Levente Török im Gespräch mit Detlef Obens

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Mit dem aus Budapest stammenden Dirigenten Levente Török geht unsere DAS OPERNMAGAZIN-Gesprächsreihe weiter. Wir trafen uns am gestrigen Tage zu einem gut halbstündigem Gespräch, welches auf dem YOUTUBE-Kanal von DAS OPERNMAGAZIN – und auch am Ende dieses Artikels – zu sehen ist. Levente Török ist derzeit in Österreich tätig und wird dort im Rahmen der WEINVIERTLER FESTSPIELE die musikalische Leitung von Richard Wagners DER FLIEGENDE HOLLÄNDER übernehmen. Die Premiere ist für den 14.8.2020 angesetzt. Während der anstehenden Probenarbeiten fand Herr Török Zeit für ein Gespräch mit mir und wir sprachen über seine beruflichen Stationen, seine Pläne und auch über das Haus, in dem er seit 2018 als 1. Kapellmeister engagiert ist, dem Theater Ulm. (Gespräch v .28.7.2020)

 

Der 1993 in Budapest geborene Musiker Levente Török kommt aus einer musikalischen Familie. Sein Vater war 30 Jahre lang – bis zu seiner Pensionierung – Dirigent an der Budapester Staatsoper und seine Mutter war dort Sängerin im Opernchor. Schon früh war er begeistert von dem, was sein Vater beruflich machte. So erzählt er unter anderem davon, dass er bereits als 2 1/2-jähriger Junge seine erste Oper erlebt hat. Eine Orchesterprobe von LA BOHEME war das damals und seine Liebe zur Musik reifte immer mehr in ihm. Durch den Einfluss der Eltern inspiriert, besuchte er das bekannte Béla Bartók-Musikgymnasium in Budapest und absolvierte dort ein Kompositions- und Klavierstudium.  Daran anschliessend, ab 2011, studierte er Dirigieren und Korrepetition an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Seine ersten beruflichen Schritte machte er 2010, als er an der Budapester Oper als Korrepetitor für das damalige Opernstudio engagiert war. Als Dirigent debütierte er 2014 am Schönbrunner Schlosstheater mit Mozarts DON GIOVANNI.

Wie er selbst in unserem Gespräch ausführt, folgten dann weitere Stationen, wie etwa bei den Wagnerfestpielen in Wels, den Tiroler Festspielen und in der Saison 2014/15 war er als Chordirektorassistent bei der Chorakademie der Wiener Staatsoper tätig. 

Bevor er ab September 2018 als erster Kapellmeister an das Theater Ulm engagiert wurde, war er von  2015 bis 2018 am Theater Regensburg als Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung verpflichtet.

Theater Ulm/Foto @Von Density – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 

In Ulm hat er u.a. Vorstellungen von LUCIA DI LAMMERMOOR und DER FLIEGENDE HOLLÄNDER als Dirigent geleitet und für dieses Jahr war auch die RIGOLETTO-Premiere geplant, die im März stattfinden sollte, aber aufgrund der augenblicklichen Lage, wie so vieles andere auch, abgesagt wurde. „Ich hoffe, dass wir das in der nächsten Saison nachholen können„, sagt er mir im Gespräch. Auch Török ist, wie die meisten seiner Künstlerkollegen/-Innen durch die vielen Absagen und Verschiebungen aufgrund der Coronakrise, direkt betroffen und hofft, dass die kommende Spielzeit wieder eine ganz „normale“ sein wird. 

Seine Mitwirkung an den WEINVIERTLER FESTSPIELEN ist für ihn eine große Freude und wie es dazu kam, erzählt er in unserem Gespräch ausführlich. Er erwähnt dabei ganz besonders den Intendanten der Festspiele, den Tenor Peter Svensson, mit dem er eine sehr gute Zusammenarbeit pflegt. Svensson hatte ihm die musikalische Leitung für den FLIEGENDEN HOLLÄNDER übertragen und so ist auch Wagners Oper eines unserer Themen im Gespräch. Gerade wenn Levente Török über Wagner und seine Werke spricht, ist die Leidenschaft, die er für seinen Beruf hegt, deutlich spürbar. Sehr anschaulich und auch für Nicht-Musiker verständlich beschreibt er die Feinheiten, atmosphärischen Stimmungen und Nuancen der HOLLÄNDER-Partitur und macht auch einen gedanklichen Bogen zu TRISTAN UND ISOLDE, der zweiten Wagneroper dieser Festspiele.

Levente Török

Im Dezember dieses Jahres steht für Levente Török ein weiterer beruflicher Höhepunkt auf dem Programm: Er wird dann an der Budapester Staatsoper Benjamin Brittens SOMMERNACHTSTRAUM dirigieren. Für ihn, der das Haus seit seinen frühesten Kindertagen kennt, eine besondere Freude, aber auch Ehre. Mit dem Opernhaus, in dem sein Vater viele Jahre ebenfalls als Dirigent tätig war, verbindet Török, neben dem künstlerischen, auch menschlich sehr viel. Auf die Frage, ob sein Vater auch bei seinen Vorstellungen anwesend ist, antwortet Török: „Ja, bei allen! Und das ist mir total wichtig.“ Die Ratschläge und auch kritischen Bemerkungen, die ihm sein Vater über seine künstlerische Tätigkeit mitteilt, sind Levente Török sehr wichtig und er schöpft dabei auch aus den großen Erfahrungen, die sein Vater in seinen Jahren als Dirigent, vornehmlich für das italienische Fach, erworben hat.

Levente Török, ein junger Dirigent mit viel Leidenschaft für die Oper, für die Musik und der besonderen Gabe, so anschaulich und authentisch über Musik reden zu können. So habe ich ihn in unserem Videogespräch erlebt. Für seine jetzt anstehenden Termine wünsche ich ihm viel Erfolg und auch viel Freude. Und auch für ihn hoffe und wünsche ich, dass diese Zeit, die leider durch die Coronapandemie so belastet ist, bald endet und der Theaterbetrieb hoffentlich in der nächsten Saison wieder ohne Einschränkungen aufgenommen werden kann. 

Danke lieber Levente, für das Gespräch!

Hier nun das Gesprächsvideo mit dem Dirigenten Levente Török / DAS OPERNMAGAZIN-YOUTUBE-Kanal

 

 

   

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