Peter Schöne / Foto @ Gisela Schenker

„Mut und Liebe zur Oper“- Meisterkurs und Konzert mit Moritz Eggert und Peter Schöne am Theater Rüsselsheim

Junge Oper Rhein-Main e.V. / Logo

Ankündigung + Interview zum Meisterkurs mit Moritz Eggert und Peter Schöne, der vom 8.-10. Oktober in Rüsselsheim stattfindet. Das Abschlusskonzert am 10. Oktober um 20 Uhr wird öffentlich sein

 

Mit der Kammeroper „Caliban“ von Moritz Eggert probt die Junge Oper Rhein-Main derzeit nicht nur ein spannendes und aktuelles Werk – die Premiere am 26. Oktober im Theater Rüsselsheim wird auch eine deutsche Erstaufführung sein. Um sich optimal auf die Herausforderungen der Musik vorzubereiten, nehmen die jungen Sängerinnen und Sänger Anfang Oktober an einem Meisterkurs beim Komponisten selbst und dem Sänger Peter Schöne teil, arbeiten hier an ihren Partien aber auch mit zeitgenössischem Liedrepertoire. Ihr Abschlusskonzert am 10. Oktober am Theater Rüsselsheim, das sie gemeinsam mit Moritz Eggert und Peter Schöne bestreiten, wird öffentlich sein. Judith Kissel hat mit den Dozenten gesprochen und Sie zu Ihrer Arbeit befragt.

Judith Kissel: Moritz, woran liegt das, dass jüngeres Musiktheater zwar hin und wieder uraufgeführt wird, sich aber nicht im Repertoire verankert?

Moritz Eggert / Foto @ Susanne Diesner

Moritz Eggert: Die Gründe hierfür sind sehr komplex und gerne schieben sich alle Seiten den schwarzen Peter zu: das bornierte Publikum sagt, es liege an der angeblich schlechten heutigen Musik, meistens, ohne irgendetwas von heutiger Musik wirklich zu kennen. Die KomponistInnen wiederum sagen, es liegt am angeblich bornierten Publikum, geben sich aber dann auch nie Mühe, unterhaltsame und begeisternde Musik zu schreiben, sondern geifern eher nach der Anerkennung des Feuilletons und der Fachleute.

Ich persönlich aber glaube, dass der Hauptgrund die Strukturen sind: der gesamte Opernbetrieb ist von seiner Organisation komplett auf ein relativ kleines Kernrepertoire des vor allem 19. Jahrhunderts ausgerichtet. Man ist quasi in einer glorreichen Zeit künstlerisch steckengeblieben, was letztlich in einem vornehmlich musealen und immer wieder dasselbe reproduzierenden Spielplan mündet, in dem einfach das Neue nicht genügend Platz hat, um sich wirklich zu entfalten.

Was brauchen wir, um an den Häusern irgendwann eine Quote von 50% neuer Werke zu hören?

Moritz Eggert: Nichts weiter als Mut und Liebe zur Oper.

Peter, du arbeitest viel mit zeitgenössischen KomponistInnen zusammen und bist an zahlreichen Uraufführungen beteiligt. Was interessiert dich an Neuer Musik?

Peter Schöne: Die „Neue Musik“ ist für mich, was für andere neugierige Menschen die unentdeckte Insel, der Asteroid im Weltraum oder neuerdings die Reise zum Mars ist. Ich empfinde es als Entdeckungsreise in eine unbekannte Welt: Die Gedankenwelt eines anderen Künstlers. Keine Aufnahme, die mir die Interpretation vorgeben und mich in ein Korsett zwängen, das andere von mir erwarten. Nur die Noten und das Ziel, das Stück möglichst gut zur Aufführung zu bringen, damit das Publikum entscheiden kann, ob sie gerade einem neuen Mozart lauschen, oder einem neuen Beethoven.

Du bist als Opernsänger am Saarländischen Staatstheater engagiert. Welche Rolle spielt hier die zeitgenössische Musik und Oper?

Peter Schöne: Eine zunehmend größere, was mich sehr freut. Das „neueste“ Stück, das ich hier sang, war in der letzten Spielzeit „Der Sturm“ von Frank Martin. Aber ich würde auch gerne mehr von Henze singen. Diese Musik ist ergreifend, berührend und spricht mich als Künstler unmittelbar an.

Inwieweit bereiten die Musikhochschulen die Studierenden auf diese Musik vor? Und was müssen Musikhochschulen leisten, um junge Menschen zu selbstbestimmten und verantwortungsbewussten KünstlerInnen zu erziehen?

