Liederabend mit Anja Harteros: Juwelen der Liedgestaltung

Anja Harteros / Foto Marco Borggreve

Anja Harteros und Wolfram Rieger am 25.2.2019 in der Kölner Philharmonie

Anja Harteros, eine der besten Sängerinnen unserer Zeit, gibt sich die Ehre, am 25. Februar 2019, begleitet von Wolfram Rieger am Klavier, einen Liederabend mit Liedern von Beethoven, Schumann, Schubert, Brahms und Wolf zu geben. Die meisten Besucher kennen sie aus Fernsehübertragungen ihrer Opernrollen, zuletzt als Elsa in „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen 2018.

 

Ein solcher Liederabend bietet die Chance, eine gefeierte Sängerin, die man sonst nur zu Festspielpreisen an den Spitzenhäusern wie München, Paris, Salzburg und Bayreuth hören kann, knapp zwei Stunden lang live zu erleben.

Anja Harteros, die an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln bei Lieselotte Hammes studiert hat, ist hier missionarisch tätig, denn das Kunstlied, besonders, wenn es von einer Frau gesungen wird, spielt im Konzertbetrieb kaum eine Rolle. Das Repertoire ist begrenzt, die Einbettung in ein umschmeichelndes Orchester entfällt.

In der Kölner Philharmonie trat sie zuletzt am 23. Januar 2018 bei einem Gastspiel der Münchner Philharmoniker auf und interpretierte Wagners „Wesendonck-Lieder“ in einer Fassung für Frauenstimme und Orchester von Felix Josef Mottl unter Valery Gergiev.

Ich werde sie als zu Tränen rührende Mimi in „La Bohéme“ in Bonn nie vergessen. Das war kurz bevor sie 1999 den „BBC Singer oft the World Competition“ in Cardiff gewann. Sie war sie als Solistin zwei Jahre im Ensemble der Oper Bonn engagiert und sang dort die lyrischen Sopranpartien wie Fiordligi, Contessa und Mimi. Der Cardiff-Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt und ist einer der wichtigsten in der Opernszene, denn jedes Land kann nur eine(n) Vetreter(in) entsenden, und das Abschlusskonzert mit den 20 Teilnehmern wird von der BBC übertragen.

Seit 2007 ist Anja Harteros Bayerische Kammersängerin, den Kölner Opernpreis erhielt sie 2010, und zweimal wurde sie Sängerin des Jahres (2009 und 2017) der Zeitschrift „Opernwelt“, um nur einige Auszeichnungen zu nennen.

Auf der Bühne der Philharmonie, wo sonst große Sinfonieorchester spielen, steht nur ein Flügel.

Sie tritt auf ein einem schlichten dunkelblau glitzernden Kleid mit blauer Stola, kein Schmuck, gefolgt von Wolfram Rieger, ihrem Begleiter, und beginnt mit Beethovens „An die Hoffnung“. Nach ein paar Takten bricht sie ab: „Nein, wir sind hier Profis. Wir fangen noch einmal an“, und startet durch.

Die Stimme ist jugendlich-frisch, klingt schwerelos und klar, sie kann sie aber auch abschattieren und im delikaten Piano die wunderbarsten Melodiebögen schaffen. Sie hat mit den ersten Tönen ihr Publikum in den Bann geschlagen: atemlose Stille, wer hustet, wird von bösen Blicken durchbohrt.

Das Programm umspannt romantische Lieder, in der Zugabe überirdisch schön „Zuneigung“ und „Morgen“ von Richard Strauss, und der Applaus will nicht enden. Wolfram Rieger erweist sich als äußerst subtiler und sensibler Pianist und kongenialer Begleiter.

Hier steht eine reife Künstlerin auf der Bühne, die mit enormer Tiefe Lieder wie „Am Tage Aller Seelen“ von Schubert und „Auf dem Kirchhofe“, fast ein Konzentrat des „Deutschen Requiem“, von Brahms gestaltet. Der Farbenreichtum ihrer Stimme, die Perfektion der Interpretation, die Natürlichkeit des Gesangs sind unfassbar.

Sie ist aber auch die jugendliche Liebende, wenn sie mit silbrig-hellem, mädchenhaftem Sopran „Im Frühling“ von Schubert singt, ebenso die enttäuschte Frau, die einer verlorenen Liebe nachtrauert bei Schumanns „Was will die einsame Thräne“.

Kabinettstückchen sind „Der Gang zum Liebchen“ von Johannes Brahms, „Der Hidalgo“ von Robert Schumann und Hugo Wolfs „Storchenbotschaft“, eigentlich für Männerstimmen komponiert, in denen sie als kokette Verführerin ihr Publikum fasziniert.

Sie fasst nach dem Einstieg mit Beethoven die Lieder zu vier Blöcken zusammen, die jeweils einem Komponisten gewidmet sind (Schubert und Schumann im ersten Teil, Brahms und Wolf im zweiten Teil). Die Bandbreite ist enorm.

Dieser Liederabend macht Lust auf mehr! Das gleiche Programm wird sie am 4. März 2019 um 19.00 Uhr in Zürich und am 17. März 2019 um 11.00 Uhr in der Semperoper in Dresden präsentieren.

Anja Harteros singt nur wenige Partien und das nur an den besten Häusern (Bayreuther Festspiele, Salzburger Festspiele, Bastille-Oper Paris, Zürich, Bayerische Staatsoper), sie lehnt das Jetten von einem Haus zum anderen ab. Nächste Opernprojekte sind „Tosca“ im Mai 2019 in München und im Mai/Juni 2019 in Paris, Opéra Bastille, und die Leonora in „La forza del destino“ in Paris und Zürich im Juni 2019.

 

  • Rezension des Liederabends von Ursula Hartlapp-Lindemeyer
  • Kölner Philharmonie – Homepage
  • Titelfoto: Blick in den Saal der Kölner Philharmonie / Foto © KölnMusik/Guido Erbring

 

 

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