Staatsoper Hamburg: Donizettis Oper „L’Elisir d’Amore“ – Jeder „Rausch“ hat auch ein Ende – leider

Staatsoper Hamburg /Oper L'Elisir d'Amore / Foto @ Brinkhoff-Mögenburg
Staatsoper Hamburg /Oper L’Elisir d’Amore / Foto @ Brinkhoff-Mögenburg

Beinahe vierzig Jahre ist es nun her, das saß ein junges Mädchen wie berauscht, von Musik, Kostümen, Bühnenbild und den Darbietungen der sehr berühmten Sängerinnen und Sänger in der ausverkauften Staatsoper Hamburg. Gestern nun, älter geworden und immer noch begeisterungsfähig, saß sie im halbleeren Opernhaus, genoss die Leistung weniger bekannter Sänger/-Innen und war sich schmerzlich bewusst, dass diese Inszenierung wahrscheinlich Gerüchten zu Folge bald „eingemottet“ werden würde. (Rezension der Vorstellung vom 6.4.17)

Der Zauber von Musik, Gesang und Spiel der Protagonisten, Bühnenbild und Regie ist zeitlos und belebend wie ein guter Bordeaux. Regisseur und Bühnenbildner JEAN-PIERRE PONELLE und sein Bühnenbildner PIET HALMEN erzählen in ihrer Version von DONIZETTIS „L’elisir d’Amore“, einfach eine romantische Liebesgeschichte, die, wie Bühnenbild und Kostüme vermuten lassen, im ländlichen Italien, Ende des 19. Jahrhunderts spielt: Nemorino, ein schüchterner, armer junger Mann liebt Adina, eine reiche, selbstbewusste Schöne, die noch nicht weiß, dass auch sie ihn liebt. Belcore, ein Soldat, der in das Dorf der beiden kommt, ist da einfacher gestrickt, überzeugt, ein Geschenk an die Weiblichkeit zu sein, macht er der Schönen den Hof. Aber nach den üblichen Wirrungen, kleinen, hier amüsanten Ränkespielchen, einem guten Bordeaux, den der Quacksalber Dulcamara als „Liebestrank“ verkauft, sind alle glücklich und zufrieden.


So überraschte Bass TIGRAN MARTIROSSIAN positiv. Abonniert auf die Buffforollen seines Faches, glich er in der Vergangenheit stimmliche Probleme all zu oft mit übertriebenen Spiel aus. Heute stimmte die Mischung jedoch, er kokettiert mit Adina und den leichtgläubigen Dörflern. Ist sie auch etwas weniger ausgeprägt, als in seiner damaligen Glanzrolle Mephisto in Gounods Faust, so zeigte er dennoch auch, dass noch stimmliche Stärke in ihm steckt.

Staatsoper Hamburg /Oper L'Elisir d'Amore / Foto @ Brinkhoff-Mögenburg
Staatsoper Hamburg /Oper L’Elisir d’Amore / Foto @ Brinkhoff-Mögenburg

Bariton KARTAL KARAGEDIK als Belcore, zeigt große Spielfreude, seine Posen immer wieder gewinnbringend ändert, wirkt er sympathisch-linkisch amüsant. Fast ist es bedauernswert, dass Adina sich doch gegen ihn entscheidet. Manchmal macht es den Eindruck., dass es seiner Stimme noch an einer gewissen Fülle fehlt. Doch dann zeigen die wenigen Szenen in denen er dramatisch wird, dass ihm das ernstere Fach noch mehr liegt wie er bereits eindrucksvoll (Marcello, Sonora, Choroboe) bewiesen hat. Doch es war einfach amüsant ihn zu beobachten, und es war auch ein Genuss ihm zuzuhören.

Die gilt auch für die beiden Darsteller des Liebespaares Adina/Nemorino.

VALENTINA NARFONITA, sonst hauptsächlich an der Wiener Staatsoper daheim, ist keine kokette Adina, sondern einfach eine Frau, die erst spät merkt, dass der lange Verschmähte, eigentlich „der Eine“ ist. Ihre Höhen sitzen sicher, klingen klar und ohne jegliche Schärfe. Ihr warmes volles Timbre begeistert, ebenso wie ihre Art ihr „Instrument“ kunstvoll zu spielen. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht ihr letzter Besuch am hiesigen Opernhaus bleibt.

Ebenso bleibt zu hoffen, dass DOVLET NURGELDIYEV Hamburg niemals ganz den Rücken kehren wird. Schon vor drei Jahren faszinierte er das Hamburger Publikum mit seinem wunderschönen lyrischen Tenor. Im Laufe der Jahre führt er seine Stimme immer sicherer, immer klangvoller. Doch auch sein Spiel, seinen darstellerischen Ausdruck, hat er weiterentwickelt. So ist sein Nemorino kindlich schadenfroh, Belcore gegenüber, aber ebenso verzweifelt und tief liebend.

Fazit: Es war ein wirklich mit schöner Musik und gesanglich/schauspielerischer Leichtigkeit berauschender Abend. Ganz ohne die großen Namen von damals. Mögen die heutigen auch einmal groß werden! Oder- nein – und das Publikum, jenen Namen die noch nicht von den Medien hochgejubelt werden, mehr als nur eine Chance geben.

 

*Rezensierte Aufführung von Donnerstag, den 06.04.2017

*Herzlichen Dank an BIRGIT KLEINFELD aus Hamburg für diesen Gastartikel!

*Titelfoto: Staatsoper Hamburg /Oper DER LIEBESTRANK / Foto @ Brinkhoff-Mögenburg

*Staatsoper Hamburg

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