Opernhaus Zürich: Wiederaufnahme von Richard Strauss‘ „Arabella“

Opernhaus Zürich/ARABELLA/Foto @T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Die Lyrische Komödie, als welche diese Oper bezeichnet ist, hat durchaus auch tragischen Elemente. So beispielsweise die Vertuschung der Tatsache, dass Arabellas Schwester Zdenka, in Wahrheit ein Junge ist, denn aus finanziellen Gründen konnte man sich nicht erlauben, dass eine zweite Tochter ebenfalls in die Gesellschaft eingeführt werden müsste. Der Konflikt ist vorprogrammiert, denn dieser „Junge“ verliebt sich in Matteo, welcher jedoch für Arabella schwärmt. Was ebenfalls für Komplikationen führt, ist die Spielsucht des Vaters. (Rezension der Wiederaufnahme v. 8.5.2022)

 

Mit allen Mitteln wird versucht, die Fassade einer wohlhabenden Familie aufrecht zu erhalten. Arabella, die schöne Tochter, soll möglichst reich verheiratet werden. Sie aber hat eigene Vorstellungen vom „Richtigen“, welcher einmal erscheinen wird. So werden alle Versuche von den drei Grafen, welche um sie werben und von Matteo, zwar charmant aber bestimmt mit mädchenhafter Koketterie abgelehnt. Doch als Mandryka überraschend in das Leben der Familie tritt und Arabella schnell erkennt, dass er der Richtige ist, wendet sich das Blatt. Jedoch nicht ohne einige große Verwirrungen. Erst nach vielen Unsicherheiten und Missverständnissen finden sich die Richtigen und die Oper nimmt ein gutes Ende.

Regisseur Robert Carsen verlegt diese Oper ins Jahr 1938, als Hitler auf dem Gipfel seiner Macht stand. So gibt es in der Oper eine gewisse Verbindung mit jener Zeit. Die Uraufführung dieses Werkes fand im Juli 1933 statt, kurz nachdem Hitler Reichskanzler wurde.

Opernhaus Zürich/ARABELLA/Foto @T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Der Ausstatter Gideon Davey hat ein Bühnenbild erschaffen, welches eine sehr elegante Hotelhalle zeigt und sich über drei Stockwerke erhebt. Viele Details auch im Hintergrund sind raffinierte Ideen, welche mit großer Ästhetik ausgearbeitet wurden und die optisch ansprechende Bühne beleben. Irritierend wirken die Uniformen mit dem Hakenkreuz und die großen Flaggen beim Ballbild. Erstaunlich, dass im Publikum deswegen keine Reaktionen festzustellen waren, welche sich gegen diese Idee gerichtet hätten. Wenn im Zwischenspiel vom 2. zum 3. Akt dann sogar noch ein Tanz mit Hitlergruß Gesten stattfindet, ist die obere Grenze des erträglichen in diesem Zusammenhang erreicht. Die Lichtregie, welche ebenfalls von Robert Carsen gemeinsam mit Peter van Praet erarbeitet wurde, schaffte intime Momente. Elegant sind auch die Kostüme, welche in der großen Ballszene ein harmonisches Bild ergeben.

Auf der musikalischen Seite wartete diese Wiederaufnahme mit einigen Rollendebuts auf.

An allererster Stelle sei hier das Debut von Hanna-Elisabeth Müller als Arabella genannt. Was für eine wunderschöne facettenreiche Stimme. Auch schauspielerisch gestaltete sie ihre Partie sehr überzeugend. Gewiss wird Arabella eine ihrer Glanzpartien werden. Ein Genuss!  Zum ersten Mal an diesem Hause hörte man in der Rolle der Zdenka die Sopranistin Anett Fritsch. Sie gestaltete diese Partie mit höhensicherer Stimme und viel Energie. Die fast unsingbare Rolle der Fiakermilli war mit der temperamentvollen Aleksandra Kubas-Kruk gut besetzt. Sie meisterte die Koloraturen souverän. Die Partie der besorgten Mutter Adelaide war bei Judith Schmid bestens aufgehoben. Die Kartenauflegerin gestaltete Irène Friedli.

Bei den Männerpartien gibt es auch viel erfreuliches zu berichten.

Opernhaus Zürich/ARABELLA/Foto @T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Josef Wagner, welcher schon in der Premiere die Rolle des Mandryka sang, ein protziger Grossgrundbesitzer und dennoch ein sehr schnell emotional werdender Liebhaber, passte hervorragend in diese Partie und konnte mit kraftvoller Stimme aufwarten. In den Szenen mit Arabella entstand so genau die richtige Spannung zwischen den beiden.

Ein weiteres Rollendebut als leidender Matteo gab der in Zürich beliebte Tenor Pavol Breslik. Mit vollem Stimmeinsatz und viel Emotion darf auch dieses Debut als gelungen bezeichnet werden. Graf Waldner, Arabellas Vater, war mit Michael Hauenstein bestens besetzt. Sei es als ein von Rechnungen geplagter Mann, als Spieler oder besorgter Vater, stets kam er überzeugend über die Bühne.

Die drei adretten Grafen, sangen Nathan Haller, Graf Elemer, Yannick Debus, Graf Dominik und Brent Michael Smith, Graf Lamoral. Alle drei konnten mit Stimme und Spiel einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.

Schlussapplaus/Fot @ Marco Stücklin

Mit Markus Poschner am Dirigentenpult der Philharmonia Zürich kam man in den Genuss einer glanzvollen Wiedergabe dieser wunderbaren Musik von Richard Strauss. Sämtliche Emotionen der Komposition wurden gefühlvoll herausgearbeitet und berührten den Zuhörer. Der Chor und der Statistenverein der Oper Zürich, sowie die Tänzer welche mit der Fiakermilli oder in der Choreographie zwischen den Akten auftraten, ergänzten diese gelungene Aufführung aufs beste.

Das Publikum zeigte sich sehr begeistert und belohnte alle Mitwirkenden mit viel Applaus.

Wer eine der wenigen Aufführungen besuchen kann, sollte sich das nicht entgehen lassen.

 

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich / Stückeseite
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/ARABELLA/Foto @T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf 

 

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