Oper Dortmund: Verdi’s LA TRAVIATA wurde zum Ereignis – Premierenbericht v. 28.11.15

Eleonore Marguerre (Violetta Valéry) ©Thomas M. Jauk / Stage Picture GmbH
Eleonore Marguerre (Violetta Valéry)
©Thomas M. Jauk / Stage Picture GmbH

Eleonore Marguerre’s Violetta ist ein Opernereignis von Weltklasse! Wie sie diese anspruchsvolle Verdipartie singt und spielt begeisterte das Dortmunder Premierenpublikum vom ersten Moment an. Sangmin Lee als Vater Germont stand ihr in Interpretation und gesanglicher Noblesse in nichts nach. Dirigent Motonori Kobayashi verprühte mit den Dortmunder Philharmonikern das, was allgemein hin als „Italita“ bezeichnet wird. Nicht nur musikalisch wurde es ein ganz besonderer Abend.

Es ist ihre zweite Opernregiearbeit. Tina Lanik inszenierte in Dortmund eine der berühmtesten Opern der Musikgeschichte. La Traviata, die Geschichte einer Frau, die das Leben und die Lust liebte bis das „Leben“ selbst sie dafür verachtete und bestrafte. Eine Frau, gefangen von Konventionen und in den entscheidenden Momenten ihres Lebens doch frei und von gewisser innerer Stärke. Einer Stärke, die dann jeden Mann um sie herum verstummen liess. Auch jene, die zuvor voller Begehrlichkeit und mit Geld nach ihrem Körper gierten und diesen auch erhielten. Ihr Herz sparte sie sich dabei auf. Als sie dann endlich das Gefühl der Liebe für einen Mann verspürte war es längst zu spät. Ihre Schwindsucht war da bereits in einem finalen Stadium, sie war nicht mehr zu retten. Der letzte Moment ihres tragischen Lebens aber gehörte der gefühlten und erwiderten Liebe. Ein kurzes inneres Aufbäumen gegen den Tod und ein verzweifeltes Ja für ein Leben mit ihrem Alfredo. Mehr nicht.

Tina Lanik hat dieses Stück in geradezu selbsterklärender Art und Weise umgesetzt. Fast hätte es einer Übersetzung der Gesangstexte nicht bedurft. So klar und realistisch hat sie mit ihren Darstellerinnen und Darstellern die jeweilige Rolle einstudiert und interpretiert. Ganz besonders bei den tragenden Figuren dieses Werkes. Wenn noch vor Beginn der Ouvertüre, auf offener Bühne, ein nackter Mann Violettas Bett verlässt und ihr noch einen kurzen „War ich gut?- Blick“ zuwirft, erklärt doch gerade diese kurze Szene mehr als viele Worte. Beschreibt sie doch den Zustand dieser Frau und der Gesellschaft in der sie überlebt.

Eleonore Marguerre (Violetta Valéry), Ovidiu Purcel (Alfredo Germont) ©Thomas M. Jauk / Stage Picture GmbH
Eleonore Marguerre (Violetta Valéry), Ovidiu Purcel (Alfredo Germont)
©Thomas M. Jauk / Stage Picture GmbH

Regisseurin Lanik hat mit ihrer Interpretation dieser doch so oft gespielten Verdioper wieder eine Facette mehr an Deutung und Sinn hinzugefügt. Es dürfte sicher sein, dass ihr Name im nationalen und internationalen Opernbetrieb sicher noch zu hören sein wird. Für das große, die Bühne auslastende, Bühnenbild und die Kostüme war Stefan Hageneier verantwortlich. Bei der Bühne konzentrierte er sich auf wesentliches, überließ den Protagonisten die Ausgestaltung des Raumes und sorgte somit für eine Konzentration des Spieles auf der Bühne. Seine Kostüme waren dagegen echte Hingucker. Der Dortmunder Opernchor (mal wieder wunderbar singend und agierend unter der Leitung von Manuel Pujol) versinnbildlichte mit seinen lasziv-vulgären und doch so herrlichen Kostümen die Oberflächlichkeit der Violetta umgebenden Menschen. Eben die Art von Freunden, die sie hat. Für das Licht und die Ausleuchtung war Ralph Jürgens zuständig. Noch kurz vor beginn der Premiere gab es in der Elektrik der Beleuchtung Probleme, die auch zu einer mehrminütigen Verspätung des Beginns der Oper führte. Unter großem logistischen Aufwand wurde gerade noch rechtzeitig technische Abhilfe geschaffen, wie Intendant Jens-Daniel Herzog auf der anschließenden Premierenfeier erläuterte. Die Lichtgestaltung spielt gerade in dieser Inszenierung eine nicht zu unterschätzende Rolle und soll daher hier auch ihre Erwähnung finden.

Musikalisch war diese TRAVIATA ein Ereignis. Der stellvertretende Dortmunder GMD Motonori Kobayashi liebt den Belkanto, liebt die italienische Oper. Und das lässt er das Publikum miterleben und mitfühlen. Geradezu sensibel führt er die Dortmunder Philharmoniker und das Gesangsensemble durch die Partitur, macht die leisen Momente der Oper mitfühlbar und gibt den großen Bühnenszenen diese ganz besondere Dramatik, die Verdi seinen Opern mit hinein komponiert hat. Dirigent Motonori Kobayashi und die Dortmunder Philharmoniker in Höchstform.

