„Ergreifend“ – Tonhalle-Orchester Zürich: Benjamin Brittens „War Requiem“

Kent Nagano / Foto @ Felix Broede
Kent Nagano / Foto @ Felix Broede

WAR REQUIEM / Benjamin Britten

Tonhalle-Orchester Zürich
Kent Nagano, Leitung
Chor und Solisten / Konzert am 7. Oktober 2021

 

 

Das 1962 komponierte “WAR REQUIEM” op 66 von Benjamin Britten ist bis zum heutigen Tag ein berührendes Werk geblieben. 1940 wurde die imposante Kathedrale von Coventry von der deutschen Luftwaffe bombardiert und zusammen mit der ganzen Stadt zerstört. Schon nach kurzer Zeit wurde beschlossen, dieses Bauwerk wieder aufzubauen. Als es dann soweit war, überlegte man sich, mit welcher Musik man die Einweihung gebührend feiern sollte.

Benjamin Britten komponierte dieses Requiem in lateinischer Sprache und integrierte Gedichte von Wilfred Owen in englischer Sprache, welche die Abscheu vor dem Krieg besonders stark ausdrücken. So entstand ein Werk, welches eine enorme Aufmerksamkeit errang. Bei der Uraufführung sollten drei Solisten aus den damals verfeindeten Ländern gemeinsam auftreten und damit ein Zeichen für den Frieden setzen. Dies gelang jedoch wegen des herrschenden kalten Krieges nicht, weil der russischen Sopranistin keine Ausreiseerlaubnis gewährt wurde. Die Betroffenheit des Publikums nach der Aufführung war damals überwältigend. Für eine Weile war es in der Kathedrale totenstill. Dies war auch die Absicht des Komponisten, welcher ausdrücklich gewünscht hatte, dass nicht applaudiert wird.

Das 90-minütige Werk lässt sich nur mit einem großen Orchester, wie dem Tonhalle-Orchester Zürich, aufführen. Außerdem verlangt es nach einem großen gemischten Chor, sowie eines Knabenchors. Entsprechend imposant war der Auftritt der vielen Musiker und der beiden Chöre im prächtigen Saal der Zürcher Tonhalle.

Tonhalle Zürich /WAR REQUIEM/R. Brown, I. Bostridge/Foto @ Marco Stücklin

Die Solisten Ian Bostridge, Tenor und Russell Brown, Bariton überzeugten durch ihre einfühlsame Interpretation der vertonten Gedichtetexte. Bei jedem Ton war zu erkennen, wie intensiv man sich mit dem Werk auseinandergesetzt hatte. Die Sopranistin Georgia Jarman agierte vom Balkon aus und erinnerte an eine Engelsfigur. Mit großer Stimme und viel Gefühl bot sie eine eindrückliche Leistung.

Ganz besonders muss man die Zürcher Sing-Akademie und die Zürcher Sängerknaben hervorheben, deren Chorpartien minutiös einstudiert waren und das Publikum berührten. Das AMEN am Ende des Werks war wahrhaft himmlisch.

Unter Kent Nagano gestaltete das Tonhalle-Orchester Zürich ein mächtiges Klangerlebnis, welches die außerordentliche Qualität dieses Orchesters einmal mehr unter Beweis stellte. Auch hier wurde jedes Detail herausgearbeitet und auch das Kammermusik-Ensemble, welches die Passagen der Gedichtetexte begleitete, bot höchstes Niveau.

Die nach den letzten Klängen herrschende längere Stille im Saal war ein Zeichen, wie auch heute noch dieses Werk betroffen macht.

Man verließ den Konzertsaal sehr beeindruckt.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Tonhalle Zürich
  • Titelfoto: Marco Stücklin

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