Festspielhaus Baden-Baden

FESTSPIELHAUS BADEN-BADEN: Nederlands Dans Theater – am 16.+17. Juni 2018

Foto: SHUT-EYE-®-Rahi-Rezvani
Foto: SHUT-EYE-®-Rahi-Rezvani_print

Nederlands Dans Theater – Einzigartige Kombination von Virtuosität und Expressivität

Eine der wichtigsten Kompagnien für zeitgenössisches Ballett ist wieder zu Gast im Festspielhaus Baden-Baden: Am Samstag, 16. Juni 2018, 18 Uhr und am Sonntag 17. Juni 2018, 17 Uhr, präsentiert das Nederlands Dans Theater Ballette von Sol León und Paul Lightfoot, Marco Goecke und Crystal Pite.

 

Der Name ist ein Synonym für das moderne europäische Ballett: Das Nederlands Dans Theater steht seit fast 60 Jahren kontinuierlich an der Spitze der europäischen Avantgarde und weist mit neuen Choreographen, neuen Werken, neuen Handschriften weiterhin den Weg in die Zukunft. Seit vielen Jahren ein willkommener Gast, kehrt die holländische Kompanie mit den ausdrucksvollen Tänzern am Samstag, den 16. Juni um 18 Uhr und am Sonntag, den 17. Juni um 17 Uhr, erneut ins Festspielhaus Baden-Baden zurück.

Neben zwei Stücken seiner beiden Haus-Choreographen Sol León und Paul Lightfoot hat das NDT „Woke Up Blind“ von Marco Goecke zusätzlich ins Programm aufgenommen, außerdem bringt die Kompanie ein Werk von Crystal Pite mit, der derzeit gefragtesten Choreographin der Ballettwelt.

Ihr ungewöhnliches Stück „The Statement“ ist fast ein Schauspiel, so deutlich begegnen sich hier Tänzer in einen Machtkampf am Konferenztisch. In der Hierarchie einer globalen Firma wird offensichtlich ein Schuldiger für einen gewalttätigen Konflikt gesucht; vier Anzugträger, männliche und weibliche, führen eine wütende Debatte. Erstaunlich realitätsnah zeigt das Ballett die Arbeitsverhältnisse der Gegenwart, dennoch stellt gerade der Tanz das Groteske der Situation heraus, wenn das Manager-Quartett zwischen Slapstick und Schrecken dahintaumelt. Die Kanadierin Crystal Pite ging aus William Forsythes legendärem Frankfurter Ballett hervor und ist heute ein begehrter Gast bei allen großen Ballettkompanien der Welt. Dem NDT ist sie seit mehreren Jahren als regelmäßige Choreographin verbunden. 

Auch Marco Goecke gehört zum Stammpersonal der holländischen Kompanie; der geborene Wuppertaler mit Wohnsitz in Stuttgart ist mit seinen dunklen, nervösen Stücken zum wichtigsten deutschen Choreographen der Gegenwart geworden. Ungewohnt farbenfroh denkt er in „Woke Up Blind“ zu Liedern des jung verstorbenen Songwriters Jeff Buckley über die Liebe nach – anfangs grotesk in sich gekehrt zu einem Blues, dann immer dynamischer und frenetischer, wie die jazzige Gitarre Buckleys. Aus Solos entstehen kurze, vorbeihuschende Duos, in denen Goecke seine ganz eigene Form der Annäherung zeigt: mit den Fingerspitzen durch die Luft spürend, die Körper ineinander spiegelnd.

Foto: SINGULIêRE-ODYSSëE-®Rahi-Rezvani
Foto: SINGULIêRE-ODYSSëE-®Rahi-Rezvani_print

Direkt aus dem Nederlands Dans Theater stammen seine heutigen Haus-Choreographen: Die Spanierin Sol León und der Brite Paul Lightfoot waren langjährige Tänzer und kreierten zahlreiche Werke für Choreographen wie Jiří Kylián. Seit 2002 prägt ihr fließender, dramatischer Stil die Werke des NDT, Lightfoot leitet die Kompanie auch seit einigen Jahren als Direktor. Die mysteriösen Stücke des Choreographenpaars sind oft in elegantes Schwarzweiß gehüllt, immer wieder brechen dunkle Emotionen hervor.

Der Titel von „Shut Eye“ bezieht sich auf ein berühmtes Zitat des Malers Paul Gauguin: „Ich schließe meine Augen, um zu sehen.“ Lichter wandern durch einen weiten Raum, die einzige Türe verbirgt Surreales, dunkle Silhouetten wachsen und zerfließen an den Wänden. Zu poetischer Musik aus Olafur Arnalds Album „The Chopin Project“ geht es um den Verlust von Sicherheit und Halt, aus ruhigen, in sich gekehrten Menschen werden Suchende. „Singulière Odyssee“ spielt ganz konkret im alten, holzgetäfelten Wartesaal des Bahnhofs von Basel, wo unter der großen Uhr an der Wand beständig Fremde aufeinandertreffen. Angetan in langen Mänteln und nostalgischen Kleidern verharren die Menschen an diesem Ort des Durchgangs, halten ein und reflektieren. Ein Herbststurm fegt Blätter herein in den Wartesaal des Lebens und zur repetitiven, emotionalen Musik, einem Auftragswerk von Max Richter, gibt es nur einen einzigen Mann, der den Raum niemals verlässt…

Traditionell gibt es im NDT keine Hierarchie mit Solisten und Corps de ballet, die erlesenen Tänzer sind allesamt Persönlichkeiten mit Bühnenpräsenz und ausdrucksvollen Körpern, mit so viel Intellekt wie Eleganz. Berühmt wurde die Kompanie mit Sitz in Den Haag durch die großen Choreographen Hans van Manen und Jiří Kylián, doch sie ist nie beim Abspielen eines festen Repertoires bekannter Werke stehen geblieben und sucht stattdessen immer nach neuen Perspektiven. Seit der Gründung im Jahr 1959 wurden weit über 600 Uraufführungen in Auftrag gegeben, neben den Haus-Choreographen León/Lightfoot und den ständigen Gästen Crystal Pite, Marco Goecke und Hofesh Shechter wird regelmäßig die Weltelite der modernen Choreographen eingeladen. Das NDT bleibt sich treu in seinem Geist des Aufbruchs und der ständigen Erneuerung.

 

Weitere Informationen: www.festspielhaus.de

Informationen und Eintrittskarten: Tel. 07221 / 30 13 101

  • Titelfoto: Festspielhaus Baden-Baden / Foto @ Festspielhaus Baden-Baden 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.