Festspielhaus Baden-Baden / Foto @ Thomas Straub

Osterfestspiele Baden-Baden 2018: „Parsifal“ auf der Suche nach dem heiligen Speer

Ruxandra Donose / Foto @ Nicolae Alexa
Ruxandra Donose / Foto @ Nicolae Alexa

Wagners letzte Oper als Neuinszenierung in Baden-Baden –

Ruxandra Donose und Stephen Gould in den Hauptrollen.

 

Richard Wagners letzte Oper „Parsifal“ markiert zu den Baden-Badener Osterfestspielen 2018 den Abschied von Sir Simon Rattle aus der künstlerischen Leitung dieses Festivals. Der britische Chefdirigent der Berliner Philharmoniker hob die Baden-Badener Osterfestspiele 2013 mit aus der Taufe. Offiziell endet Rattles „Amtszeit“ im Sommer. Doch „Parsifal“ ist die letzte Opernproduktion des Weltklasse-Orchesters in dieser Ära.

Regisseur Dieter Dorn inszeniert das von Wagner als „Bühnenweihfestspiel“ bezeichnete Werk im Festspielhaus Baden-Baden neu. Die Aufführungen am 24. und 30. März sowie am Ostermontag, 2. April 2018, beginnen um 16 Uhr – noch gibt es Eintrittskarten.

Im Rahmen eines Pressegesprächs beschrieb Sir Simon Rattle das Baden-Badener Festspielhaus als „geradezu ideal“, um diese letzte Oper Richard Wagners aufzuführen: „Die Sänger können nahezu ‚sprechen‘ und müssen nie forcieren“. Außerdem sei es ungewöhnlich, so Rattle, dass ein so großes Haus so intim wirke – all dies seien beste Voraussetzungen.

Das Bühnenweihfestspiel aus dem Jahr 1882 bildet den Mittelpunkt der Osterfestspiele 2018 an der Oos. Erzählt wird die verzweifelte Suche der Gralsritter nach Heilung für König Amfortas, der an einer Wunde leidet, die erst geschlossen werden kann, wenn sie vom heiligen Speer berührt wird. Diesen Speer hält der abtrünnige Ritter Klingsor in seinem Besitz. Ein schier endloser Kreislauf von Leid und vergeblicher Hoffnung auf eine bessere Zukunft muss durchbrochen werden. Fähig dazu ist nur ein „reiner Thor“, den der weise Gralsritter Gurnemanz in Parsifal, der fernab jeder Zivilisation aufgewachsen ist, zu entdecken glaubt.

Richard Wagners Bühnenweihfestspiel schrieb Musikgeschichte. Philosophen und Komponisten versuchten sich an Deutungen, die bis heute viel diskutiert sind. Die rund um den christlichen Ostermythos angelegte und von Wagner selbst geschaffene Dichtung geht auf Motive des Versepos „Parzival“ von Christoph von Eschenbach aus dem 13. Jahrhundert zurück. Richard Wagner beschäftigte sich mit seiner Oper mehr als 30 Jahre und formulierte immer wieder die Absicht, den „Kern des Religiösen“ in Musik zu fassen.

Die „Parsifal“-Musik Richard Wagners gehört zu den Meisterwerken der Spätromantik. Der „Karfreitagszauber“, ein orchestrales Zwischenbild im dritten Aufzug, wird auch immer wieder in sinfonischen Konzerten gespielt. Die geschickt komponierten „Höhenchöre“ haben geradezu magische Wirkung.

Dieter Dorn inszeniert das musikdramatische Werk neu, Stephen Gould singt den Parsifal und Ruxandra Donose erstmals die Partie der Kundry. Franz-Josef Selig verkörpert Gurnemanz und der britische Bariton Gerald Finley übernimmt die Rolle des Amfortas. Als Königsvater Titurel gibt der britische Bass Robert Lloyd sein Debüt im Festspielhaus Baden-Baden. Er wirkte bereits in der viel diskutierten „Parsifal“-Verfilmung von Hans-Jürgen Syberberg (1982) mit.

Für die Bühne zeichnet Magdalena Gut verantwortlich, die Kostüme hat Monika Staykova entworfen und das Lichtdesign stammt von Tobias Löffler.

