Duisburg/DIE WALKÜRE/VORNE: Sarah Ferede (Sieglinde), Heike Wessels (Brünnhilde) HINTEN: Maria Hilmes (Rossweisse), Zuzana Šveda (Siegrune), Katja Levin (Ortlinde), Romana Noack (Waltraute) FOTO: Hans Jörg Michel

Theater Duisburg: „Die Walküre“ von Richard Wagner – Alle 7 haben bestanden!

 
Theater Duisburg/DIE WALKÜRE/ Daniel Frank (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde) FOTO: Hans Jörg Michel
Theater Duisburg/DIE WALKÜRE/ Daniel Frank (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde) FOTO: Hans Jörg Michel

Alle 7 haben bestanden!  – „Die Walküre“, Premiere am 31.05.2018 an der Oper Duisburg – Gastartikel von Ingo Hamacher –

„Am liebsten trifft man alte Freunde“, sagt ein häufig zitierter Spruch. Und bei der WALKÜRE in der Inszenierung von Hilsdorf, die heute Abend in Duisburg Premiere hatte, handelt es sich fraglos um einen alte Freundin. Nicht nur, dass es sich im Rahmen der Theatergemeinschaft OPER AM RHEIN, die zwischen Düsseldorf und Duisburg besteht, um ein Stück handelt, dass seinen ersten Aufführungszyklus in Düsseldorf erlebt hat. Das ist so üblich (und ja auch gar nicht anders machbar), als dass ein Haus mit einer neuen Produktion beginnt, und das Partnerhaus die Inszenierung – häufig jedoch mit eigener Besetzung – anschließend bei sich fortführt.

 

Diese WALKÜRE kennen wir schon länger. 

Bereits 2009 hat der Regisseur Dietrich W. Hilsdorf diese Inszenierung in Essen produziert. Damals jedoch noch als aus dem Zyklus des RING DES NIBELUNGEN herausgelöste Einzelaufführung. 

Als Hilsdorf dann den Auftrag bekam, an der OPER AM RHEIN den RING zu inszenieren, hat er auf seine bestehende Regiearbeit der WALKÜRE zurückgegriffen, und ein aus bereits für die Walküre vorhandenen Ideenkonzepten zusammengesetztes RHEINGOLD und einen entsprechenden SIEGFRIED (in Düsseldorf schon gespielt) gearbeitet. 

Dies könnte mit ein Grund sein, warum dieser RING AM RHEIN nicht ganz gelungen ist. Weder das RHEINGOLD noch SIEGFRIED weisen eine befriedigende Eigenständigkeit auf. Immer wieder begegnen uns alte Ideen, die patchworkartig zu einer (mehr oder weniger) passenden Vor- und Folgegeschichte zusammen gesetzt wurden. 

Über den letzten Teil der Tetralogie, die GÖTTERDÄMMERUNG, ist derzeit noch nichts bekannt, da sie auch in Düsseldorf noch nicht gezeigt wurde. 

Diese WALKÜRE ist jedoch anders, als die anderen bereits erlebbaren Teile des Wagnerschen Hauptwerks: Sie ist besser! 

Als „packendes Gesamtkunstwerk“, „künstlerisch hochgelungener Opernabend“ und „fesselnde Aufführung von nicht nachlassender, berstender Spannung“ wurde die WALKÜRE im Januar bereits in Düsseldorf gefeiert.

 

Theater Duisburg/DIE WALKÜRE/ VORNE: James Rutherford (Wotan) HINTEN: Katharina von Bülow (Grimgerde), Evelyn Krahe (Schwertleite) FOTO: Hans Jörg Michel
Theater Duisburg/DIE WALKÜRE/ VORNE: James Rutherford (Wotan) HINTEN: Katharina von Bülow (Grimgerde), Evelyn Krahe (Schwertleite) FOTO: Hans Jörg Michel

Die Handlung ist schnell erzählt: 

Gott WOTAN hat im Rheingold versucht, seine eigenen (Macht)-Pläne rücksichtslos durchzusetzen, was ihm jedoch durch die Begrenzungen seines eigenen Vertragswerkes nicht vollständig gelungen ist. 

