Opernhaus Zürich: Premiere von Händels „Giulio Cesare in Egitto“

Opernhaus Zürich/ GIULIO CESARE IN EGITTO/Justin Kim, Carlo Vistoli, Anne Sofie v. Otter/Foto: Monika Rittershaus

Mit Georg Friedrich Händels Oper „Giulio Cesare in Egitto“ kam eine der beliebtesten und meistgespielten Opern dieses Komponisten zur Aufführung. Das Werk kam im Februar 1724 im King‘s Theatre am Haymarket in London zur Uraufführung, wo die meisten seiner Opern ihre Erstaufführung erlebt hatten. Wann genau Händel mit der Komposition begonnen hatte, ist nicht bekannt. Das (…Autograph…?) vermerkt lediglich „anno 1723“. Man kann allerdings davon ausgehen, dass er zusammen mit seinem Librettisten Nicolas Haym vor der Uraufführung diverse Änderungen vorgenommen hatte, um auf die Fähigkeiten der damals zur Verfügung gestandenen Sänger/innen Rücksicht zu nehmen. Die Uraufführung war von Anfang an ein großer Erfolg, der bis heute anhält. (Rezension der Premiere vom 11. März 2026)

 

Die Handlung beschreibt die berühmte Liebesbeziehung zwischen dem römischen Staatsmann Giulio Cesare und der ägyptischen Pharaonin Cleopatra. Es geht aber auch um Streitigkeiten, Macht und Thron und um die kriegerischen Auseinandersetzungen, welche mit Tolomeo, dem Bruder Cleopatras, stattgefunden hatten. Die beiden Hauptfiguren sind bis zum heutigen Tag mit einer fantasiereichen, sagenumwobenen Aura umgeben.

Opernhaus Zürich/ GIULIO CESARE IN EGITTO/Max Emanuel Cencic, Anne Sofie v. Otter/ Foto: Monika Rittershaus

Die gezeigte Inszenierung entstand in Koproduktion mit der Opéra de Monte-Carlo. Der italienische Regisseur Davide Livermore verlegte die Handlung auf ein Nilschiff in den 1920/30er Jahren und erinnert damit stark an den berühmten Film „Tod auf dem Nil“.

In den üppigen Bühnenbildern von Giò Forma entsteht eine bewegte, farbenreiche Bilderflut. Auf der riesigen Rückwand wird zunächst mit Wellenvideos von D-Wok produzierten feuer- und wolkenreichen Bildern das Gefühl vermittelt, sich selbst auf dem Schiff zu befinden. Die einzelnen Szenen lassen sich durch das Auf und Ab der Kulissen rasch verwandeln. Einmal befindet man sich an der Reeling, dann im Festsaal, oder in Cleopatras Gemach.

Die herrlichen Kostüme von Mariana Fracasso, das gekonnte Lichtdesign von Antonio Castro in der szenischen Einstudierung von Aida Bousselma, lassen in den drei Stunden der Handlung keine Langeweile aufkommen.

Die Besetzung dieser Aufführung ist von einer erstklassigen Qualität. Es ist gelungen, hier weltberühmte Namen und junge große Talente zu vereinen.

Opernhaus Zürich/ GIULIO CESARE IN EGITTO/Cecilia Bartoli/ Foto: Monika Rittershaus

Cecilia Bartoli als Cleopatra in einer ihrer Glanzpartien, hat einmal mehr gezeigt, was für eine virtuose und temperamentvolle Sängerin und Akteurin sie ist. Man kann nur staunen ob dieser bis in die feinsten Lagen, mit großer Leichtigkeit gezauberten Gesanglinien. Sie ist in jeder Hinsicht die perfekte Idealbesetzung. Cecilia Bartoli hat diese Partie schon vor über zwanzig Jahren im Opernhaus Zürich gesungen und es scheint, als wäre die Zeit an ihr vorbeigegangen.

