Theater Lübeck/ OTELLO/ Foto @ Jochen Quast

Theater Lübeck: Verdis „OTELLO“ – Es wird düster…..! – Bericht der Premiere vom 1.6.2018

Theater Lübeck/ OTELLO/ Foto @ Jochen Quast
Theater Lübeck/ OTELLO/ Foto @ Jochen Quast

Eindrücke der Premiere vom 1.6.2018 von den „Jungen Opernscouts“ des OPERNMAGAZIN –  Die Lübecker Inszenierung des Otello hinterlässt ein erdrückendes Gefühl. Das Bühnenbild mit seinen bis an die Decken reichenden Wänden erinnert an einen Bunker, ständiges Grau dominiert das Auge. Äußerst gekonnt agieren die Künstler in dieser Szenerie, spannen den Bogen vom Bühnenbild zur Handlung und sorgen für einen spannenden Opernabend à la Verdi. 

Jago, der sich bei der Beförderung seines jüngeren Kollegen Cassio übergangen fühlt, spannt ein Netz von Intrigen, um sich an seinem Vorgesetzten Otello zu rächen. Was folgt, ist eine Oper voller Schmerz, Liebe und Eifersucht, an deren Ende mehrere Tote stehen. 

Als Cassio nach einem von Jago inszenierten Streit degradiert wird, und auf Anraten Jagos die Hilfe Desdemonas, Otellos Frau, erbittet, nimmt Jago das als Anlass, Otello Lügen über die angebliche Untreue seiner Frau einzuflüstern. Dies nimmt derart Ausmaße an, dass Otello beschließt, seine Frau umzubringen, obwohl diese partout ihre Unschuld beteuert.

Michele Kalmandy, der den Jago verkörpert, besticht neben seinem kraftvollen Gesang durch seine authentische schauspielerische Leistung, mit der er die manipulative und verschlagene Art des Charakters herausbringt, die buchstäblich über Leichen geht.

Theater Lübeck/ OTELLO/ Foto @ Jochen Quast
Theater Lübeck/ OTELLO/ Foto @ Jochen Quast

Marius Vlad überzeugt mit dem zerrissenen Charakter des Otello. Otello, der mit einem verletzten und geschwächten Selbstwertgefühl zu kämpfen hat, erliegt prompt den Einflüsterungen Jagos, der ihm vorgaukelt, seine Frau betrüge ihn mit seinem Untergebenen Cassio (Juraj Hollý hervorragend gesungen, vor allem die Trunkenheitsszene). Auch Marius Vlad brilliert mit seinem facettenreichen Spiel, von Verliebtheit über krankhafte Eifersucht bis hin zum nervlichen Zusammenbruch fiebert man mit ihm mit.

Ein wahrer Lichtblick in all dem (Bühnenbild-)Grau ist María Fernanda Castillo. Ihre Art, die Reinheit Desdemonas zu spielen, die zu Unrecht beschuldigt wird, berührt – und noch mehr ihr Gesang, mit dem sie die Zuhörer atemlos in Bann hält. Die „Opernscouts“ waren von ihrer sängerischen Rollengestaltung völlig begeistert.

Emilia (Julia Grote) und Rodrigo (Hojong Song) wussten beide am Premierenabend das Publikum in ihren jeweiligen Rollen zu überzeugen.

Die Inszenierung (Bernd Reiner Krieger) ist äußerst gelungen – die in dunklen Tönen gehaltene Kulisse ist stimmig mit der düsteren Stimmung und dem Leid, das auf der Bühne (Bühnenbild:  Momme Röhrbein) verkörpert wird. Damit wurde stimmungsvoll eine triste Atmosphäre geschaffen. Nur sehr dosiert öffnet sich manchmal z.B. eine Tür „ins Freie“ (nämlich bei der Szene, als Cassio bei Desdemona um Fürbitte bei Otello bittet, als sie mit Emilia spazieren geht).

Theater Lübeck/ OTELLO/ Foto @ Jochen Quast
Theater Lübeck/ OTELLO/ Foto @ Jochen Quast

Auch die ganzen Requisiten sind in dunklen Tönen gehalten. Die passenden, der düsteren Stimmung entsprechenden Kostüme  (Angelika Rieck), erinnern an Militär (Männer), Desdemona im weißen Kleid ist mit der einzige Farbtupfer – weiß als Farbe der Reinheit?! 

Die musikalische Leitung unterlag Andreas Wolf, der mit dem bestens aufspielenden Orchester (Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck) souverän durch den Abend führte und mit viel Applaus belohnt wurde!

Fazit: Eine stimmungsvoll umgesetzte Oper mit düsterem Ausgang, und vielen musikalischen Lichtpunkten!

 

  • Rezension der Premiere vom 1.6.2018 von den „Jungen Opernscouts“ vom DAS OPERNMAGAZIN
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  • Titelfoto:  Theater Lübeck/ OTELLO/ Foto @ Jochen Quast

 


Premiere
01/06/18

Großes Haus
 
Dauer ca. 2 Stunden, 45 Minuten (eine Pause)

Musikalische Leitung Andreas Wolf
Inszenierung Bernd Reiner Krieger
Bühne Momme Röhrbein
Kostüme Angelika Rieck
Choreographie Katja Grzam
Kampfchoreographie Fabian Broermann
Chor Jan-Michael Krüger
Dramaturgie Dr. Fedora Wesseler

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