Um den Drachen/Riesen FAFNER, den derzeitigen Besitzer des Rings (als Zeichen allumfassender Macht) besiegen zu können, wie es im nachfolgenden SIEGFRIED geschehen wird, muss er im Verlauf der WALKÜRE die notwendigen Vorbereitungen treffen. 

Da WOTAN als sehr menschlich erscheinender, fehlbarer Götterchef mehr zerstört, als es ihm aufzubauen gelingt, wird die Welt der Götter in der GÖTTERDÄMMERUNG schließlich vollkommen zerstört werden. 

Wotans Vorbereitungen, wie wir in der WALKÜRE erfahren, besteht einerseits in der Begegnung mit Frauen, mit denen er neun Töchter zeugt. Aus der Begegnung mit der Urmutter ERDA geht seine Lieblingstochter Brünnhilde hervor.

Diese Töchter, Walküren genannt, sollen die tapfersten aller im Kampf gefallenen Krieger zum Sitz der Götter nach WALHALL bringen, um dort eine Armee lebender Toter gegen die Macht des Bösen aufzustellen.

Darüber hinaus zeugt er noch mit einer Menschenfrau ein Zwillingspaar SIEGMUND und SIEGLINDE.

Siegmund hat er dazu ausersehen, an seiner statt gegen FAFNER zu kämpfen (Er selbst darf es wegen der bestehenden Verträge nicht), um den Ring in seinen Besitz zu bringen. Dies alles erledigt WOTAN vor der Augen von FRICKA, die nicht nur seine Gattin, sondern gleichzeitig auch die Göttin der ehelichen Treue ist. Und genau diese Fricka ist es, die ihm gehörig seine Pläne durchkreuzt!!! 

Wenn nicht bereits Wotans Schöpfungen begonnen hätten, ein eigenständiges Leben zu führen, wäre der RING hier zu Ende. Fricka fordert von Wotan, dass Siegmund im Kampf sein Leben verlieren muss.

Und so geschieht es auch. 

Hätten Siegmund und Sieglinde nicht bereits in inzestuöser Umarmung neues Leben geschaffen; hätte die Walküre BRÜNNHILDE nicht schon aus dem Orchestergraben das Leitmotiv von SIEGFRIED vernommen, und sich aus allem einen Reim gemacht, könnten wir an dieser Stelle nach Hause gehen. 

So aber stellt sich Brünnhilde gegen den Befehl des Vaters, rettet die mit Siegfried schwangere Sieglinde, und nimmt die folgende väterlich-göttliche Strafe mutig entgegen. 

 

Die Inszenierung von Hilsdorf öffnet im Laufe der Handlung die Enge von HUNDINGS HÜTTE in unmerklicher Weise (Bühne: Dieter Richter) zu einer hallenartigen Bunker- bzw. Kommandozentrale mit Einrichtungselementen aus der Zeit der Uraufführung 1870 und Kostümen (Renate Schmitzer), die teilweise ebenfalls auf diese Zeit verweisen. (Dramaturgie: Bernhard F. Loges) 

In stets dem selben Bühnenbild („kammerspielartig“ ist hier ein häufig angeführter Begriff), an stets dem selben Tisch spielt sich die gesamte scenenreiche Handlung ab. 

Die Tristesse der Szenerie, die Verbrauchtheit der einzelnen Bühnenelemente ergeben ein starkes Spannungsverhältnis, wenn sie später in Kontrast zu den strahlend roten Gewändern der Walküren stehen. 

Eine Kernidee der Regiearbeit ist die Einbindung von Motiven des Vietnamkriegsfilms APOCALYPSE NOW, in dem zu den Klängen des berühmten WALKÜRENRITTS Helikopter ihre Kriegseinsätze fliegen.

Und einen solcher Hubschrauber finden wir, ein Walkürenross symbolisierend, im Verlauf der Handlung auf der Bühne, begleitet von dem donnernden Motorenlärm des über allem kreisenden Rotors. 

Hilsdorf gibt uns mehr, als Wagner für uns vorgesehen hatte. Personen betreten früher die Bühne, als das Libretto es vorsieht; sie gehen später ab; bleiben nach ihrem Tod noch auf der Bühne sitzen. Bleiche, verwundete, halbnackte Jünglinge bevölkern als erkieste Helden den Bühnenraum. 

