Oper Dortmund: Familienoper RONJA RÄUBERTOCHTER in märchenhafter Inszenierung

Ileana Mateescu (Ronja), Luke Stoker (Mattis), Andreas Beck (Glatzen-Per), Maria Hiefinger (Lovis) ©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH
Ileana Mateescu (Ronja), Luke Stoker (Mattis), Andreas Beck (Glatzen-Per), Maria Hiefinger (Lovis) ©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH

Misst man den Premierenerfolg einer Familienoper daran, ob die vielen jungen und sehr jungen Zuschauer begeistert waren und die Aufführung zum größten Teil gebannt verfolgten, muss der Oper Dortmund ein großer Erfolg attestiert werden. Die Familienoper RONJA RÄUBERTOCHTER von Jörn Arnecke verzauberte Jung wie Alt, nicht zuletzt dank einer märchenhaften Inszenierung und Bebilderung des Regisseurs Johannes Schmid und der Bühnen- und Kostümbildnerin Tatjana Ivschina.

DIe Dortmunder Oper zeigte eine Opern-Kooperation mit der Deutschen Oper am Rhein und der Oper Bonn im Rahmen des Projekts „Junge Oper Rhein-Ruhr“. Bei seiner Uraufführung im Jahre 2015 in der Oper Duisburg konnte der Komponist Jörn Arnecke bereits einen großen Erfolg verbuchen. Die Idee, das Buch von Astrid Lindgren in eine Operform zu bringen, war gelungen. Mehr noch, die musikalische Sprache des Werkes traf den Ton der vielen jungen Zuschauer, die das Stück bis heute erreicht hat.  Eine Sprache,  die in die Sphären der Zwölftonmusik rückt, die starke Bläsermomente zeigt, aber auch berührende melodische Augenblicke, besonders immer dann, wenn es Ronja betrifft. Eine Oper, in die sich die vornehmlich jungen Dortmunder Premierengäste, schnell hineinhörten und die auch dazu einlud. Besonders im zweiten Akt wurde der musikalische Spannungsbogen stark erhöht.

Ileana Matesscu (Ronja) ©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH
Ileana Matesscu (Ronja) ©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH

Astrid Lindgrens weltbekannte Geschichte um die Räubertochter Ronja, deren Vater Mattis der Anführer der Mattisbande ist und ihrer engen Freundschaft zu Birk, dem Sohn der gegnerischen Räuberbande, beschreibt in wundervoller Form den Begriff Freundschaft. Über alle Widerstände hinweg verteidigen beide Kinder ihre Werte von Freundschaft und Menschlichkeit und sorgen damit dafür, daß sich beide Räuberbanden am Ende verbrüdern und ihre Welt ein wenig humaner geworden ist. Eine Grundaussage, die zeitlos und aktueller denn je ist.

Regisseur Johannes Schmidt nutzte auch die technischen Möglichkeiten, die ihm die Bühne der Oper Dortmund bietete, voll aus. Im ersten Bild ist die Innenansicht einer alten Raubritterburg (dort wird Ronja die Tochter des Räubers Mattis und seiner Frau Lovis geboren) mit dem ihr eigenen bescheidenen Charme, zu sehen. Zünftige Räubertänze lässt Regisseur Schmidt dort abhalten, die das urige Leben dieser Bande beschreiben sollen. Als Ronja dann endlich groß genug ist, um nun allein vor die Tore der Räuberburg zu ziehen, öffnet sich dieses graue, große Bühnenbild  (Klasse von Tajana Ivschina) und gibt den Blick frei auf ein in wunderbare Farben und optische Eindrücke gehaltenes Bild des Zauberwaldes mit all seinen dort lebenden Pflanzen und Wesen. Ganz besonderes Lob in diesem Zusammenhang auch an die Lichttechnik – Florian Franzen!

Und der Rezensent denkt: es gibt sie doch noch: tolle Bühnenbilder in deutschen Operninszenierungen! Dortmund und seine RONJA RÄUBERTOCHTER beweisen es.

Die Inszenierung fesselt und begeistert und wirkt auch an vielen Stellen selbsterzählend. Die Kinder haben die Sprache der Musik und der szenischen Umsetzung auf der Bühne gut verstanden. Entsprechende altersgemäße Vorbereitung auf den Opernbesuch sei da vorausgesetzt.

Ileana Mateescu (Ronja), Tamara Weimerich (Birk) ©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH
Ileana Mateescu (Ronja), Tamara Weimerich (Birk)
©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH

Für die Sängerinnen und Sänger dieser Oper sind es durchaus auch musikalisch  anspruchsvolle Partien, die sie zu gestalten hatten. Ileana Mateescu in der Titelrolle der Ronja lebte sich förmlich in ihrer Darstellung aus. Hosenrollen scheinen ihr wirklich sehr zu liegen. Sie sang die Partie mit viel Wärme und angenehmer Tiefe ihres Mezzosoprans. Tamara Weimerich sang den Räuberjungen Birk mit viel kindlicher Naivität in ihrer Darstellung, – bei größter Textverständlichkeit -, und bildete mit ihrer Sopranstimme den idealen gesanglichen Gegenpart zu Frau Mateescu. Beide wurden hoch verdient vom gesamten Premierenpublikum mit viel Applaus und Bravos für ihre Darbietung belohnt.

Karl-Heinz Lehner als Mattis und Marvin Zobel als Borka bildeten das gesanglich starke Doppel der konkurrienden Räuberhäutptlinge. Deren jeweiligen Frauen Lovis und Undis wurden auf ebenso hohem Niveau von Maria Hiefinger und Ashley Thouret interpretiert.

In der Sprechrolle des Glatzen-Per überzeugend Andreas Beck vom Schauspiel Dortmund.

Maria Hiefinger (Lovis), Karl-Heinz Lehner (Mattis), Marvin Zobel (Borka), Ashley Thouret (Undis) ©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH Schließen
Maria Hiefinger (Lovis), Karl-Heinz Lehner (Mattis), Marvin Zobel (Borka), Ashley Thouret (Undis) ©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH

Die vielen kleineren und kleinen Rollen waren ebenso wie die tänzerischen Parts der Inszenierung bestens besetzt. Der Herrenchor des Theater Dortmunds (unter der Leitung von Manuel Pujol) gewohnt präsise und spielbegeistert.

Der junge Dirigent Ingo Martin Stadtmüller hatte die musikalische Leitung des Abends inne. Zusammen mit den wieder einmal glänzenden Dortmunder Philharmonikern liess er die Partitur in all ihren Farben und Schattierungen erklingen. Sei es in ihren innigen, zarten Momenten, als auch in den lauten, vielstimmigen kompositorischen Szenen dieses musikalischen Auftragswerkes.

Fazit: Ein, nicht nur für Kinder und Jugendliche, vergnüglicher sehens- und hörenswerter Opernspaß, den die Oper Dortmund zeigt. Eine Reihe von Folgeterminen sollten dazu einladen, sich mit der Familie, oder auch allein oder zu zweit, diese musikalische Version der RONJA RÄUBERTOCHTER anzusehen.

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