Stuttgarter Barockorchester e.V.: Welturaufführung von Johann David Heinichens Oper FLAVIO CRISPO

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Nach rund dreihundertjährigem Schlummer wird il Gusto Barocco am 18. Juni Heinichens italienische Oper Flavio Crispo zur Uraufführung bringen, die aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte eines der wertvollsten Zeugnisse der damaligen Zeit ist. 

Diesem Werk war seinerzeit am Dresdener Hof wenig Erfolg beschieden. Ein Streit der beiden weltberühmten Kastraten Senesino und Matteo Berselli sorgte für einen Eklat, weshalb August der Starke unverzüglich alle Sänger entließ, obwohl Flavio Crispo bereits vollständig komponiert war. Ausschlaggebend war angeblich Senesinos Unzufriedenheit über die Art und Weise, wie Heinichen die italienischen Worte in Musik gesetzt hatte, weshalb er die Noten zerriss und dem Komponisten vor die Füße warf.

Senesinos respektlose Einmischung hatte aller Wahrscheinlichkeit nach bestimmte Gründe: Kurz zuvor war Georg Friedrich Händel nach Dresden gereist, um Senesino für seine Londoner Opernakademie zu engagieren. Es ist davon auszugehen, daß der Sänger diesen Eklat absichtlich provozierte, um das Dresdener Vertragsverhältnis rasch zu beenden. Unter August dem Starken erreichte die Hofkapelle in Dresden ihre Blütezeit. Es wurden erstklassige Musiker aus ganz Europa, überwiegend aus Italien engagiert.

Auch in Heinichens Kompositionsstil schlägt sich dies nieder: Die Instrumentierung ist mit Hörnern, Flöten und Oboen äußerst reichhaltig. Stilistisch handelt es sich um eine klassische „opera seria“ (dt.: ernste Oper), die hohe Ansprüche von Virtuosität an die Sänger erfordert, vor allem in der für Senesino komponierten Soprankastratenpartie. Der musikalische Satz ist bei weitem nicht mehr so streng kontrapunktisch wie noch bei Scarlatti und Vivaldi. Heinichens Musik zeigt erste Anklänge des melodiösen Stils, den Johann Adolph Hasse weiterentwickelte. Johann David Heinichen (1683-1729) war Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs, Georg Philipp Telemanns und Georg Friedrich Händels. 1710 reiste er nach Venedig, wo Antonio Lotti und Antonio Vivaldi zu dieser Zeit große Erfolge feierten.

Es ist wahrscheinlich, dass Heinichen hier seine Kompositionstechnik der italienischen Oper perfektionieren konnte. August der Starke engagierte ihn 1717 als Hofkapellmeister an den Dresdner Hof, wo Heinichen für den Rest seines Lebens blieb. Zu Heinichens Unglück stand kurz darauf auch der berühmte Antonio Lotti unter Vertrag, der seinen eigenen Librettisten und ein Ensemble mit nach Dresden brachte. So stand Heinichen stets im Schatten, bis Lotti 1719 nach Venedig zurückkehrte. Prompt erreichte ihn der Auftrag, für die Saison 1720 die italienische Oper Flavio Crispo zu komponieren. Es sollte seine einzige Oper für den Dresdner Hof bleiben.

Das Libretto stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von Stefano Bernardo Pallavicini, der bereits für Antonio Lotti tätig gewesen war. Nach der erfolgreichen Uraufführung der Oper Tisbe des Stuttgarter Hofkomponisten Brescianello im vergangenen Jahr setzt das Ensemble mit dieser vielleicht wertvollsten italienischen Barockoper, die im 18. Jahrhundert für einen deutschen Hof komponiert wurde, sein Erfolgskonzept fort.

Der Südwestrundfunk wird die Oper in Koproduktion mit dem Label cpo auf CD dokumentieren.

Personenkonstellation & Besetzung

Flavio Crispo (Costantinos Sohn) Leandro Marziotte, Sopran

Gilimero (Tochter des früheren Kaisers Massimiano und Frau Costantinos)Nina Bernsteiner, Alt

Costantino (Römischer Kaiser und Faustas Gemahl)Ismael Arroniz, Bass

Elena (Englische Prinzessin am Hof)Dana Marbach, Sopran

Imilee (Assaricos Tochter, des ostfränkischen Königs) – Silke Gäng, Alt

Pressefoto / il Gusto Barocco - Stuttgarter Barockorchester e.V.
Pressefoto / il Gusto Barocco – Stuttgarter Barockorchester e.V.

Stuttgarter Barockorchester, Jörg Halubek | Musikalische Leitung

Donnerstag, 9. Juni 2016, 17 Uhr (Bildungszentrum Hospitalhof) Vortrag Christiane Lutz (Psychotherapeutin, CG-Jung-Institut Stuttgart)

Das Libretto von „Flavio Crispo“ Samstag, 18. Juni 2016, 19 Uhr (Musikhochschule Stuttgart) Welturaufführung von Johann David Heinichens italienischer Barockoper FLAVIO CRISPO

*Weitere Informationen auf der HOMEPAGE der Stuttgarter Musikhochschule, sowie auf der HOMEPAGE von Il Gusto Barocco

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