Emmanuel Papadopoulos / Foto © Callikrati Vuyuk

Emmanuel Papadopoulos – Der griechische Gesangsstudent in Berlin im Gespräch mit dem OPERNMAGAZIN

Emmanuel Papadopoulos / Foto @ Erion Kovaçi
Emmanuel Papadopoulos / Foto @ Erion Kovaçi

Geboren 1992 im malerischen Ort Elounda auf Kreta und aufgewachsen in Athen, verschlug es den jungen Griechen Jahre später nach Berlin. Grund dafür war die Musik, die Kunst, der Gesang. Schon früh spürte er seine Liebe zur klassischen Musik und vor allem, zur Oper. Jetzt ist sie sein Lebensmittelpunkt. Für DAS OPERNMAGAZIN traf ich den Gesangsstudenten Emmanuel Papadopoulos zu einem Interview in Berlin. Es wurde ein ausführliches und längeres Gespräch über seine Wünsche, seine Träume und Pläne, seine Ziele und das Leben in einer der aufregendsten Städte der Welt.

 

Das Hotel SAVOY, schon immer ein bekannter Berliner Treffpunkt für Künstler aus vielen Ländern, war auch für unser Interview der angenehme und passende Rahmen zu einem ausgiebigen Gedankenaustausch. Die Frage, warum sich junge Menschen für die Ausbildung zum Opernsänger interessieren und welchen Antrieb dazu hatten, beschäftigt mich seit langem. Durch die freundschaftliche Bekanntschaft mit einem Gesangslehrer und Professor an der UdK (Universität der Künste in Berlin), Prof. Aris Argiris, auch ein Grieche, und vor allem aber ein großartiger Bariton, fiel meine Wahl auf Emmanuel Papadopoulos, der an eben dieser Universität Operngesang studiert und dessen Dozent Argiris ist. Wie Professor Argiris auch, ist Emmanuel von der Stimmlage her ein Bariton, genauer gesagt, ein lyrischer Bariton. Angefangen hat er allerdings in jüngeren Jahren als Tenor. Nicht allzu verwunderlich, da in den allermeisten Fällen im Laufe der Jugend die männliche Stimme naturgegeben „tiefer“ wird.

Emmanuel Papadopoulos / Foto privat / Opernfestival Ägäis
Emmanuel Papadopoulos / Foto privat / Opernfestival Ägäis

Geboren auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta, wuchs Emmanuel Papadopoulos in der Hauptstadt seines Heimatlandes, in Athen, auf. Dort arbeiteten seine Eltern und dort verbrachten er und sein Bruder ihre Kindheit und Jugend. Die Mutter war Angestellte bei einer Rentenkasse und der Vater Angehöriger der griechischen Marine. Oper spielte im Hause Papadopoulos eigentlich keine Rolle. Erst viel später, als der Sohn sich dem Studium des Gesangs zugewandt hatte, erkannten seine Eltern die Schönheit der Opernmusik und verstanden die Leidenschaft, die ihr Sohn dafür seit langem hegte. Heute sind sie stolz auf ihren Sohn und unterstützen ihn bei allem was er macht, wie es Eltern tun, die sich für ihre Kinder freuen.

Schon recht früh fand Emmanuel den Weg zum Gesang. Und das über eine gute Freundin. „Schon mit 13 Jahren wurde ich, durch meine liebe Freundin Athanasia mit klassischer Musik bekannt gemacht. Ich hab bereits im Schulchor gesungen und bin dann durch sie auf die Idee gekommen Gesangsunterricht zu nehmen. Ihre Familie fuhr uns immer zu Konzerten und schenkte mir auch meine ersten CDs. Ich habe Ihnen viel zu verdanken, da ich mein Wissen erweitern konnte, aber auch richtige  Entscheidungen treffen konnte,“ erinnert sich der junge Künstler.