 

Sir Simon Rattle /Foto @ Johann-Sebastian Hanel
Sir Simon Rattle /Foto @ Johann-Sebastian Hanel

Heiß geliebt und heiß diskutiert

Wagners Oper „Parsifal“ wird von Musikliebhabern heiß geliebt und ihre Botschaften seit über 130 Jahren nicht minder heiß diskutiert. Der Komponist zeichnet das Bild einer nicht mehr funktionierenden Gesellschaft, deren Mitglieder nach Erlösung streben. Doch wo finden sie einen Erlöser und Erlösung? In dieser Frage manifestiert sich die noch immer hohe Aktualität der Oper, in deren Verlauf verschiedene Philosophien und Weltreligionen anklingen. „Wir finden Antworten in der Musik“, sagt Sir Simon Rattle, der froh darüber ist, dass Wagner nicht nur eine Perspektive einnimmt und die für die Menschheit so wichtige Frage aus verschiedenen Betrachtungswinkeln heraus stellt. „Diese Offenheit interessiert mich an Wagner“, so Rattle.

 

Zurück zu Wagner

Intendant Andreas Mölich-Zebhauser und Sir Simon Rattle erfüllt es mit Freude, dass Dieter Dorn die Regie dieser Festspielproduktion übernommen hat. „Er ist so voller Hingabe und Konzentration – was er macht, ist berührend“, so Sir Simon Rattle über den Regisseur. Dorn fungierte viele Jahre als Intendant der Münchner Kammerspiele und des Bayerischen Staatsschauspiels. Er zählt zu den erfolgreichsten Regisseuren unserer Zeit. Seine erste Wagner-Regie erarbeitete Dorn 1990 bei den Bayreuther Festspielen. Damals vertraute ihm Wolfgang Wagner eine neue Lesart der Oper „Der fliegende Holländer“ an und Dorns Inszenierung wurde weit beachtet.

Der Regisseur wurde 1935 in Leipzig geboren und studierte nach seiner Flucht nach West-Berlin in den 1950er Jahren an der dortigen Max-Reinhardt-Schule. Danach arbeitete er als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur in Hannover. Ab 1968 inszenierte er in Essen und Oberhausen, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Wiener Burgtheater. Von 1972 bis 1975 war Dieter Dorn Regisseur an Berliner Schiller Theater. 1976 wurde er Oberspielleiter an den Münchener Kammerspielen und ab 1983 an gleicher Stelle Intendant bis 2001. Danach leitete er bis 2011 das Bayerische Staatsschauspiel in München. Neben seinen Schauspielinszenierungen waren auch seine Opernregien maßgebend, wie bei den Salzburger und Bayreuther Festspielen, an der Metropolitan Opera New York, an der Wiener Staatsoper, der Berliner Staatsoper Unter den Linden sowie an der Bayerischen Staatsoper München.

 

Kundrys Debüt

Mit Ruxandra Donose erlebt die Wagner-Welt zu den Baden-Badener Osterfestspielen 2018 ein echtes Debüt. Die in Wien lebende Sängerin gilt unter anderem als ausgezeichnete Belcanto-Sängerdarstellerin und sammelte zudem Erfahrung in verschiedenen Barockoper-Produktionen. In der aktuellen Saison stehen für sie weitere wichtige Produktionen, wie ihr „Norma“-Debüt an. Das Publikum in traditionsreichen Opernstädten wie London, Moskau, New York und Paris schätzt Ruxandra Donose als wandlungsfähige Mezzosopranistin.

Die Rolle des Parsifal verkörpert der amerikanische Heldentenor Stephen Gould. Der erfahrene Wagner-Sänger wird noch in diesem Jahr neben seinem Engagement in Baden-Baden als Tristan und Siegmund bei den Bayreuther Festspielen zu erleben sein. In Budapest steht Stephen Gould als Tannhäuser auf der Bühne und wird diese Rolle auch unter anderem in BerlinDresden und Zürich singen. Regelmäßig verpflichten ihn die größten Opernhäuser der Welt als Wagner-Interpret. Wichtige Aufnahmen machte Gould unter anderem mit den Dirigenten Christian Thielemann und Donald Runnicles.

In weiteren Partien sind bei der Baden-Badener „Parsifal“-Produktion zu den Osterfestspielen 2018 ebenso bedeutende Sängerinnen und Sänger zu erleben. Der englische Bariton Gerald Finley singt die Partie des Amfortas. Franz-Josef Selig wird die Partie des Gurnemanz verkörpern und Evgeny Nikitin gibt den Bösewicht Klingsor.

 

Berliner Philharmoniker mit langer „Parsifal“-Erfahrung

Die Berliner Philharmoniker nahmen den gesamten „Parsifal“ mit ihren Chefdirigenten Herbert von Karajan und Claudio Abbado auf. Außerdem existiert eine Gesamtaufnahme unter der Leitung von Daniel Barenboim. Zu den Osterfestspielen wird nun eine neue Generation der Berliner Philharmoniker im Baden-Badener Orchestergraben sitzen und ihre Lesart dieser besonderen Oper in Klang verwandeln.

Weitere Informationen: www.festspielhaus.de

 

  • Titelfoto: Festspielhaus Baden-Baden / Foto @ Thomas Straub

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