Komische Oper Berlin: „La traviata“ – Premiere am 1.12.2019

Komische Oper Berlin /Vorabmotiv LA TRAVIATA/ Foto @ Jan Windszus Photography

„La traviata“ – zerrissen zwischen Realität und Phantasie | Premiere: 1.12. | Nicola Raab inszeniert im Spannungsfeld zwischen Aktualität und Mythos, Ainars Rubikis dirigiert 

 

La traviata trifft. Mitten ins Herz. Bis heute. Ein Opernklassiker. Zum Zeitpunkt ihrer Uraufführung 1853 war der Stoff von Giuseppe Verdis Oper radikal modern: Das Leben und Sterben einer zeitgenössischen Prostituierten als Gegenstand der hohen Kunst des musikalischen Dramas – das hatte es noch nicht gegeben. Dennoch machten das berührende Schicksal der Violetta Valéry und Verdis überaus präzise und zugleich mitreißende Musik La traviata in der Folgezeit zu einem der populärsten Werke überhaupt. Die umschwärmte, doch durch ihre Krankheit zum Tode verurteilte Kurtisane verkörpert in der Welt der Oper auf tragische Weise das Bild einer sehnsüchtig liebenden und leidenden, zugleich auch eigenständigen Frau – vielleicht gerade weil sie als Prostituierte gesellschaftlich isoliert ist. Über die Jahrzehnte wurde die Radikalität des Stoffes mystifiziert. Violetta – das war vor allem im 20. Jahrhundert zumeist eine starke, tragische Frauenfigur in einer vergangenen, fernen Welt, verkörpert von einer legendären Interpretin der Gegenwart.

Giuseppe Verdi / CC BY 2.0/File:Palermo Sicily Italy – Creative Commons by gnuckx/

Das Werk, das zum Kernrepertoire der Komischen Oper Berlin gehört, wird hier erstmals in italienischer Sprache zu erleben sein. Im Spannungsfeld zwischen Aktualität und Mythos setzt Nicola Raab mit ihrer Inszenierung an und konzentriert sich auf Violetta, als eine Figur der Gegenwart: eine autonome, doch einsame Heldin, deren Leben durch eine tödliche Diagnose aus den Fugen gerät. Ihr Schicksal ist verknüpft mit Reflexionen des »Mythos Traviata«, mit den Verheißungen der amüsierwütigen Pariser Abendgesellschaften des 19. Jahrhunderts samt ihrer Erotik verheißenden Kurtisanen. Und mit dem Glauben an die wahre Liebe. Als Prostituierte stülpt sie sich diesen Mythos wie eine Verkleidung über, um die Sehnsüchte ihrer Kunden zu befriedigen. Im Angesicht ihrer Diagnose flüchtet sie sich in diese Welt der Phantasie, doch aus der Realität des Todes gibt es kein Entrinnen.

Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis übernehmen Natalya Pavlova° und Ensemblemitglied Vera-Lotte Boecker die Titelpartie. Als ihre große Liebe Alfredo Germont geben Ivan Magrì° und Alexey Neklyudov ihre Hausdebüts. In der Rolle des Vaters Giorgio Germont sind Ensemblemitglied Günter Papendell° sowie – ebenfalls in einem Hausdebüt – Giuseppe Altomare zu erleben. Madeleine Boyds Bühnenbild und Annemarie Woods’ Kostüme schlagen eine Brücke zwischen dem Ambiente einer sterilen, modernen Loft-Existenz und der mythischen Traviata-Welt des 19. Jahrhunderts.

°Besetzung der Premiere am 1. Dez 2019.

 

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