Volkstheater Rostock/BAJAZZO/ James J. Kee / Foto @ Frank Hormann

Volkstheater Rostock: Bajazzo im Zirkusrund – Ruggero Leoncavallo’s Oper begeistert aufgenommen

Volkstheater Rostock/BAJAZZO/ Chulhyun Kim und Laura Meenen/ Foto @ Frank Hormann
Volkstheater Rostock/BAJAZZO/ Chulhyun Kim und Laura Meenen/ Foto @ Frank Hormann

Ruggero Leoncavallos Oper DER BAJAZZO – Eindrücke von der Premiere im Volkstheater Rostock (in Kooperation mit der Staatlichen Artistenschule Berlin / Koproduktion mit der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz) vom 3.6.2018 von den Opernscouts vom DAS OPERNMAGAZIN 

 

Eine Schaustellertruppe trifft in einem Dorf ein. Der Anführer der Gruppe, Canio (James J. Kee), ist von sehr eifersüchtiger Natur und reagiert auf Sticheleien der Dorfbewohner mit der Aussage, dass er (eheliche) Untreue rächen würde. Dies ist nicht ganz optimal für seine Frau Nedda (Laura Meenen) und deren Geliebten Silvio (Grzegorz Sobczak). Als dieser Nedda zur gemeinsamen Flucht zu überreden versucht, wird das Paar von Tonio (Oliver Weidinger) gesehen, der Canio alarmiert. Silvio gelingt es jedoch, unerkannt zu entkommen, worauf Canio Nedda droht, um den Namen des Entflohenen zu erfahren. Die Situation wird von Peppe (Chulhyun Kim) entschärft, der an die beginnend Vorstellung erinnert.

Während des Theaterstücks, das erstaunliche Parallelen zur Realität aufweist, verliert Canio die Beherrschung und ersticht Nedda sowie Silvio. Eigentlich handelt  das Stück von einer Schauspieltruppe, deren verzweigtes Beziehungsgeflecht des privaten Lebens sich mit dem ihres Theaterstücks überschneidet, weshalb man sich fragt, wo die Realität anfängt und das Spiel aufhört.

In Rostock wird Leoncavallos schmachtender Operndauerbrenner passenderweise in einer Zirkusmanege aufgeführt. Leuchtende Farben begrüßen das Publikum, welches sofort in eine andere Welt, in die Welt der Gaukler, Artisten und Schausteller, eintauchen kann. Regisseur Peter Lotschak inszenierte das Stück ziemlich genau an die eigentliche Handlung anpassend. Zusammen mit Bühnenbildner Albert Lang und Kostümbildner Giselher Pilz erschuf er ein sehr stimmiges Gesamtbild, dass den Opernbesucher nahezu auch in die Situation versetzte, neben dem Gefühl eine Oper erlebt zu haben, sogar dazu noch Zirkusillusionen vermittelt zu bekommen. Hier seien auch die drei Artisten ( Jule Schuster, Lukas Köster und Julia Grote) von der Staatlichen Artistenschule Berlin genannt, die gekonnt und souverän ihr Können und Talent unter Beweis stellten. Durch diesen Kunstgriff, die Einarbeitung von artistischen Szenen in die Oper, war es erst möglich, aus dem Einakter „Bajazzo“ dem Publikum eine abendfüllende Vorstellung zu bieten. Sonst sieht man das veristische Werk zumeist in Verbindung mit der „Cavelleria Rusticana“ im Doppelpack. Aber in Rostock erlebt man die Tragödie um den Chef einer Komödiantentruppe als Einzelwerk. 