Moritz Eggert: Das alles hängt vor allem von den richtigen Lehrerinnen und Lehrern ab. Aber die Musikhochschulen könnten mehr dafür tun, Freiheit und frischen Wind hineinzulassen, Studierende zu stärken, sie ernster zu nehmen und sich nicht unhinterfragt auf Traditionen zu verlassen. Kunst ist ständig im Wandel, und die Institutionen kommen da oft nicht hinterher, weil sie sich selber nicht wandeln. Ich halte z.B. viele Vorstellungen über die Ausbildung für vollkommen veraltet – wir stopfen junge Menschen voll mit Probespielrepertoire aus allein dem 19. Jahrhundert und verarmen sie geistig wie künstlerisch, warum eigentlich?

Peter Schöne / Foto @ Gisela Schenker
Peter Schöne / Foto @ Gisela Schenker

Peter Schöne: Ja, es gibt noch immer Berührungsängste mit zeitgenössischer Musik, aber die Akzeptanz steigt. Einige Stücke sind extrem schwierig und schrecken vielleicht im ersten Moment jungen InterpretInnen ab. Aber mit ein wenig Aufmerksamkeit kann man die oben erwähnte Entdeckungsreise unternehmen und ich bin sicher, dass in jedem die Neugier schlummert.

Im Oktober gebt ihr gemeinsam einen Meisterkurs für junge SängerInnen. Worauf werdet ihr bei dieser Arbeit Wert legen? Und was wollt ihr ihnen über zeitgenössischen Opern- und Liedgesang nahebringen?

Moritz Eggert: Ich bin natürlich kein Gesangslehrer, aber ich habe so oft mit Sängern gearbeitet, dass ich vielleicht von rein musikalischer Seite die eine oder andere Anregung geben kann. Und ich kann sie ermutigen, dass sie alles können, wenn sie ihre Ängste überwinden! Für die Technik ist dann Peter zuständig…

Peter Schöne: Mir ist es wichtig, dass man „Neue Musik“ technisch so gut singt wie Schubert. Dass man sie gesund singt. Auch die Stellen, die über das normale Singen hinausgehen. Diesbezüglich gilt es, Wege zu finden. Jede/Jeder mit seiner Stimme.

Was ist dir wichtig, Moritz, wenn sie deine eigene Musik erarbeiten und singen? Gibt es für dich hier so etwas wie Werktreue?

Moritz Eggert: Die größte Musik ist die, die man auf hunderte Weisen interpretieren kann, und in der man dann immer neue Sachen entdeckt. Eine sorgfältige Realisation kann in Entscheidungen münden, die vielleicht sogar gegen die ursprüngliche Intention des Komponisten geht. Solange ich lebe, werde ich dazu eine Meinung haben – manches wird mir vielleicht nicht gefallen, manches wird mich überzeugen. Aber am Ende des Tages habe ich mein Stück in die Welt gesetzt und es aus der Hand gegeben. Es ist die Aufgabe der MusikerInnen, verantwortungsvoll damit umzugehen.

Ihr beiden kennt euch schon lange. Was verbindet euch? Was schätzt ihr aneinander?

 Peter Schöne: Moritz Eggert ist ein unglaublich kluger, emotionaler, sensibler und geistreicher Mensch. Genauso ist auch seine Musik. Sie spiegelt seine Seele wieder. Ich mag sie sehr!

 Moritz Eggert: Mit Peter zusammenzuarbeiten ist immer wie ein Geschenk – wir kennen uns schon so lange und so gut, dass wir uns absolut aufeinander verlassen können, was die Arbeit sehr angenehm macht. Er kennt wie kein anderer meine Vokalmusik und ist immer mit vollem Einsatz dabei. Ich halte ihn für ein Phänomen und habe den größten Respekt vor ihm, er ist das Musterbeispiel eines „intelligenten“ Sängers, der auch eine wunderschöne Stimme hat!

Was möchtet ihr den den jungen KünstlerInnen mitgeben, die nun „Caliban“ auf die Bühne bringen?

 Moritz Eggert: Überall Mäßigung, nur nicht in der Kunst.

 Peter Schöne: Ich freue mich auf den Austausch mit den jungen KollegInnen. Ich empfinde meine Aufgabe, als Coach nicht einseitig. Auch ich werde wieder viel lernen, da bin ich sicher!

 

Abschlusskonzert 
10. Oktober, 20 Uhr
Theater Rüsselsheim

Tickets http://bit.ly/TicketsAbschlusskonzertMeisterkurs

 

  • Titelfoto: Peter Schöne / Foto @ Gisela Schenker

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