Ausgefallen und ganz exklusiv: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz im Konzerthaus Karlsruhe

Michael Francis / Foto @ Felix Broede

Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
Michael Francis, Musikalische Leitung
Konzerthaus Karlsruhe, 2. Juli 2020

Bohuslav Martinů, Jazz Suite. op. H.172
Arturo Márquez, Danzon Nº 4
Aaron Copland, Appalachian Spring Orchestersuite 

 

Im Frühsommer des Beethoven-Jahres 2020 sollte eigentlich Julian Rachlin als renommierter Violinsolist und Dirigent ein Konzert der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz leiten, Beethovens 6. Sinfonie „Pastorale“ stand neben dem Violinkonzert auf dem Programm. Doch aufgrund der Corona-Pandemie kam alles anders, der eigentliche Konzerttermin wurde verschoben und nach den ersten Lockerungen der Regierung musste auch das Programm kurzerhand durch ein anderes, Pandemie-fähiges ersetzt werden. Ganz exklusiv wurde der Abend in der Hinsicht, dass lediglich geladene Gäste sowie das Abonnementpublikum dem Konzerterlebnis beiwohnen durften. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz spielte in kammermusikalischer Besetzung ausgefallene Werke dreier Komponisten des 20. Jahrhunderts, die im regulären Konzertbetrieb eher selten auf dem Spielplan stehen. Zwei kurzen Stücke von Bohuslav Martinů und Arturo Márquez fungierten dabei als Appetizer, während die Orchestersuite „Appalachian Spring“ von Aaron Copland den Kern des Abends bildete.

Konzertfoto/ Deutsche Staatsphilharmonie RLP

Schwungvoll akzentuiert leitete der GMD Michael Francis sein klassisches Orchesterensemble, welches sichtlich Spielfreude an den feurigen Rhythmen und den groovigen Jazzklängen zeigte. In der Orchestersuite „Appalachian Spring“ stach die Solo-Flötistin Christiane Palmen heraus. Ihr war es dank instrumentalistischer Brillanz vergönnt, mit sanft impressionistischem Klang die anderen Orchestermusiker als Primus inter pares zu lenken. Der Dirigent Michael Francis nahm sich in diesem Werk gekonnt zurück, seine Musiker fanden intuitiv im Klang der Flötensoli zueinander.

In den Gesichtern der Orchestermusiker spiegelte sich wahre Glückseligkeit. Endlich stand die Staatsphilharmonie wieder gemeinsam auf der Bühne vor einem Saal mit realen Zuschauern – aller Widrigkeiten der Corona-Pandemie zum Trotz: Dies übrigens ganz im wörtlichen Sinne, denn das Orchester spielte im Stand. Dadurch wirkten die schwungvollen Jazzrhythmen gleich noch etwas frischer, intuitiver und impulsiver. Abseits von jeglicher Animosität zählte für die Instrumentalisten an diesem Abend nur der Augenblick dieser ersten gemeinsamen Konzertreihe seit Mitte März. Der Abend stand gewissermaßen zugleich als Zeichen der Hoffnung auf bessere Zeiten für Kunst und Kultur nach der Spielzeitpause.

Konzertfoto/ Deutsche Staatsphilharmonie RLP

Welch herrlicher und zugleich seltener Anblick in der Zugabe: Nach kurzem Applaus gesellte sich Michael Francis zu seinen Musikern und begleitete das Solistenensemble am Kontrabass spielend– Bravorufe waren ihm für diese überraschende Jam-Session garantiert!

Nach knapp einer Stunde war das Konzert schließlich auch schon vorüber. Hochmotivierte Orchestersolisten sorgten auch in schwierigen Zeiten für einen schwungvoll, musikalischen Hochgenuss – die Staatsphilharmonie wie man sie noch nie erlebt hat, eben einmal ganz exklusiv.

Link zu unserem Interview mit Julian Rachlin, „Hungrig nach Musik“.

Noch ein Kommentar zum Konzerthaus Karlsruhe auch außerhalb der Corona-Pandemie:

Es ist doch etwas bedauerlich, dass das markante neoklassizistische Konzerthaus entgegen seiner eigentlichen Bezeichnung nur extrem selten – durchschnittlich ein Dutzend Mal jährlich – für Orchesterkonzerte genutzt wird. Die Badische Staatskapelle Karlsruhe spielt als heimischer Klangkörper ihre Sinfoniekonzerte im Staatstheater am Ettlinger Tor und die großen tourenden Orchester bevorzugen das Festspielhaus der Nachbarstadt Baden-Baden. Umso erfreulicher, dass die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ein gewachsener Bestandteil der Reihe „Karlsruher Meisterkonzerte“ im Konzerthaus geworden ist und dabei stets aufs Neue mit einem abwechslungsreichen Konzertprogramm überrascht.

 

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