„Saul“ von Georg Friedrich Händel in der Oper Dortmund Premiere am 25. April 2015

Christian Sist / Foto: Gerardo Garciacano
Christian Sist / Foto: Gerardo Garciacano

Händels szenisches Oratorium „Saul“ wird Samstag, 25. April 2015, um 19.30 Uhr im Opernhaus Dortmund Premiere haben. 

„Jeder kann ein mächtiger Herrscher sein, wenn er nur über sich selbst herrscht“

Regisseurin Katharina Thoma legt in ihrer Inszenierung den Fokus auf die Verbindung von persönlichen Interessen und politischen Entscheidungen. Wodurch ist politisches Handeln motiviert? Welche Auswirkungen ergeben sich für einen Staat und seine
Gesellschaft, wenn die führenden Personen ihre eigenen menschlichen Schwächen nicht mehr kontrollieren können und diese Schwächen schonungslos im politischen Kampf ausgenutzt werden? Händels Oratorium nach dem Libretto
von Charles Jennens aus dem Jahr 1739 hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt und kann als das „House of Cards“ seiner Zeit bezeichnet werden.

Motonori Kobayashi / Foto@ Gerardo Garciacano
Motonori Kobayashi / Foto@ Gerardo Garciacano

Unter der musikalischen Leitung von Motonori Kobayashi werden Christian Sist in der Titelrolle, Ileana Mateescu als David und Lucian Krasznec als Jonathan zu sehen sein.

Jeder kann ein mächtiger Herrscher sein, wenn er nur über sich selbst herrscht – so lehrt es die Lebensphilosophie seit der Antike. König Saul herrscht über das Volk Israel, doch die eigenen Launen hat er nicht im Griff. Noch dazu sitzt ihm die Angst im Nacken, ein ewiger Minderwertigkeitskomplex, da er, der Hirte und Heerführer, der vom Propheten Samuel zum Fürsten gesalbt worden war, sich die Königsherrschaft angemaßt hat. Ist die Macht nur ein Traum, aus dem er eines Tages aufwachen muss? Die Panik wird real, als ein Jüngerer erscheint: David. Er tötet den angeblich unbesiegbaren Goliath und erobert die Herzen des Volkes. Trotzdem bleibt er loyal seinem König gegenüber, heiratet dessen Tochter Michal und schließt eine unverbrüchliche Freundschaft mit Sauls Sohn Jonathan. Sauls Verfolgungswahn wird immer verheerender und vernichtet nach und nach seine Autorität als Herrscher. Die Gespenster seiner Vergangenheit holen ihn auf furchtbare Weise ein. Nach einer verlorenen Schlacht gegen den Erzfeind,
das Volk der Philister, bringt sich Saul um. David folgt Saul als zweiter israelitischer König auf dem Thron nach. Aber auch David muss lernen, dass politische Macht nur geliehen ist und auch er Gefahr läuft, diese zu missbrauchen.

„Saul“ ist nicht das erste Oratorium Händels, aber das erste Werk, das parallel zum sich abzeichnenden Niedergang der Londoner Opern entsteht.

Nach 42 Opern sah der Komponist auf seinem bis dahin ureigenen Feld keine Zukunft mehr. Die Oratorien erlaubten ihm nicht nur, in der Volkssprache Englisch zu schreiben, sondern auch, sich von den Zwängen des Theaterbetriebs frei zu machen und dem Chor eine zentrale Rolle in seinen Werken zu übertragen. Nach „Elias“ und den „Jahreszeiten“ wird mit Händels „Saul“ zum dritten Mal ein großes Werk des chorsinfonischen Repertoires, in Koproduktion mit dem Staatstheater Kassel, auf die Dortmunder Bühne gelangen.

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