Verdi hat seine LA TRAVIATA mit einigen kleineren, aber durchaus wichtigen, Partien besetzt. Allesamt waren in Dortmund glänzend besetzt. Der erfahrene Bass-Bariton Morgan Moody als lasterhafter Lebemann Marquis d’Obigny ist fast schon eine Luxusbesetzung für diese Partie. Marvin Zobel als „junger“ Baron Douphol gab hier sein Bühnendebüt und tat dies sehr beachtlich in Spiel und Gesang. Christine Groeneveld als stimmlich präsente Annina und Natascha Valentin als Flora Bervoix in den weiblichen Nebenrollen. Als Doktor Grenvil, Vicomte Gaston, sowie die „Personalrollen“ des Dieners, des Hausdieners und des Dienstboten rundeten Ian Sidden, Xiaoke Hu, Blazej Grek, Edward Steele und Geronti Cernysev die kleineren Partien adäquat ab.

Wie so oft in Verdis Opern bildet das Trio aus Sopran, Tenor und Bariton den Dreh- und Angelpunkt seiner Werke. Nicht anders hier in LA TRAVIATA:

Eleonore Marguerre (Violetta Valéry), Sangmin Lee (Giorgio Germont) ©Thomas M. Jauk / Stage Picture GmbH
Eleonore Marguerre (Violetta Valéry), Sangmin Lee (Giorgio Germont)
©Thomas M. Jauk / Stage Picture GmbH

Sangmin Lee gab den Giorgio Germont mit einer solchen Leidenschaft und Bühnenpräsenz, wie man es in Dortmund so noch nicht oft erlebt hat. Seine kraftvolle und elegant-noble Stimme, die sich besonders im italienischen Fach sehr wohlfühlt, gepaart mit seiner stattlichen Erscheinung, machen Sangmin Lee’s Rolleninterpretation zu einem musikalischen Erlebnis der Extraklasse.

Für den erkrankten und ursprünglich vorgesehen Dortmunder Tenor Lucian Krasznec sprang kurzfristig Ovidiu Purcel als Gast der Rheinoper Düsseldorf für die Rolle des Alfredo ein. Es ist immer schwer für Künstler in eine laufende Produktion kurzfristig einzusteigen, noch dazu wie in diesem Fall, in eine Premiere. Aber diesem besonderen Umstand geschuldet machte Purcel seine Sache gut und kam als Alfredo beim Dortmunder Publikum gut an. Seine besten Momente hatte er m.E. im Schlußbild, hier insbesondere im Duett mit Violetta: „Parigi o cara“. Über das Rollendebüt von Lucian Krasznec wird hier zu gegebener Zeit berichtet werden.

Eleonore Marguerre (Violetta Valéry) ©Thomas M. Jauk / Stage Picture GmbH
Eleonore Marguerre (Violetta Valéry)
©Thomas M. Jauk / Stage Picture GmbH

Eleonore Marguerre’s Leistung als Violetta zu würdigen gelingt nicht ohne Superlative. Weltklasse ist das alles beschreibende Wort für das, was diese junge und mittlerweile international erfahrene Sopranistin, am gestrigen Abend im Dortmunder Opernhaus dem restlos begeisterten Premierenpublikum bot!

War es ihr wundervoller Gesang oder ihre so einfühlsame, fast körperlich spürbare, Interpretation der Rolle die ihre Leistung so herausragend machte? Es war die Kombination aus beidem die Eleonore Marguerre zum großen Ereignis dieser LA TRAVIATA werden lies. Es waren ihre zarten Piani, ihre strahlend glänzende Höhe und ihre absolute Hingabe an diese Partie, die die Gefühle des Publikums erreicht haben. Ich habe in über 35 Jahren, und an sehr vielen nationalen und internationalen Häusern, nur ganz selten eine derart grandiose und hinreißende Violetta erleben dürfen wie am gestrigen Premierenabend in Dortmund. Und natürlich stehen ihr mit dieser Top-Leistung alle großen Türen der internationalen Opernwelt offen. Umso mehr dürfen sich die Fans der Oper Dortmund und auch ihr Intendant Jens-Daniel Herzog über weitere Engagements mit dieser Ausnahmesopranistin freuen.

*Info: LA TRAVIATA Opernhaus Dortmund / Termine und Karten

*OPERNMAGAZIN-Portrait mit Eleonore Maguerre

@Detlef Obens/2015

2 Gedanken zu „Oper Dortmund: Verdi’s LA TRAVIATA wurde zum Ereignis – Premierenbericht v. 28.11.15&8220;

  1. Grüßt Ihnen.
    Sie haben meine Name in Ihren Beitrag von La Traviata falsch geschrieben. Statt Edward Steele haben Sie mir die Name Edward Stelle gegeben… Ist zwar eine kleine Nebenrolle aber leider ist meine Name trotzdem nicht Edward Stelle in der Rolle des Dieners Flora aber Edward Steele… Ob Sie dass noch rückgängig machen können? Schon drei Personen haben es mir erwähnt….
    LG, Edward Steele.

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