Opernhaus Zürich: „Die Walküre“ – Premierenbericht

Opernhaus Zürich/WALKÜRE/Camilla Nylund, Tomasz Konieczny /Foto @ Monika Rittershaus

Nach der gelungenen Inszenierung von „Das Rheingold“ im Opernhaus Zürich im April, welche besonders wegen der ästhetischen Bühne viel Zuspruch erhielt, durfte man auf die Fortsetzung des Zürcher Rings mit „Die Walküre“ gespannt sein. Auch diese Aufführung war durch lediglich eine Drehbühne und eine nahezu spartanische Ausstattung von Christian Schmidt, unterstützt durch Florian Schaaf, geprägt. Die einmal mehr, großartige Lichtgestaltung durch Franck Evin trägt das ihre bei, um eine Stimmung zu erzeugen, welche immer wieder überrascht. Die winterliche Szene im Wald, war besonders eindrücklich. (Rezension der Premiere v. 18.09.2022)

 

Mit der sensiblen Personenführung durch Andreas Homoki ist es gelungen, die Charaktere der einzelnen Figuren plastisch hervorzuheben. Er hat auf völlig überflüssige und herbeigedachte Effekte verzichtet und erlaubt dadurch dem Zuschauer, seine ganze Konzentration auf die Handlung zu richten. Man folgt gespannt den einzelnen Schicksalen und erlebt auch dank der schauspielerischen Talente der Sänger, deren Schicksal sehr nachvollziehbar.

Die musikalische Seite dieses Abends wurde zu einem wahren Erlebnis. Mit acht Rollendebüts und sieben Hausdebüts war auch hier für Spannung gesorgt.

Opernhaus Zürich/WALKÜRE/Foto @ Monika Ritterhaus

Der US-Amerikanische Tenor Eric Cutler als Siegmund, mit großer Stimme, aber auch feinen Nuancen und beeindruckenden Wälse-Rufen, konnte bei seinem Debüt überzeugen und bot zusammen mit der hervorragenden Daniela Köhler als Sieglinde einen mitreißenden ersten Aufzug. In der Partie des Hunding, Sieglindes Gatten, konnte mit seiner bestens disponierten Bassstimme Christof Fischesser überzeugen und ebenfalls ein geglücktes Debüt feiern.

Die Rolle des Wotan war mit Tomasz Konieczny besetzt und von ihm erlebte man eine sehr bemerkenswerte Leistung. Als herrischer Göttervater, aber auch als leidender Vater, stets wird man von seiner Interpretation dieser herausfordernden Rolle fasziniert. Hier wird die Rolle nicht nur gesungen, sondern durch den Sänger im wahrsten Sinne des Wortes auch erlebt. Diese Leistung trug ihm auch den stärksten Applaus des Abends ein.

Gespannt war man auch auf das Debüt von Camilla Nylund als Brünnhilde. Ihre „Hojotoho“-Rufe ließen gleich zu Beginn des zweiten Aktes aufhorchen und die Erwartungen, welche bereits im Vorfeld der Aufführung sehr groß waren, wurden durch ihre Stimme und ihr Spiel erfüllt. Mit dem Engagement dieser vielseitigen Sopranistin hat man sich einen Trumpf für die weiteren Ring-Aufführungen gesichert.

Als Göttergattin Fricka war die irische Mezzosopranistin Patricia Bardon ebenfalls mit einem Rollendebut zu hören. Sie gestaltete diese strenge Hüterin der Ehe mit viel Emotion und zeigte gegenüber Wotan keine Gnade.

Opernhaus Zürich/WALKÜRE/Foto @ Monika Rittershaus

Die acht Walküren wurden von Julia Adams als Gerhilde, Anna Werle als Waltraute, Susannah Haberfeld als Rossweisse, Nana Dzidziguri als Schwertleite, Justyna Bluj als Ortlinde und Sarah Cambidge als Helmwige, sowie den Mitgliedern des Internationalen Opernstudios, Simone McIntosh als Siegrune und Freya Apffelstaedt als Grimgerde gesungen und gespielt. Der Walkürenritt wo diese die gefallenen Helden jagen, wurde zu einem rasanten Spektakel.

Wie bereits im „Rheingold“, so erwies sich Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda auch hier als die perfekte Wahl und bot zusammen mit der Philharmonia Zürich eine wunderbare Wiedergabe dieser herrlichen Musik. Er gab den Sängern die erforderliche Unterstützung und genügend freien Raum für ihren Interpretation und nie gab es Stellen, wo sie sich gegen das Orchester hätten durchsetzen müssen.

Opernhaus Zürich/WALKÜRE/Foto @ Monika Rittershaus

Man konnte ergriffen der großen Leistung des Orchesters zuhören und auch wenn noch einige wenige Unsicherheiten bei den Bläsern festzustellen waren, tat dies der überragenden Gesamtleistung keinen Abbruch.

Der uneingeschränkte Jubel des Publikums am Ende der Aufführung für dieses außerordentliche Musikerlebnis war höchst verdient und man darf sich bereits heute auf die Fortsetzung des Rings im März 2023 freuen.

Wer immer Gelegenheit hat, diese Aufführung zu besuchen, sollte sich die Karten bald besorgen.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/WALKÜRE/Camilla Nylund, Tomasz Konieczny /Foto @ Monika Rittershaus

Ein Gedanke zu „Opernhaus Zürich: „Die Walküre“ – Premierenbericht

  1. Sarah Cambigde als Helmwige, sowie den Mitgliedern des Internationalen Opernstudios,

    There Is a typo

    The artist is Sarah Cambidge, not Cambigde

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