Diana Damrau (Lucia) und Piero Pretti (Edgardo) / Foto: Saad Hamza

Großartige Diana Damrau begeisterte als Lucia di Lammermoor am 29.5. in der Essener Philharmonie

Diana Damrau / Fotograf: Saad Hamza Fotograf: Saad Hamza
Diana Damrau / Fotograf: Saad Hamza

Wenn es bereits zur Pause Standing Ovations vom Publikum gibt, darf man gewiss sein, einer ganz besonderen Opernaufführung beizuwohnen. Dies war am gestrigen Abend in der Essener Philharmonie ganz sicher der Fall. Eine mit Ovationen überschüttete DIANA DAMRAU faszinierte das Publikum mit ihrer einzigartigen Darstellung von Donizettis Lucia di Lammermoor aus der gleichnamigen Oper. Zusammen mit dem großartigen Tenor Piero Pretti bildete sie das zentrale Liebespaar in dieser von Melodien überreichen tragisch-schönen Belkantooper  

Im Rahmen ihrer Programmreihe „Grosse Stimmen“ präsentierte die Philharmonie Essen am Sonntag, dem 29. Mai 2016, die konzertante Aufführung von Gaetano Donizettis tragischer Oper „LUCIA DI LAMMERMOOR“. Die Titelpartie immer schon eine Paraderolle für die bedeutendsten Koloratursporanistinnen ihrer Zeit.

Mit Diana Damrau in der Titelpartie wartete Essen mit der wohl für sehr viele Opernfans derzeit besten Lucia weltweit auf. Die Erwartungen durften entsprechend hoch sein. Und sie wurden sogar noch übertroffen! Das Publikum im ausverkauften Haus erlebte eine Diana Damrau von atemberaubender Intensität, gesanglich, als auch in ihrer gestischen Darstellung.  Schon in ihrer Eingangsarie im ersten Akt ( „Regnava nel silenzio“ ) begeisterte sie das Publikum restlos und wurde mit Bravo-Rufen förmlich überschüttet. Ergreifend dann das folgende Duett der sich heimlich liebenden Lucia und Edgardo ( „Sulla tomba che rinserra“ ). Hinreißend und hochemotional von ihr und ihrem Bühnenpartner, dem Tenor Piero Pretti, gesungen. Und natürlich krönte sie mit ihren ganz besonderen stimmlichen Mitteln  auch das geniale Sextett im zweiten Akt ( „Chi mi frena in tal momento“ ) und liess es damit auch zu einem der vielen Höhepunkte dieses konzertanten Opernabends werden.

Ihre Koloraturen in der berühmten „Wahnsinnsszene“ , zweiter Akt / 4. Bild, ( „Il dolce suono“) erklangen im Zusammenspiel mit der Glasharmonika kristallklar, fast überirdisch und zutiefst berührend. Ihr abschließendes dramatisch-verzücktes „Spargi d’amaro pianto“ mit dem überragend gesungenen abschließendem Spitzenton riss das Publikum förmlich von den Sitzen.

Diana Damra, ein Weltstar mit einer Weltklasseleistung!

Diana Damrau (Lucia) und Piero Pretti (Edgardo) / Foto: Saad Hamza
Diana Damrau (Lucia) und Piero Pretti (Edgardo) / Foto: Saad Hamza

Viel hat sich Frau Damrau im Vorfeld zur Einstudierung ihrer auf der ganzen Welt gefeierten Lucia-Interpretation vorbereitet. Sie tat dies sogar in der Nervenklinik in ihrer Heimatstadt Günzburg. Es war ihr wichtig zu erfahren, wie Psychiater eine Figur wie die der Lucia medizinisch einschätzen. Nach ihrem ganzen Verhaltensmuster zeigt Lucia für die Mediziner  „bipolare Züge“, die bereits in ihrer ersten Arie zutage treten würden, wenn sie dort von einer gespenstischen Vision  singt (erzählt). Diese interessante Information aus dem Programmheft der Essener Philharmie zum gestrigen Abend zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich die Sängerin mit einer Rolle im Vorfeld beschäftigt. Sie auch psychologisch durchleuchtet, um für sich selbst ein möglichst gesamtes und schlüssiges Bild einer Partie zu erhalten.

Frau Damrau war zwar der groß angekündigte Star des Abends, aber sie war umgeben von einem Team herausragender Opernsänger (-in). Hier an allererster Stelle zu nennen der italienische Tenor Piero Pretti, der besonders im letzten Akt seinen ganz großen Auftritt mit der wundervoll vorgetragenen Arie  „Tombe degli avi miei“ hatte, dem er ein zu Herzen gehendes „Tu che a Dio spiegasti l’ali“ am Ende anschloss. Viel Applaus und Bravos für diese Leistung!

Nicolas Testé (Raimondo) und Diana Damrau, im Hintergrund Dirigent Gianandrea Noseda / Foto: Saad Hamza
Nicolas Testé (Raimondo) und Diana Damrau, im Hintergrund Dirigent Gianandrea Noseda / Foto: Saad Hamza

Als Lucias Bruder Enrico war Gabriele Viviani verpflichtet worden. Der in Lucca/It. geborene Bariton überzeugte das Publikum mit sehr kultiviertem und kraftvollem Gesang. Nicolas Testé als wunderbarer Raimondo  und   Francesco Marsiglia als Lord Arturo (dem ungewollten Bräutigam der Lucia), sowie Daniela Valdenassi als Alisa und Luca Casalin als Normanno rundeten das durchweg sehr ansprechende Solistenensemble ab.

Der Damen und Herrenchor des Teatro Regio Torino belegte einmal mehr seinen überaus guten internationalen Ruf als Opernchor.

Der vorzügliche Dirigent und musikalische Leiter des Abends,  Gianandrea Noseda, wurde ebenfalls zusammen mit seinem Orchester (Orchester Teatro Regio Torino) vom Essener Publikum gefeiert für eine hochemotionale konzertante Donizetti-Opernaufführung allererster Qualität.

Alfried-Krupp-Saal / Foto DAS OPERNMAGAZIN / Basia Kuznik
Alfried-Krupp-Saal / Foto DAS OPERNMAGAZIN / Basia Kuznik

Wer an diesem Abend dabei war, wird dieses Opernerlebnis sicher nicht vergessen. Auch für mich gehört es jetzt schon mit zum Besten, was ich in vielen Opernjahren erlebt habe. Diana Damrau, die beim Schlußjubel überaus sympathisch und gar nicht Diva-like herüberkam, hat das Essener Philharmonie-Publikum restlos begeistert. Da hat sich jede, noch so weite, Anreise gelohnt!

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