Opernhaus Wuppertal: Franz Léhars „Das Land des Lächelns“ in opulenter Ausstattung

Foto @ DAS OPERNMAGAZIN

Wer kennt sie nicht, Franz Léhars romantische Operette „Land des Lächelns“, die ohne ein Happy End auskommen muss und eine gewisse Gesellschaftskritik und das aufzeigen der Probleme mit starren Konventionen, unter anderem denen der jeweiligen Hofzeremonien, durchaus deutlich macht. Der Text von Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda ist nach einer Vorlage von Victor Léon. Ursprünglich hieß das Stück „Die gelbe Jacke“. Die gelbe Jacke wurde erstmals 1923 in Wien aufgeführt, das Land des Lächelns hatte seine Uraufführung am 10. Oktober 1929 im Metropol-Theater in Berlin. Beide Stücke spielen 1912 in Wien und Peking. Im Theater Wuppertal hatte diese melodienreiche Operette nun ihre Premiere. ( Bericht der Premiere vom 14.10.2018 )

 

Die Wuppertaler Inszenierung entstand in einer Zusammenarbeit mit der Oper Hongkong und dem Theater Erfurt, so kommt der Zuschauer in den Genuss sich an sehr schönen chinesischen Originalkostümen zu erfreuen. Das Bühnenbild gibt die notwendige Szenerie eines Wiener Salons und eines chinesischen Palastes sehr gut wieder. Beides wurde von Hsiu-Chin Tsai entworfen, die sich bereits durch weltweite Arbeiten einen Namen gemacht hat.

Opernhaus Wuppertal/ Das Land des Lächelns/ R. Ralinova + S. Jeon/ Foto @ Bettina Stöß

In den Hauptrollen brillierten Sangmin Jeon als Prinz Sou-Chong (Tenor) und  Ralitsa Ralinova als Lisa (Sopran) als unglückliches Paar. Nina Koufochristou sang die Partie der Mi, Schwester des Prinzen (Sopran). Ebenfalls hervorragend besetzt die Rolle des Onkel Tschang, Sebastian Campione (Bassbar.). Auch die weiteren Rollen, Graf Gustav, genannt Gustl Mark Bowman-Hester (Tenor), Graf Ferdinand, Vater von Lisa, Marco Agostini, sowie der chinesische Diener Oliver Grice. 

Der Opernchor der Wuppertaler Bühnen ergänzte das Ensemble unter der Leitung von Markus Baisch.

Das Sinfonieorchester Wuppertal unter dem sicheren und harmonischen Dirigats des noch jungen Johannes Pell aus Österreich erfüllte alle Erwartungen.

Lisa und Prinz Sou-Chong, in wunderbarem Zusammenspiel, werden zwischen Freude und Leid ihrer Liebe hin und gerissen, „Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt“… , „Dein ist mein ganzes Herz“, „Mein Herz weiss jetzt, was Sehnsucht ist“… „Immer nur lächeln…„verlieben sich, heiraten und zerbrechen am Ende doch an den Konventionen weil Lisa nicht akzeptieren kann, dass der sittenstrenge Oheim Tschang darauf besteht, dass ihr geliebter Sou-Chong vier Mandschu-Prinzessinnen heiraten soll um den Bräuchen am chinesischen Hof zu entsprechen und sie nach der Tradition nur eine weiße Mätresse ist, die nach der erfolgten Heirat den Hof zu verlassen hat. Den Schwüren ihres geliebten Prinzen schenkt sie kein Ohr mehr und will in verlassen.

Opernhaus Wuppertal/Das Land des Lächelns/ Foto @ Bettina Stöß

Mi, die Tennis spielende Schwester des Prinzen, ist als einzige bei Hof Lisa zugewandt, ihrerseits versucht sie eine gewisse Emanzipation zu erlangen. In der Arie „Salon zur blauen Pagode“ hält sie ihrem Onkel vor, was die Männerwelt von Frauen bei Hofe erwartet, stricken, sticken, waschen, kochen und dann wieder in die Wochen…. Warum sie dabei vor ihrem Onkel einen angedeuteten Striptease hinlegt, bleibt der Phantasie überlassen.

Graf Gustav von Pottenstein, kurz genannt Gustl, der Jugendfreund von Lisa, der ihr den Hof macht, ihr dann nach China folgt und sie nach dem Zerwürfnis mit dem Prinzen, weckt bei Mi Hoffnungen, geht dann aber doch mit Lisa fort um mit ihr nach Wien zurück zu kehren.

Unverständlich blieb, weshalb der Onkel des Prinzen wie ein Dämon geschminkt war, das lenkte die Emotionen in die Richtung des bösen Onkels, der jedoch nur die Sitten und Traditionen gewahrt wissen will.

Die Inszenierung von Guy Montavon, Generalintendant des Erfurter Theaters, polarisierte. Entweder es gefiel die bewusst eingesetzte „Komik“, mit der das Klischee bedient wird, wie der Wiener so ist, oder man lehnt es ab weil es nur lächerlich macht und dadurch die Tiefe, die auch eine Operette haben kann, verloren geht. Desgleichen wurde der chinesische Diener als eine Art schrulliger Hofnarr dargestellt. Auch hier wieder der Einwand, kann man lustig finden, aber der kritische Aspekt bleibt dabei auf der Strecke. Davon abgesehen ist es eine gelungene Inszenierung und ein Besuch lohnt sich allemal.

 

  • Rezension der Premiere vom 14.10.2018 von Rene Isaak Laube
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  • Titelfoto: Opernhaus Wuppertal/Das Land des Lächelns/ Foto @ Bettina Stöß

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