Lorris Dath – Der Solo-Pauker der Dortmunder Philharmoniker im Gespräch mit dem Opernmagazin

Lorris Dath / Foto @ Dortmunder Philharmoniker-Theater Dortmund
Lorris Dath / Foto @ Dortmunder Philharmoniker- Magdalena Spinn

Das machen zu können, was man liebt, ist schon ein großes Privileg. Und dann auch noch nach Jahren voller Überzeugung sagen zu dürfen „Das ist mein absoluter Traumberuf!“ setzt nicht nur Glück und günstige Umstände, sondern auch eine große Menge an Können, Talent, Arbeit und die innere Begeisterungsfähigkeit für das, was man erreichen will, voraus. Und einen solchen Menschen traf ich vor wenigen Tagen. Den Musiker Lorris Dath. Solo-Pauker der Dortmunder Philharmoniker. Und das bereits im fünften Jahr. Zeit, diesen jungen Künstler in einem persönlichen Portrait einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

 

Wir trafen uns im Probenraum der Dortmunder Philharmoniker im Gebäude des Theater Dortmunds. Ebenso wie bei Livekonzerten auch, ist die Pauke – und damit auch ihr Pauker – hinter dem Orchester, etwas oberhalb, platziert. Resultierend natürlich aus dem Umstand, dass dieses mächtige, zumeist aus einer 4-er Gruppe bestehende Instrument in seiner Phonstärke so ziemlich jedes andere übertönt. Jene Pauke, der doch so oft große Momente in der Musik zukommen, die laut, manchmal taktgebend, rasant und auch dominierend immer dann vernehmbar ist, wenn der Komponist ganz besondere Emotionen oder Dramatik in seiner Musik ausdrücken wollte. Opernkomponisten wie Richard Wagner, Giuseppe Verdi oder Richard Strauss haben diesem Instrument ebenso zentrale Bedeutungen zukommen lassen, wie auch die modernen, zeitgenössischen Vertreter dieses Genre, wie Benjamin Britten, Hans Werner Henze oder auch Alban Berg. Komponisten wie Beethoven, Mahler, Bruckner oder Tschaikowsky, um nur eine kleine Auswahl zu nennen, waren sich der Wirkung der Pauke in ihren Sinfonien und Orchesterwerken sehr bewusst. Mahlers 3. Sinfonie ist dafür ein beredtes Beispiel, war es doch zum Ende der vergangenen Konzertsaison von den Dortmunder Philharmonikern eindringlich zu hören. Dem Pauker aber obliegt es je nach musikalischem Werk, der Lautstärke und Intensität seines Instrumentes Ausdruck mit den Schlägeln zu verleihen. Das sind Stiele aus Bambus, die mit kleinen Kugeln aus Fell, Kunststoff oder auch Filz versehen sind und mit denen der Musiker auf sein Instrument schlägt. Was sich auf den ersten Blick vielleicht ein wenig martialisch liest, ist aber ganz besondere Feinarbeit. Lorris Dath gab mir davon eine kurze, aber sehr beeindruckende und auch lehrreiche Kostprobe. Welch ein faszinierendes Instrument und welch ein Musiker!

Lorris Dath an den Barockpauken / Foto privat
Lorris Dath an den Barockpauken / Foto privat

Geboren und aufgewachsen ist Lorris Dath in einem beschaulichen Schwarzwaldörtchen namens Höfen an der Enz. Der kleine Ort nahe der größeren Stadt Calw, liegt im nördlichen Teil des Bundeslandes Baden-Württemberg. Und natürlich ist die schwäbisch-alemannische Mundart auch Jahre später im Gespräch mit Lorris Dath immer noch deutlich auf sehr sympathische Weise bei ihm herauszuhören.

Schon früh, mit gerade 5 Jahren, zeichnete sich sein musikalisches Talent ab und seine Eltern ermöglichten ihrem Sohn eine dahingehende Früherziehung. Obgleich beide Eltern keine musikalischen Berufe ausübten, – die Mutter, gebürtige Französin, hatte als Lehrerin gearbeitet und der Vater ist in der Tourismusbranche in einem nahegelegenen Kurort tätig- ,war ihnen wohl sehr zeitig klar, welches Talent in ihrem jungen Sohn steckte. Mit 6 Jahren begann Lorris, wie so viele andere Kinder in diesem Alter auch, mit dem Erlernen der Blockflöte. Seine Leidenschaft aber war dies wohl eher nicht. Das war eindeutig das Schlagzeug. Das wollte er lernen und spielen. Und so war sein Wunsch nach einem eigenen Drumset nur natürlich. Mit 9 Jahren war es dann soweit. Sein erster Schlagzeugunterricht begann. Ob er allerdings damit seine Eltern zu der damaligen Zeit begeistern konnte, sei mal dahingestellt. Eigentlich empfanden sie das Instrument als zu laut und zu groß. Aber unterstützt haben sie ihn immer. Von seiner Blockflötenlehrerin kam allerdings der Einwand, dass er doch bitte ein „richtiges“ Instrument lernen solle, da „er zu musikalisch für Schlagzeug sei“. Zumindest aber zeigte der örtliche Musikverein schon deutliches Interesse an dem jungen Musiker und rekrutierte ihn.

