Elisabeth Hornung / Foto @ Matthias Woehl

Liederabend der Mezzosopranistin Elisabeth Hornung in Darmstadt

Die Visitenkarte der Elisabeth Hornung

Liederabend der Mezzosopranistin Elisabeth Hornung im Ernst-Ludwig-Saal in Darmstadt am 8. April 2018

  • Rezension von Matthias Woehl

 

Nur wer mich kennt weiß, wie ungern ich Liederabende besuche. Es ist einfach unerträglich für mich, wenn Sängerinnen in der Diseusenkurve stehen und stocksteif säuselnd über Bächlein, Vögelein oder Blümlein singen. Nur wenige Künstlerinnen können mich da mit einem aufregenden Programm oder einer besonderen Intensität begeistern.

Elisabeth Hornung / Foto @ Matthias Woehl
Elisabeth Hornung /
Foto @ Matthias Woehl

Seit 1984 gehört Elisabeth Hornung zum Ensemble des Staatstheater Darmstadt, und seitdem bewundere ich sie auch. In welchen Partien habe ich sie alles gesehen, als Amneris, Eboli, Herodias, Brangäne, Amme, Venus, ihre tolle Allwissende Muschel (in der Ägyptischen Helena in Essen), einfach unzählige Rollen. Man ist fast an seine „Hornung“ gewöhnt, lebt Jahrzehnte mit ihr als feste Größe am Haus, wird von ihr begleitet, wächst mit ihr ins „Charakterfach“ hinein, zuletzt als Burja in Jenufa, oder als Mary im Holländer.

Als ich das Programm zu ihrem Liederabend in den Händen hielt und sah, was sie da ausgesucht hat, war ich begeistert. Es begann mit der Arie „O del mio dolce ardor” aus Paride ed Elena von Gluck, und dann zwei Arien von Händel, dem „Lascia ch’io pianga“ aus Rinaldo und dem wunderschönen „Ombra mai fu“ aus Xerxes von Händel. Hier konnte sie mit ihrer unglaublichen Tiefe begeistern, die über die Jahre sozusagen ihr Markenzeichen geworden ist. Darauf folgte dann ein berührendes „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert.

Nach der Pause wurde es unterhaltsamer. Sie lud als Prinz Orlowski sich Gäste ein (aus der Fledermaus von Johann Strauß), und besang „Schlösser, die im Monde liegen“ aus Paul Linckes „Frau Luna“. Mein Operettenherz klopfte schon alleine durch ihren herrlichen Vortrag, und sogleich folgte ein weiterer Höhepunkt, nämlich das wunderschöne „Mattinata“ von Ruggero Leoncavallo. Was für eine große Künstlerin sie doch ist, beweist sie, indem sie „Plaisir d’amour“ von Martini völlig den ihm anhaftenden Kitsch-Charakter nahm, was bei der wirklich jedem bekannten Melodie schon eine große Leistung ist. Darauf ließ sie sogar noch „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ erklingen, um dann mit einem wirklich großartigen, sehr verführerisch gegebenen „Amour, viens aider ma faiblesse“ aus „Samson und Dalilah“ von Saint-Saens das Programm zu beenden.

Dann kündigte sie an, das sie das gleiche Lied (besser den gleichen Text), nämlich „Nur wer die Sehnsucht kennt“ von Goethe in zwei verschiedenen Vertonungen singen wird. Einmal die sehr deutsche Version von Franz Schubert, dann in der wesentlich leidenschaftlicheren Form von Peter Tschaikowsky. Erstaunlich, wie wandelbar sie dann auch im stimmlichen Ausdruck war, und man merkte richtig, wie viel näher ihr die russische Vertonung wohl sein dürfte. Es ist wohl das polnische Blut, das in ihren Adern fließt, das für diese Intensität im slawischen Liedgut sorgte. Das ergänzte sie dann noch mit „Liebste, verweile bei mir“ , was mich sehr berührte. Nach Brahms „Mädchenlied“ dann ein weiterer Höhepunkt des Abends, nämlich zwei Lieder von Frederic Chopin, die sie ebenfalls sehr leidenschaftlich vortrug. 

Das war mehr als ein Liederabend, das war die Visitenkarte einer Künstlerin, die nicht umsonst über Jahrzehnte auf der Bühne steht. Sie verstand es ihr Publikum mitzunehmen, zu unterhalten und zutiefst zu berühren.

Bei all dem begleitete sie Irina Skhirtladze geradezu kongenial auf dem Flügel. Sie legte je nach Lied den passenden Klangteppich unter Frau Hornungs Stimme, ohne einfach nur Begleitung zu sein, nein auch sie war ein gestalterischer Teil des Abends.

Was ich den ganzen Abend versuchte zu vermeiden, das passierte dann aber bei der Zugabe. Als Frau Hornung dann „Arrivederci Roma“ anstimmte, da wurde es sehr warm um mein Herz, und ein paar Tränchen kullerten über meine Wangen. Sentimental entschwand ich in den schönen Frühlingsabend. Wie heißt es in jenem Lied: „nur wer Dich kennt der kann meine Sehnsucht auch verstehen“.

 

  • Matthias Woehl
    Matthias Woehl

    Vielen Dank an Klaus Loderer vom Blog OpernLoderer für die freundliche Zustimmung zur Artikelübernahme

  • Besonderen Dank an den Autor des Artikels, Matthias Woehl, der diesen Liederabend mit einer besonderen Hingabe und Empathie zur Musik und zur Interpretin in sehr unterhaltsame Worte gefasst hat

Matthias Woehl ist mit einer Operngruppe unter dem Namen „Callas&Co eine Sendung bei Radio X“ auch auf FACEBOOK zu finden und unterhält auf YOUTUBE eine ebenfalls sehr besuchenswerte Seite mit dem Titel „Callas&Co.„, auf der er viele Videoclips bemerkenswerter, oftmals historischer Originalaufnahmen, vornehmlich aus dem Bereich der Oper, eingestellt hat. Beide Seiten werden von dem ausgewiesenen Opernkenner Woehl ständig aktualisiert und sind hiermit den Leserinnen und Lesern von DAS OPERNMAGAZIN sehr empfohlen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.