Gesangsunterricht war aber in Athen erst mit frühestens 14 Jahren möglich und so wartete er ab bis er das entsprechende Alter erreicht hatte. Seinen ersten größeren Auftritt hatte er dann in Thessaloniki. Er sang dort in Stücken von Zbigniew Preisner (er war auch der Dirigent in diesem Konzert) zusammen mit einem Chor den Tenorpart. Zu dieser Zeit verfügte er noch über die entsprechende jugendliche Höhe der Stimme. Gefragt nach der ersten wirklichen Begegnung mit der Kunstgattung Oper antwortete Papadopoulos: „Die erste Oper die ich gesehen hab war „Gianni Schicchi“ von Puccini, die mich sehr fasziniert hat ,weil neben der Musik die Komödie und das Schauspielen so ausgeprägt waren.“

Emmanuel Papadopoulos / Foto privat /
Emmanuel Papadopoulos / Foto @ Mrz De Ville

Nach dem Abitur studierte er zwischen seinem 18. und 20. Lebensjahr zunächst Philosophie um dann an der amerikanischen Universität Deree in Athen bei Prof. Zachos Terzakis und danach am Athener Konservatorium bei Prof. Despina Kalafati mit Stipendien sein Gesangsstudium aufzunehmen. „Die Lehrer dort waren mir allerdings zu speziell“, wie Emmanuel mir im Gespräch verriet. Es war nicht das, was er sich vom Gesangsunterricht eigentlich erwartet hatte.

Zu dieser Zeit in seinem Leben war es dann auch, dass der attraktive Grieche als Modell für internationale Modelabels tätig wurde. Verpflichtungen und Fotoshootings u.a. in Paris, Mailand und Berlin brachten ihm zwar viel Abwechslung, aber offensichtlich nicht die innere Befriedigung auf der Suche nach seinem wahren Ziel: dem Gesang.

Er spricht von einer Art „Krise“ in der er sich befand, als er zu dieser Zeit in Athen die international bekannte Sopranistin Marlis Petersen kennenlernte. Sie gab dort eine Meisterklasse für junge Sänger. „Von ihr habe ich unheimlich viel gelernt. Und auch vieles endlich verstanden. Besonders in Bezug auf die Gesangstechnik“, sagt er über diese Zeit. Wenn er von dieser Zeit spricht, ist ihm die nachträgliche Begeisterung noch immer anzumerken. Weitere bedeutende gesangspädagogische Wegmarken in seiner jungen Karriere waren neben Frau Petersen die Dozenten Wolfgang Schöne, Stewart Emerson, Angelos Samartzis, Abbie Furmansky, David Malis, Marios Sarantidis, Tassis Christoyannis, Mata Katsouli, KS Markus Brück und Michael Chance.

Emmanuel Papadopoulos / Foto © Callikrati Vuyuk
Emmanuel Papadopoulos / Foto © Callikrati Vuyuk

Vor nunmehr 1 ½ Jahren dann kam Emmanuel nach Berlin. Sein Ziel war die renommierte Universität der Künste in Charlottenburg-Wilmersdorf, die größte Kunsthochschule Europas, wo er sich für das Gesangsstudium eintragen ließ. Das Studium, dass die Schwerpunkte Gesangstechnik, Sprecherziehung, Schauspiel, als auch das Erlernen der italienischen Sprache zum Inhalt hat, gibt den zukünftigen Opernsängerinnen und Opernsängern das nötige akademische Rüstzeug für ihre weiteren Karrieren mit auf den Weg. „Von 150 Bewerbern für Studienplätze im Fach Gesang wurden nur 6 ausgewählt. Und ich war dabei!“, berichtet er mir voller Freude. Und so begann er im Studienjahr 2016 seine Ausbildung bei Prof. Aris Argiris. Emmanuel hatte seinen späteren Gesangsprofessor bereits im Vorfeld in Athen getroffen und kennengelernt. Der international bekannte Bariton hatte dort zusammen mit dem Dirigenten Zubin Mehta ein Konzert veranstaltet. Immer wenn das Gespräch auf Aris Argiris kommt, und das ist mehrfach der Fall, ist Emmanuel Papadopoulos voller Hochachtung und Anerkennung für seinen Dozenten.

In diesem Jahr wirkte Emmanuel im Rahmen einer vielbeachteten UdK-Produktion der Rossini-Oper „Il viaggio a Reims“ in der Baritonpartie des Don Prudenzio mit. Natürlich war dies nicht seine erste Bühnenerfahrung. In Griechenland hat er u.a. als Papageno in Mozarts ZAUBERFLÖTE bei einem Opernprojekt in der Ägäis mitgewirkt, sowie auch als Pinellino in Puccinis einaktiger Oper „Gianni Schicchi“. Aber auch im Konzertbereich kann Emmanuel Papadopoulos bereits bemerkenswerte Auftritte vorweisen: Beethovens Choralfantasie (Pan-European Philharmonia Orchestra), Händels Messiah (Anglikanische Kirche Athen) und Lieder von Tschaikowski (Russische Botschaft, Athen).