Sein Lebensweg sah aber für ihn keine Hobbymusikerkarriere vor. So kam er bereits mit 15 Jahren an das Badische Konservatorium in Karlsruhe. Dort war er als Stipendiat einer Hochbegabten-Förderung eingeschrieben und sammelte bereits im Teenager-Alter wichtige impulsgebende Orchestererfahrungen für seine spätere berufliche Ausbildung und Tätigkeit als Orchestermusiker.

Hände am Marimba / Foto @ Gerhard Stranz
Lorris Dath am Marimba / Foto @ Gerhard Stranz

Das tolle am Schlagwerk an sich und eben an der Ausbildung und meinem Lehrer in Karlsruhe, war und ist die Vielseitigkeit des Schlaginstrumentariums und den damit verbundenen musikalischen Möglichkeiten, als auch unterschiedlichen Musikstilen!“, so Dath rückblickend. Vor seiner Ausbildung zum Pauker, und auch noch parallel dazu, lernte er alle möglichen Schlaginstrumente wie Drumset, alle Stabspiele (Marimbaphon, Vibraphon, Xylophon), alle Arten von Trommeln wie Conga, Djembe usw.. Er war eigentlich in sämtlichen Stilen wie Pop, Rock, Jazz, volkstümlich, lateinamerikanisch eben bis hin zur Klassik „zu Hause“. Heute überwiegt durch seine Verpflichtung bei den Dortmunder Philharmonikern als Solo-Pauker natürlich die Klassik , aber die musikalische Vielseitigkeit schätzt Lorris Dath auch heute noch sehr!

Nach dem Abitur im heimatlichen Gymnasium studierte Dath dann an der Musikhochschule Trossingen. In diese Zeit fallen auch seine Mitwirkungen in der Jungen Deutschen Philharmonie, im Orchester des Schleswig – Holstein Musikfestival und ab der Saison 2007/2008 war er als Akademist am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken engagiert. Besonders hat ihn in dieser Zeit geprägt die erfolgreiche Teilnahme (ein 1.Preis) am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ 2001 in Hamburg, sowie die Mitwirkung im Landesjugendorchester Baden-Württemberg. Ab dieser Zeit (er war 16) entstand und festigte sich dann immer mehr der Wunsch in ihm sein Hobby zum Beruf zu machen.

Auf die Frage nach seinem ersten großen Konzert in einem Philharmonischen Orchester in dem er als angehender Solopauker mitgespielt hat, überlegt er einen Moment. „Mein erstes richtiges Konzert war eines mit Werken von Brahms und Schostakowitsch“. Mittlerweile ist Lorris Dath ein recht erfahrener Pauker und Musiker und kann von vielen Konzerten und großen Musikwerken verschiedenster Komponisten, allein in Dortmund, berichten. Vor seiner Dortmunder Zeit war er zudem vier Jahre bei den Essener Philharmonikern engagiert. Die natürliche Sorge seiner Eltern, ob der Sohn Lorris später einmal von seiner musikalischen Leidenschaft wird leben können, hat er ihnen seit Jahren nehmen können.

Lorris Dath / Foto @ Magdalena Spinn
Lorris Dath / Foto @ Magdalena Spinn

Mittlerweile hat er sich in der Ruhrgebietsmetropole Dortmund sehr gut eingelebt und ist gerade dabei, eine größere, durch Umzug eines Musikerkollegen freiwerdende Wohnung, zusammen mit seiner Freundin zu übernehmen. Ein glücklicher Umstand, der auch davon zeugt, dass Kollegialität bei den Dortmunder Philharmonikern groß geschrieben wird. Aber nicht nur bei den Philharmonikern. „Ich genieße es, hier am Theater Dortmund mit so vielen Mitarbeitern-/Innen von verschiedenen, nicht nur künstlerischen, Berufsgruppen zusammen zu treffen. Es herrscht ein allgemein sehr gutes Betriebsklima vor.“, berichtet mir Lorris Dath von seinen Erfahrungen an seiner Dortmunder Wirkungsstätte und schildert auch seine positiven Eindrücke in der künstlerischen Zusammenarbeit mit dem Chefdirigenten der Dortmunder Philharmoniker, Gabriel Feltz.

Seit Beginn der Saison 2013/14 leitet der namhafte, aus Berlin stammende Dirigent als Generalmusikdirektor der Stadt Dortmund die Dortmunder Philharmoniker. Unter der Leitung von Feltz konnten die Dortmunder Philharmoniker in der jüngeren Vergangenheit große, und weithin beachtete Erfolge feiern. In ganz besonderer Erinnerung hierbei die umjubelten Konzerte mit Werken von Rachmaninow und Mahler, die Dirigent und Philharmoniker zu einer großen künstlerischen Einheit hat verschmelzen lassen. Und, nicht nur nebenbei, auch die ganz besonderen musikalischen Qualitäten Lorris Daths auf seinem Instrument herauszustellen vermochte.

Dortmunder Philharmoniker / Foto @ Magdalena Spinn
Dortmunder Philharmoniker / Foto @ Magdalena Spinn

Und das brachte uns im Gespräch dann auch zu dem Thema „Konzertbühne und Orchestergraben“. Als OPERNMAGAZIN ist es natürlich von Interesse, wie ein vielbeschäftigter Orchestermusiker alle seine Verpflichtungen unter einen Hut bringt. Die im Monatsrhythmus stattfindenden Philharmonischen Konzerte, seit Jahren im Konzerthaus der Stadt Dortmund aufgeführt, und dann die fast täglichen Abendvorstellungen von Opern, – aber auch Ballettaufführungen, Operetten und Musicals -, während der Spielzeit im Orchestergraben. „Es ginge mir ganz viel verloren, wenn ich nur im Konzert spielen würde. Die musikalische Tätigkeit im Orchestergraben, beispielsweise während einer Opernaufführung, ist auch immer wieder für mich eine große Aufgabe und beeindruckende Erfahrung“, beschreibt Dath seine Eindrücke und erzählt nebenbei, wie er, wenn er in einem Stück mal eine längere Spielpause hat, was bei der Pauke nicht ganz selten ist, dem Gesang, der von oben von der Bühne zu hören ist, auf sich wirken lässt und es dann auch genießen kann. „Das ist zur Zeit bei unseren LA TRAVIATA-Aufführungen immer wieder ganz besonders der Fall“, verrät er mir.

Bei den seit Jahren im Konzerthaus Dortmund stattfindenden monatlichen Konzerten der Dortmunder Philharmoniker, schätzt Dath den direkten Kontakt zum Publikum ebenso wie auch die Möglichkeit dann selbst von seinem Platz aus den Blick in Richtung Zuschauersaal richten zu können. Im Orchestergraben des Dortmunder Opernhauses sind die Sichtverhältnisse bekannterweise ein wenig eingeschränkt. „Im Konzert auf der Bühne bin ich schon ein wenig angespannter als im Orchestergraben“, erzählt er mir, „ aber der Gesamteindruck im Dortmunder Konzerthaus ist schon ein ganz besonderer für uns Philharmoniker.“ Dabei erwähnt Dath auch ausdrücklich die besonders gute Akustik des Hauses, wie das schon viele Künstler vor ihm ebenfalls begeistert zum Ausdruck brachten.

Lorris Dath /Pauken/ Foto privat
Lorris Dath /Pauken/ Foto privat

Dass die Arbeitszeiten für einen städtisch angestellten Orchestermusiker sicher auch besondere Anforderungen stellen, – gerade und besonders im privaten Bereich -, ist Lorris Dath sehr bewusst. Aber etwas anderes, als das, was er jetzt beruflich macht, kommt für ihn nicht in Frage. Die Tätigkeit als Musiker, und dazu noch in einem bedeutenden Philharmonischen Orchester, erfüllt ihn voll. Seine Liebe zur Musik, seine Begeisterung für seinen Beruf, sind ebenso überzeugend wie ansteckend. „Das ist mein absoluter Traumberuf!“, bekennt der Pauker und ehemalige Trompeter, – das Instrument hat er früher auch noch erlernt – , völlig überzeugend in unserem Gespräch.

Solo-Pauker Lorris Dath und die Dortmunder Philharmoniker sind am 12. und 13. Dezember anlässlich ihres nächsten Philharmonischen Konzertes wieder im Konzerthaus Dortmund zu erleben. Dann mit Werken von  Sibelius und Tschaikowsky und unter der Leitung des Gastdirigenten Dmitri Liss. Zuvor gibt es aber am 2. Dezember im Dortmunder Opernhaus eine Premiere von Tschaikowsky großer Oper EUGEN ONEGIN, unter der musikalischen Gesamtleitung von GMD Gabriel Feltz. Auch, und besonders, für das Orchester eine sehr anspruchsvolle und lohnende Aufgabe.

Detlef Obens u. Lorris Dath
Detlef Obens u. Lorris Dath/November 2017

Ab sofort werde ich mich mit noch offeneren Ohren, und auch Augen, auf die Pauke konzentrieren, wann immer sie für starke, emotionale und auch sinnliche Momente sorgt. Dabei voller Anerkennung für den Künstler Lorris Dath und verbunden mit großem Dank an ihn für ein sympathisches und kurzweiliges Gespräch, aus dem ich sehr viel mitnehmen konnte. Eines ist ganz sicher: Eltern, lasst Euren Kindern ihr Drumset, es könnte was großes draus werden!

 

 

 

© Detlef Obens / DAS OPERNMAGAZIN 11-2017

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