Einmal mehr ist es dem Opernhaus gelungen ein überzeugendes Ensemble auf der Bühne zu vereinen.

Das Rollendebut von Golda Schultz als Rosalinde, ließ keine Wünsche offen. Sei es im neugetexteten Csárdás, als ehemalige Nachtclub Sängerin oder als am Ende selbstbewusste Ehefrau, sie überzeugt auf der ganzen Linie. Mit Regula Mühlemann kann man eine Idealbesetzung der Adele erleben, welche mit ihren beiden Arien das Publikum zu vielen Bravos hinriss.

Gleich in mehreren Kostümen ist Marina Viotti als Prinz Orlofsky zu erleben. Sie gestaltet die facettenreiche Rolle, sei es als Alte Dame, rassige Südländerin oder androgyner Prinz mit vielen Stimmfarben und dominiert die Szene im zweiten Akt. Mit Matthias Klink hat man als Gabriel von Eisenstein einen spielfreudigen Tenor zur Verfügung welcher mit viel Körpereinsatz und äusserst flexibler Stimme aufwartet. Andrew Owens ist als Alfred bestens besetzt, wird er doch der Rolle des Hippies mit seinem hellem, höhensicheren Tenor auch schauspielerisch gerecht. Ein weiteres gelungenes Rollendebut. Wunderbar die Stimme von Yannick Debus, welcher als Dr. Falke ebenfalls debütierte. „Brüderlein und Schwesterlein“ eines der beliebteste Stücke dieser Operette, wurde zu einem Highlight. Köstlich und in seiner Rolle aufgehend, der im Haus sehr beliebte Ruben Drole als Gefängnisdirektor Frank, eine Paradeleistung.

Rebeca Olvera als quirlige Ida, Nathan Haller als Dr. Blind rundeten dieses hervorragende Ensemble aufs Beste ab. Die drei Nornen von Lucia Kotikova als Skuld, Melina Pyschny als Verdandi und Barbara Grimm als Urd, sprachen die neuen Texte von Patti Basler. Es ist immer schwierig die Balance zwischen Witz und gesuchten Pointen zu finden, die drei meisterten diese Gradwanderung mit Spiel und Aussprache bestens.

Opernhaus Zürich / DIE FLEDERMAUS/ Foto: Herwig Prammer

Ganz besonders ist die Leistung des von Ernst Raffelsberger einstudierten Chor der Oper Zürich zu würdigen. Hier wurde von den Sänger/innen viel gefordert und so entstand eine mitreißende Leistung. Das Finale, wenn der gesamte Chor im Zuschauerraum auftaucht und dem Champagner huldigt, ist ein besonderer Effekt.

Die Tänzer/innen Sara Pennella, Sophie Melem, Gabriel Hinkova, Sara Peña, Pietro Cono Genova, Roberto Tallarigo, Daniele Romano und Lukas Bisculm setzten die rassige Choreografie von Ramses Sigl temperamentvoll um.

Das Publikum zeigte sich größtenteils begeistert und belohnte das Orchester und die Sänger mit vielen Bravos.

 

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert