Jesus Christ Superstar- 2. Vorstellung vom 24.10.14 im restlos ausverkauften Opernhaus Dortmund

Sven Fliege/Patricia Meeden/Mark Seibert..Foto@Stephan Drewianka, www.musical-world.de
Sven Fliege/Patricia Meeden/Mark Seibert..Foto@Stephan Drewianka, www.musical-world.de

Einen Tag vor der 2. Vorstellung der gefeierten Dortmunder Inszenierung der Rockoper JESUS CHRIST SUPERSTAR mussten gleich zwei Hauptpartien krankheitsbedingt ersetzt werden. Alexander Klaws (Jesus) und David Jacobs (Judas) standen aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verfügung. Zudem meldete sich auch noch Ks. Hannes Brock, der Herodes der Premiere vom 19.10., krank. Die Oper Dortmund war gezwungen gleich drei Hauptpartien kurzfristig neu zu besetzen. Dies gelang ihr famos. Von Ersatz keine Rede. Es wurde eine JCS-Aufführung, die der ersten, von der Kritik fast einstimmig bejubelten Premiere, in nichts nachstand. Am Ende der Rockoper feierte das begeisterte Publikum das gesamte Ensemble frenetisch.

Natürlich waren viele Alexander Klaws-Fans enttäuscht ihren Star an diesem Abend leider nicht erleben zu können, zeigten sich aber sehr verständnisvoll und wünschten ihm auf seiner Facebook-Seite baldige Besserung. Ab dem 9.11. wird Klaws wieder auf der Bühne stehen. Die Oper Dortmund informierte auch direkt vor der Aufführung durch eine Sprecherin noch einmal über die kurzfristigen Umbesetzungen aufgrund der krankheitsbedingten Ausfälle. In Zeiten erhöhter Erkältungsgefahr kann es immer wieder mal zu kurzfristigen Absagen kommen. Am unglücklichsten darüber sind die Künstler aber oft selbst. Es gilt aber: The Show must go on! Und das tat sie auch an diesem Abend. Alle waren begeistert.

Die zweite Vorstellung verlief ebenso mitreissend wie die Premiere.

Mark Seibert als Jesus Christ / Foto: copyright Thilo Beu
Mark Seibert als Jesus Christ / Foto: copyright Thilo Beu

Von daher verweise ich auf meine Premierenkritik vom 20.10.14 und beschränke mich hier auf die kurzfristig eingesprungenen Darsteller Mark Seibert (Jesus), Sven Fliege (Judas) und Dirk Weiler (Herodes). Zudem sang Markus Schneider in der zweiten Aufführung den Pontius Pilatus. (In der Premiere gegeben von Mark Weigel). Und natürlich wieder ein paar Worte zu der hervorragenden Patricia Meeden als Maria Magdalena und als Soulgirl.

Mark Seibert (Jesus) Foto@Das Opernmagazin
Mark Seibert (Jesus) Foto@Das Opernmagazin

Mark Seibert war der gefeierte Jesus Christ in der Bonner Serie dieser Bonner-Dortmunder Koproduktion der Andrew Lloyd Webber – Rockoper. Schon damals hochgelobt von Kritik und Publikum, sprang er kurzfristig für seinen Kollegen Alexander Klaws in Dortmund ein. Der international bekannte Musicalstar nutzte dieses kurzfristige Einspringen vom ersten Moment an souverän und gab einen Jesus Christ, der das Publikum begeisterte. Nach seinem hochemotional gesungenen Song „ I Only Want To Say“ erhielt er völlig zu recht Bravorufe und stürmischen Applaus vom Publikum. Seibert legte die Rolleninterpretation stimmlich sehr intelligent und menschlich an, setzte die gesanglich expressiven Ausbrüche genau an die vom Komponisten gewollten Stellen ein und war auch schauspielerisch ein Jesus Christ der absoluten Extraklasse. Hochverdienter Schlussjubel für ihn!

Sven Fliege (Judas) Foto@Mark Noormann / www.mark-noormann.de/
Sven Fliege (Judas) Foto@Mark Noormann / www.mark-noormann.de/

Sven Fliege, der ursprünglich im November seinen ersten Judas geben sollte, musste seine persönliche Premiere überraschend vorverlegen. Vielleicht war es auch gerade dieser zeitlich unvermutete Adrenalinschub, welcher den Künstler zu einer Höchstleistung, wie am vorgestrigen Tag, angetrieben hat. Fliege ging in seiner Rolle geradezu auf. Die innere Zerrissenheit zwischen Hingabe und Kritik an „seinem“ Jesus war zu jeder Zeit deutlich spürbar. Dem Erliegen des verlockenden „blood money“, den Zweifeln zuvor und dem dann folgenden Entsetzen über den eigenen Verrat gab der Künstler mit beachtlichen stimmlichen Mitteln großen Ausdruck. Er setzte seine Gesangsstimme situationsbezogen, mal zurückhaltend, dann wieder ausbrechend, ein. An manchen Stellen fast lyrisch zu nennen. Andrew L. Webber hätte an diesem Judas sicher seine Freude gehabt. Und nicht nur er – das Publikum feierte auch ihn für seine tolle Leistung. Auf weitere Judas‘ von ihm darf sich das JCS-Publikum auch zukünftig freuen. Bravo für diesen „Judas“!

Dirk Weiler (Herodes)Foto@Stephan Drewianka, www.musical-world.de
Dirk Weiler (Herodes)Foto@Stephan Drewianka, www.musical-world.de

Auch Dirk Weiler als Herodes ist für weitere Vorstellungen vorgesehen. Sang diese Rolle aber nun auch vorgezogenerweise, aufgrund der Erkrankung von Ks. Hannes Brock. Er machte aus seinem Auftritt in „Herods Song“ ein Kabinettsstück der Sonderklasse. Tanzend, sogar perfekt steppend, interpretierte er seinen Part als Jesus-verhöhnenden König Herodes und machte daraus ein Highlight der Aufführung. Die Zuschauer waren hingerissen.

Markus Schneider, der Pontius Pilatus (und Hannas) des Abends, verlieh der Rolle darstellerisch große Ausdruckskraft und gab seiner Stimme den verruchten und schmierigen Charakter, den Webber in seiner Komposition gewünscht hat. Den römischen Statthalter ohne Rückgrat spielte er überzeugend. Weitere Auftritte in dieser Rolle folgen auch für ihn im Laufe der weiteren Aufführungen.

Patricia Meeden (Maria Magdalena)  ©Björn Hickmann / Stage Picture
Patricia Meeden (Maria Magdalena)
©Björn Hickmann / Stage Picture

Über Patricia Meeden als Maria Magdalena (und auch als Soulgirl) ist in den vergangenen Tagen seit der Premiere viel berichtet worden. Und dies ausnahmslos überschwenglich. Auch in der hier rezensierten zweiten Aufführung des Dortmunder Jesus Christ Superstar ist dies nicht anders. Für mich ist sie die beste Maria Magdalena seit der phantastischen Yvonne Elliman. Diese war die erste Maria Magdalena in der legendären Gesamtaufnahme der Rockoper aus den frühen 70-er Jahren. Ein absoluter Glücksfall dieser Dortmunder Inszenierung.

Die musikalische Leitung wurde diesmal von Patricia Martin übernommen. Souverän hielt sie die musikalischen Fäden in der Hand und wurde, wie das gesamte Ensemble, vom Publikum gefeiert.

Fazit:

Glückliche Oper Dortmund! Kann sie doch förmlich aus einem Pool von hervorragenden Musicaldarstellerinnen und Darstellern schöpfen. Mehrere Hauptpartien sind mindestens doppelt besetzt. Und das auf hohem Niveau. Über Zusatztermine wird bereits nachgedacht. Diese Inszenierung hätte es verdient auf CD oder DVD festgehalten zu werden.

@ Detlef Obens

*Info:  Homepage des Theater Dortmund

2 Gedanken zu „Jesus Christ Superstar- 2. Vorstellung vom 24.10.14 im restlos ausverkauften Opernhaus Dortmund&8220;

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