Die Titelpartie des Giulio Cesare wurde vom italienischen Countertenor Carlo Vistoli, welcher damit sein Debut an diesem Haus gab, gesungen. Er bewältigt diese schwierige Partie mit unglaublicher Hingabe und großer Spielfreude. Sei es als Kapitän des Schiffes, als Showman, oder als verliebter Herrscher, stets gelingt es ihm, das Publikum mit seiner mühelos alle Koloraturen meisternden Stimme zu gewinnen. In seiner Arie „Se in fiorito ameno prato“ wird er von der Konzertmeisterin Ada Pesch auf der Bühne begleitet und es entsteht so ein ganz besonderer Moment.

Cleopatras Bruder Tolomeo wird von einem weiteren, bestens bekannten Countertenor gesungen. Max Emanuel Cencic spielt diesen stets betrunkenen und zu allen Intrigen bereiten Tolomeo mit voller Hingabe und zeigt stimmlich alle Facetten dieser ebenfalls sehr anspruchsvollen Partie.

Der dritte Countertenor an diesem Abend ist der junge Koreaner Kangmin Justin Kim. In der Partie des Sesto brilliert er mit Koloraturen und intensivem Spiel und lässt so diesen durch die Ermordung seines Vaters zum Halbwaisen gewordenen und nach Rache dürstenden Jüngling zu einer zentralen Figur dieser Aufführung werden. Begleitet von seiner Mutter Cornelia, welche mit Anne Sofie von Otter, prominent besetzt ist, entsteht am Ende des ersten Aktes ein großartiges tief berührendes Duett. Mit feiner Phrasierung und subtilem Spiel verleiht sie dieser leidenden Frau eine grosse Wirkung.

Als der in Cornelia verliebte Achilla ist der italienische Bariton Renato Dolcini zu erleben. Er beeindruckt mit seiner herrlich agilen Stimme verbunden mit seinem ausdrucksvollen Spiel. Ein sehr gelungenes Rollendebut. Mit Karima El Demerdasch als Nireno und Evan Gray als Curio, beides Mitglieder des Internationalen Opernstudios, wurde dieses hervorragende Ensemble zu einem wahren Erlebnis.

Die Auftritte der TänzerInnen Sina Friedli, Valentina Rodenghi und Francesco Guglielmino bereicherten diese lebhafte Inszenierung durch originelle Einlagen.

Opernhaus Zürich/ GIULIO CESARE IN EGITTO/Cecilia Bartoli, Ensemble/ Foto: Monika Rittershaus

Der Chor SoprAlti und der Zusatzchor der Oper Zürich, einstudiert durch Alice Lapasin Zorzit, sangen in den kurzen Chorszenen mit herrlichem Wohlklang.

Doch dieser Abend hatte noch zwei weitere große Gewinner. Mit Gianluca Capuano ist einer der ganz großen Experten für historische Aufführungspraxis am Pult zu erleben. Zusammen mit dem umwerfenden Orchestra La Scintilla ist jeder Moment dieser Aufführung ein Genuss. Hier werden alle Facetten dieser vielseitigen Partitur mit höchster Präzision und unglaublichem Verve zu Gehör gebracht, sodass man sich den ganzen Abend lang dieser Wirkung nicht entziehen kann.

Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus, Bravorufen und Standing Ovations, welche wiederum vom Ensemble mit kleinen Zugaben belohnt wurden.

Giulio Cesare in Egitto“ wird bis Ende März aufgeführt. Allerdings sind alle Aufführungen bereits ausverkauft.

In diesem Jahr wird zum ersten Mal am Opernhaus Zürich das „Festival Zürich Barock“ mit einer Reihe glanzvoller Aufführungen und Konzerten stattfinden. Informationen und Tickets findet man unter www.opernhaus.ch.

 

  • Rezension von  Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/ GIULIO CESARE IN EGITTO/Cecilia Bartoli, Carlo Vistoli und Evan Gray/Foto: Monika Rittershaus
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