Oper Dortmund: „Summertime“ Sommer-Gala am 22. Juni 2013

Operngala Theater Dortmund
Operngala Theater Dortmund

Vorschau auf die Spielzeit 2013-2014 – Seit Beginn der Intendanz von Jens-Daniel Herzog verfügt das Opernhaus Dortmund über ein festes Ensemble guter bis sehr guter Sängerinnen und Sänger, die in der Lage sind, Opern- und Operettenpartien von Barock über Klassik und Romantik bis ins 20. Jahrhundert zu meistern und Inszenierungsideen erfolgreich umzusetzen.

Zehn von ihnen wirkten bei einer „Summertime“ genannten Sommer-Gala mit, die präsentiert wurde vom örtlichen Händler des größten europäischen Autobauers und gleichzeitig neugierig machte auf die kommende Saison.

Für musikalische Begleitung sorgten die Dortmunder Philharmoniker unter Leitung des scheidenden Kapellmeisters Lancelot Fuhry, die mit Gershwins „Kubanischer Ouvertüre“ lateinamerikanisch-karibisch swingend eröffneten, Bläser und Schlagzeuger dabei rhythmisch besonders markant hörbar, aber auch der sentimentale Mittelteil machte Freude. Als Verbindung zwischen den beiden Spielzeiten sang dann Anke Briegel mit ihrem hellen Sopran innig Susannas „Rosenarie“ aus Figaros Hochzeit, deren gelungene Inszenierung in die kommende Saison übernommen wird.Tamara Weimerich ließ sich als Zerline von Sangmin Lee als männlich auftrumpfendem Don Giovanni im Duettino zumindest zum gemeinsamen „Andiam“ verführen, erstere wird die Juliette im „Grafen von Luxemburg“ und Blondchen in der „Entführung“ singen, letzterer Marqis Posa in Verdis „Don Carlos“, mit dem die neue Spielzeit eröffnet wird. John Zuckerman himmelte als verliebter Lindoro aus der „Italienerin in Algier“ mit etwas Vibrato und glänzenden Spitzentönen seine geliebte Isabella an begleitet vom schönen Hornsolo – hier erinnert sich der Dortmunder Opernbesucher an die heitere Inszenierung von Gregor Horres vor einigen Jahren.

John Zuckerman wird in der neuen Spielzeit mit Armand im „Grafen von Luxenburg“, Don Ramiro in „Cenerentola“ und Pedrillo in der „Entführung“ seine Tenorqualitäten vielfach beweisen können, an diesem Abend tat er es noch zusammen mit Tamara Weimerich im Duett zwischen Ernesto und Norina aus Donizettis „Don Pasquale“ Mag aus Delibes „Lakmé“ die „Glöckchenarie“ am bekanntesten sein, die schönste Gesangsnummer ist aber das „Blumenduett“ von Lakmé und ihrer Dienerin, hier ganz zärtlich wiegend gesungen von Julia Amos und Ileana Mateescu – mit der stimmungsvollen Orchesterbegleitung vielleicht der musikalische Höhepunkt des Abends. Julia Amos wird Angèle im „Grafen von Luxenburg“ und Clorinda in „Cenerentola“ singen, zusammen mit Ileana Mateescu als Aschenputtel Angelina. Sehr stimmungsvoll ließ das Orchester dann den Mond aufgehen mit anschliessendem Mondchor aus Nicolais „lustigen Weibern von Windsor“ wie der Mond von oben leuchtet, so aus dem 2. Rang gesungen. Dortmunds „Startenor“ Lucian Krasznec sang mit dramatischer Verve die eigentlich lyrische Romanze des Fenton aus derselben Oper.Er wird den Grafen von Luxemburg und Belmonte in der „Entführung“ singen zusammen mit Wen Wei Zhang als Osmin, der hier die Macht der Verleumdung aus Rossinis „Barbier“ vom mf bis ff mächtig anschwellen ließ, leider nicht immer mit dem Orchester zusammen. Im Herbst ist er als König Philipp im „Don Carlos“.

Julia Amos-Portrait by Gerardo Garciacano
Julia Amos-Portrait by Gerardo Garciacano

Der Chor wie immer perfekt einstudiert von Granville Walker sang jetzt als direkten Hinweis auf „Carmen“ in der nächsten Spielzeit daraus „La cloche a sonné“, dann mit Katharina Peetz als Carmen zusammen die Habanera. Rassig aussehend und rote Rosen ins Publikum werfend gab sie textverständlich ihrem Mezzo die verführerische Tiefe, die sie auch für Eboli im „Don Carlo“ und Venus im „Tannhäuser“ einsetzen kann! Zum Abschluß des ersten Teils erlebte man nochmals Sangmin Lee mit dem nötigen Macho-Sound im Auftrittslied des „Toréadors“ Die „Carmen“ wird Katharina Thoma inszenieren, während Hausherr Jens-Daniel Herzog fast zur selben Zeit dieselbe Oper an der Hamburgischen Staatsoper inszenieren wird, Premiere in Hamburg 19.1.14 in Dortmund 1.2.14 – wie das so kommt?

Foto @ www.luciankrasznec.de/
Foto @ www.luciankrasznec.de/

Nach der Pause trat weniger dramatisch wieder auf Katharina Peetz, jetzt seriöser im schwarzen Glitzerkleid mit dem der Gala den Namen gebenden „Summertime“ aus „Porgy and Bess“, deren lange Töne sie ohne falsches Vibrato sang. Ileana Mateescu versprach walzerselig dem Geliebten als Lehárs „Giuditta“ ihre so heiß küssenden Lippen. Dann gabs Zucker für Tenöre und ihre Fans – Lucian Krasznec sang stürmisch „Funiculì funiculà“ John Zuckerman träumte wieder mit etwas viel Vibrato von der Rückkehr nach Sorrent (Torna a Surriento) und beide sangen abwechselnd und dann zusammen „O sole mio“, Zuckerman allerdings aus Noten! Einer durfte natürlich auf keinen Fall fehlen, Dortmund Publikumsliebling Ks. Hannes Brock, der in der nächsten Spielzeit als Milchmann Tevje in „Anatevka“ sicher Riesenerfolg haben wird. Im abschliessenden Teil mit Operettenmusik sang er mit schönem Legato und gar nicht schmalzig von den „Dunkelroten Rosen“ aus Millöckers „Gasparone“. Ihm antwortete auch perfekt legato singend Julia Amos mit dem „Strahlenden Mond“ aus Künnekes „Vetter aus Dingsda“, bis dann zum Schluß unter Führung der beiden letztgenannten analog zur „Rosenarie“ zu Beginn alle Solisten und der Chor zusammen sich singend Rosen in Tirol aus Zellers „Vogelhändler“ schenkten.

Als Belohnung des reichlichen Applauses im vollbesetzten Opernhaus wurde als Zugabe unter Führung von Julia  Amos das Trinklied aus „La Traviata“ angestimmt.

Gerade von dem Erfolg seiner Inszenierung der „Sizilianischen Vesper“ aus Frankfurt zurückgekehrt brachte Opernintendant Jens-Daniel Herzog als Moderator gekonnt Sommer, Liebe und Blumen in den passenden Zusammenhang für diesen musikalischen Sommerabend, der am 13. Juli bei dann hoffentlich auch passendem Wetter wiederholt wird.

Sigi Brockmann/Der Opernfreund

Foto Sommergala: Thomas M. Jauk Stage Picture

 

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