Die WALKÜRE von Hilsdorf ist eine beeindruckend gelungene Regiearbeit. Das Auge, das Ohr und das Vorwissen des librettokundigen Wagnerianers werden hier auf äußerst positive Weise immer wieder überrascht. 

Aber das wissen wir im Grund alles schon, schließlich handelt es sich bei dieser Walküre um eine alte Freundin.

 

Was erleben wir also in dieser Duisburger Premiere an Neuem? 

Duisburg/DIE WALKÜRE/VORNE: Sarah Ferede (Sieglinde), Heike Wessels (Brünnhilde) HINTEN: Maria Hilmes (Rossweisse), Zuzana Šveda (Siegrune), Katja Levin (Ortlinde), Romana Noack (Waltraute) FOTO: Hans Jörg Michel
Theater Duisburg/DIE WALKÜRE/VORNE: Sarah Ferede (Sieglinde), Heike Wessels (Brünnhilde) HINTEN: Maria Hilmes (Rossweisse), Zuzana Šveda (Siegrune), Katja Levin (Ortlinde), Romana Noack (Waltraute) FOTO: Hans Jörg Michel

In Duisburg bringt Generalmusik­direktor Axel Kober das Werk mit den Duisburger Philharmonikern und einer neuen Sängerbesetzung zur Aufführung, die zur Hälfte aus Sängerinnen und Sängern besteht, die die ihnen zugewiesenen Partien noch nie gesungen haben. 

Ein mutig und lobenswert zu nennender Versuch, schließlich ist Nachwuchsförderung eine äußerst wichtige Aufgabe.

Und diese 7 Rollendebutanten bringen eine Menge mit: 

Bis auf zwei Aufregungs-Stolpler können alle ihren Text.

Einige sind dabei, die eine kraftvolle Stimme haben.

Ein paar können wirklich schön singen.

Es sind Sängerinnen und Sänger mit schöner Stimmfarbe dabei.

Teilweise singen sie sogar in der Stimmlage, die für die Rolle vorgesehen ist. 

Schlecht gesungene Gesangsstellen werden von GMD Axel Kober so liebevoll und gründlich überdeckt, dass es teilweise einer Sinfonischen Aufführung nahekommt. Und bei dem Tempo, mit dem er den ersten Akt dirigiert, glaubt man, dass auch er froh ist, wenn er es hinter sich hat. Glücklich die Rollendebutanten, die heute Abend ihr Gesangsrepertoir um eine Partie erweitern können. Es handelt sich um:

Daniel Frank als SIEGMUND, Lukasz Konieczny als HUNDING, Sara Ferede als SIEGLINDE, Heike Wessels als BRÜNNHILDE, Katarzyna Kuncio als Fricka, Anke Krabbe als HELMWIGE, Romana Noack als WALTRAUTE 

In den weiteren Rollen:

James Rutherford als WOTAN – Der Brite James Rutherford, der seit seinem Gewinn der Seattle International Wagner Competition besonders als Interpret der deutschen romantischen Oper Erfolge feiert, gehört seit der Saison 2015/16 zum Ensemble der Oper Frankfurt. 

Jessica Stavros als GERHILDE

Katja Levin als ORTLINDE

Zuzana Sveda als SIEGRUNE

Maria Hilmes als ROßWEIßE

Katharina von Bülow als GRIMGERDE

Evelyn Krahe als SCHWERTLEITE 

Tosender Schlussapplaus im ausverkauften Haus, standing ovations und langanhaltende Ovationen. Vereinzelte Buhs für das Produktionsteam.

  

Richard Wagner

DIE WALKÜRE

 

Erster Tag des Bühnenfestspiels

„Der Ring des Nibelungen“

Libretto vom Komponisten

 

Uraufführung am 26. Juni 1870

Im Nationaltheater München

 

  • Rezension von unserem Gastautor Ingo Hamacher, besuchte Vorstellung am 31.05.2018
  • Infos, Termine und Kartenvorverkauf unter DIESEM LINK
  • Titelfoto: Duisburg/DIE WALKÜRE/VORNE: Sarah Ferede (Sieglinde), Heike Wessels (Brünnhilde) HINTEN: Maria Hilmes (Rossweisse), Zuzana Šveda (Siegrune), Katja Levin (Ortlinde), Romana Noack (Waltraute) FOTO: Hans Jörg Michel

 

 

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