Emmanuel lebt im Berliner Stadtteil Schöneberg aber auch ein Leben, wie es viele andere seiner Altersklasse ebenfalls führen. Neben dem Studium der Klassischen Musik und dem Gesang liebt er es privat auch mitunter zu Technopartys zu gehen oder zuhaus Jazzmusik von Louis Armstrong, Chet Baker oder Billie Holiday aufzulegen. Bei Klassik bevorzugt er natürlich die Oper, – wie es die Mehrheit seiner Freunde auch tut -, und Werke von Ravel und Debussy und liebt die Kompositionen des Amerikaners Philip Glass.

Emmanuel Papadopoulos / Foto © Callikrati Vuyuk
Emmanuel Papadopoulos / Foto © Callikrati Vuyuk

Nach sängerischen Vorbildern gefragt, nennt Papadopoulos in erster Linie den großen italienischen Tenor Luciano Pavarotti. Zwar nicht seine Stimmlage, aber er bewundert an Pavarotti dessen Klugheit, Talent und Perfektion. Und das er ein so einmaliges, immer wiederzuerkennendes Timbre hatte. Und natürlich bewundert er auch seine beiden großen Landsfrauen, die legendäre Maria Callas und die großartige Mezzosopranistin Agnes Baltsa, die erst noch vor kurzem in Athen aufgetreten ist. Für sein Stimmfach nennt er Ettore Bastianini . Der viel zu früh verstorbene italienische Bariton ist für viele aktive Opernsänger immer noch ein besonderes Idol und wird bewundert für seine ausdrucksstarke und klangschöne Baritonstimme. In der Tat große Idole, die sich Emmanuel zum Vorbild genommen hat. Er liebt das Singen und beschreibt seine Gefühlswelt dabei so: „Wenn ich auf der Bühne bin und singe, führen die Vibrationen aus meinen Resonanzräumen meine Beziehung mit der Musik zu einer tieferen Ebene, und meine Seele fühlt sich unsterblich an!

 

Gefragt, in welchen Rollen er sich später einmal selbst sehen will, nennt er den Figaro aus „Il barbiere di Siviglia“, den Don Giovanni und auch besonders den Macbeth aus Verdis gleichnamiger Oper. Große sängerische Ziele, die er nennt, aber von denen er selbst sagt, dass er für diese Ziele noch viel Disziplin, Ausdauer und Arbeit investieren muss um sie eines Tages realisieren zu können. Die dafür nötigen Schritte dorthin geht Emmanuel Papadopoulos. Das Studium an einer der besten Universitäten mit den besten Dozenten für sein Berufsziel Opernsänger ist dafür sicher eine sehr gute Basis. Hinzu kommen immer der eigene Antrieb, Individualismus, die Bereitschaft auf manches zu verzichten, gute Ratschläge anzunehmen und natürlich, wie immer im Leben, das unterstützende und richtige private Umfeld und, ganz einfach Glück.

Detlef Obens u. Emmanuel Papadopoulos/11-2017
Detlef Obens u. Emmanuel Papadopoulos/11-2017

Ich wünsche Emmanuel für seine Ziele und Wünsche alles Gute und Erfolg und bin mir sicher, dass er seinen Weg gehen wird. Es war ein sehr angenehmes und informatives Gespräch, welches wir im Hotel Savoy führten. Sicher nicht das letzte. Das ein junger moderner Mann voller Liebe zur „alten“ Oper ist und sie als sein Lebensziel sieht, kann vielen anderen, die die gleichen Berufswünsche haben, Inspiration geben und Mut machen, den Weg auch zu gehen.

Die Oper lebt. Jünger und frischer wie zuvor. Und das ist auch gut so!

Vielen Dank und bis zum nächsten Mal in Berlin, lieber Emmanuel! 

 

© Detlef Obens / DAS OPERNMAGAZIN 11-2017

 

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