Lucerne Festival: Mozarts „La clemenza di Tito“ in konzertanter Aufführung

Lucerne Festival / Foto © Peter Fischli

In seinem letzten Lebensjahr schrieb Wolfgang Amadeus Mozart zwei große Opern. Während der “Die Zauberflöte” gleich von Anfang an ein großer Erfolg beschieden war, der bis heute ungebrochen anhält, wurde “La clemenza di Tito” weniger enthusiastisch vom Publikum aufgenommen. Obwohl bis 1820 eines seiner meistgespielten Werke, verschwand die Oper nach und nach von den Spielplänen und fehlte danach dort gänzlich. Erst in den 1960er Jahren wurde dieser Oper wieder Aufmerksamkeit geschenkt. (Rezension der Vorstellung v. 20. August 2022)

 

Mit wunderbaren Arien und Duetten werden Charakter und Gefühlswelt der einzelnen Figuren nachgezeichnet. Neben Treue, Verrat und Verzweiflung, erlebt man die Zerrissenheit Titos zwischen Macht und Gnade und den Forderungen des Volkes nach Gerechtigkeit.

Die  Oper fand als konzertante Aufführung im KKL Luzern statt. Für einmal nicht durch die Inszenierung abgelenkt, erlebte man die musikalische Seite des Werks besonders intensiv. Wegen der Erkrankung einer Sopranistin war die Aufführung gefährdet. Glücklicherweise gelang es, für die Partie der Vitellia die schwedische Sopranistin Malin Hartelius zu gewinnen. Es bedarf sehr hoher Professionalität, um eine derart anspruchsvolle Rolle innerhalb von Stunden einstudieren zu können. Mit ihrer facettenreichen vollen Stimme und Interpretationskunst trug sie wesentlich zum Erfolg dieser Aufführung bei.

Wo immer Cecilia Bartoli auf der Bühne erscheint, stets ist man sofort von ihrer Ausstrahlung in bann gezogen. Wie sie die Rolle des Sesto mit ihrer wunderschönen Mezzostimme meisterte, bewies einmal mehr den hohen Rang dieser außerordentlichen Sängerpersönlichkeit. Ihre gefühlsbetonte Partie meisterte sie bravourös mit perfekter Stimmführung und feinsten Piani. Lea Desandre als Annio faszinierte mit ihrer wunderbare Mezzostimme und Klangfülle. Mélissa Petit als Servilia verfügt über einen glockenreinen Sopran, welcher einmal mehr begeisterte. Als Tito Vespasiano war der Tenor Charles Workman zu erleben. Er verfügt über eine  große Stimme, welche die Dimension des Raums vergessen liess. Auch die Rezitative meisterte er bestens. Zwar anfangs noch etwas verhalten, steigerte er sich, besonders nach der Pause, deutlich und erbrachte eine überzeugende Leistung. Der ungarische Bassbariton Péter Kálmán als Publio interpretierte seinen Part mit kräftiger Stimme und ergänzte das Sängerensemble auf markante Weise.

KKL Luzern/ Clemenza di Tito/ Foto ©Peter Fischli

Was wären die großen Stimmen ohne ein hervorragendes Orchester? Obwohl erst 2006 auf Initiative von Cecilia Bartoli gegründet, gehört das Orchester „Les Musiciens du Prince-Monaco“, bestehend aus internationalen Spitzenmusiker:innen mit seinem Chefdirigenten Gianluca Capuano am Pult, heute zu den führenden Orchestern und bot eine mitreißende Aufführung auf höchstem Niveau. Ein Hörgenuss im wahrsten Sinne des Wortes.

Das von Gianluca Capuano gegründete und von Jacopo Facchini einstudierte Vokalensemble „Il canto di Orfeo“ liess die Chorpartien auf eindrückliche Weise erklingen.

Das Publikum liess schon nach einzelnen Arien seiner Begeisterung freien Lauf. Am Ende der Aufführung wurden alle Mitwirkenden mit tosendem Applaus und Bravorufen und einer langen Standing Ovation für ihre Leistung belohnt. Ein Abend zum Schwärmen.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • KKL Luzern
  • Titelfoto: KKL Luzern/ Clemenza di Tito/ Foto ©Peter Fischli

3 Gedanken zu „Lucerne Festival: Mozarts „La clemenza di Tito“ in konzertanter Aufführung&8220;

  1. Geschätzte Redaktion
    Ich bitte Sie, das überbelichtete Bild durch ein adäquates zu ersetzen, welche
    Sie auf der Presseseite des Lucerne Festivals finden. Es sind inzwischen weiter Bilder autorisiert worden.
    Ich schätze Ihren Redaktionellen und Visuellen Auftritt sehr.
    Mit freundlichen Grüssen
    Peter Fischli

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