Volkstheater Rostock/BAJAZZO/ James J.Kee und Laura Meenen&Ensemble/ Foto @ Frank Hormann
Volkstheater Rostock/BAJAZZO/ James J.Kee und Laura Meenen&Ensemble/ Foto @ Frank Hormann

Die ganze Tragödie auf einem Raum. Mitreißend umgesetzt und inszeniert. Nach dem eigentlichen Ende der Oper steht Canio lachend, – es wirkt beinahe unheimlich -, auf  und zeigt dem Publikum, dass das Messer, mit dem er Silvio und Nedda erstochen hat, ein Theatermesser ist, die beiden Ermordeten stehen auch auf und alle verbeugen sich. Dieser szenische Einfall ist durchaus  interessant, weil er das eigentlich düstere Ende der Oper nochmal in Frage stellt. Nach der eigentlichen Oper spielten die in der Inszenierung eingefügten Zirkusmusiker (John Carlson, Robert Beckmann und Hannes Richter) noch ein weiteres Musikstück. Hätte diese letzte Szenerie in absoluter Stille stattgefunden, wäre die Wirkung auf das ergriffene Publikum vielleicht noch ein Stück weit intensiver gewesen. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau nach einem szenisch sehr emotionalen Opernabend. 

Musikalisch wurde diese Bajazzo-Premiere ein Ereignis! Das Publikum wurde von den Solisten und dem Chor verwöhnt und in die veristische Welt von Leoncavallos Meisterwerk entführt.

Die Partei des betrogenen Canio wurde von James J. Kee gesungen. Seine Arie „Vesti la giubba„, sicher eine der bekanntesten und emotionalsten Tenorarien der gesamten Operngeschichte, sang er mit viel Gefühl und hoch überzeugend. Das Publikum war begeistert. Unsere Opernscouts vor Ort schrieben über ihn: „tolle Stimme, eine sichere und super Höhe. Und alles mit perfektem Klang – rund, schön, super!„. Ein toller Erfolg für den US-amerikanischen Tenor. 

Die Nedda wurde von der Sopranistin Laura Meenen mit viel Gefühl und stimmlich sehr überzeugend dargestellt und gesungen. Auch für sie ein großartiger Abend!

Volkstheater Rostock/BAJAZZO/Oliver Weidiger und James J..Kee/ Foto @ Frank Hormann
Volkstheater Rostock/BAJAZZO/Oliver Weidiger und James J.Kee/ Foto @ Frank Hormann

Großen Eindruck hinterließ Oliver Weidinger als Komödiant Tonio. Der Bassbariton sang seine Rolle auf überragende Weise und faszinierte das Publikum mit seinem hoch-intensiven Spiel und seiner Ausstrahlung. Eine tolle Leistung! Von ihm waren unsere beiden jungen Opernscouts besonders angetan.

Peppe und Silvio wurden von Chulhyun Kim und Grzegorz Sobczak gesungen und gespielt. Auch sie, wie alle Solisten des Abends, in überzeugender und packender Manier.

Der Opernchor des Volkstheater Rostock (erweitert um den Kinderchor der Singakademie Rostock e.V.) war bestens einstudiert durch seinen Chorchef Frank Flade.

Die musikalische Leitung des Abends lag bei Manfred Hermann Lehner, der die Norddeutsche Philharmonie Rostock, gefühl- und glutvoll durch die Partitur führte und diese Premiere auch als einen persönlichen Erfolg verbuchen darf.

Viel Applaus, Bravorufe für alle Beteiligte und enthusiastisches „Fußgescharre“ waren am Ende der verdiente Lohn eines begeisterten Premierenpublikums für diesen eindrucksvollen und tief unter die Haut gehenden Opernabend. Ein Besuch dieser Rostocker Inszenierung sei allen Opernliebhabern absolut empfohlen. Bis zur letzten Vorstellung am 20.7. gibt es noch insgesamt 8 weitere Termine und die Möglichkeit diese begeisternde Oper in Rostock – Werfthalle 207 – zu erleben.

 

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  • Eindrücke der Premiere vom 3.6.2018 im Volkstheater Rostock durch junge Opernscouts des DAS OPERNMAGAZIN
  • Titelfoto: Volkstheater Rostock/BAJAZZO/ James J. Kee / Foto @ Frank Hormann

 

 

 
 

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