Elbphilharmonie (Apr 2016) © Maxim Schulz

Elbphilharmonie präsentiert Saison 18/19

Elbphilharmonie/ Plaza © Iwan Baan
Elbphilharmonie/ Plaza © Iwan Baan

Mit THEMENSCHWERPUNKTEN wie POLEN, VENEDIG, TEODOR CURRENTZIS, OLGA NEUWIRTH, CHARLES IVES, SIR GEORGE BENJAMIN und LAURIE ANDERSON GEHT DIE ELBPHILHARMONIE in die Dritte Runde.

 

 

In der Saison 2018/19 bietet die HamburgMusik in Elbphilharmonie und Laeiszhalle aufs Neue ein pralles und hochkarätiges Programm mit erstrangiger Musik. So veranstaltet sie etwa die Hälfte der gut 30 Orchestergastspiele in eigener Regie. Dazu gehören die Philharmoniker aus Wien, Berlin und München, das Budapest Festival Orchestra oder das Philharmonia Orchestra London. An sieben Abenden steht Teodor Currentzis am Pult, Sir Simon Rattle und Andris Nelsons leiten jeweils vier Konzerte mit unterschiedlichen Spitzenorchestern. 

Sorgfältig kuratierte Festivals widmen sich Themenschwerpunkten wie der Musik aus Polen und aus Venedig. Komponisten-Schwerpunkte zu Charles Ives, Karol Szymanowski, Witold Lutosławski, Olga Neuwirth und Sir George Benjamin geben dem musikschöpferischen Schaffen des 20. und 21. Jahrhunderts breiten Raum. »Lux aeterna«, das Musikfest für die Seele, geht im Februar 2019 in seine vierte Runde, auch »Greatest Hits«, das gemeinsam mit Kampnagel und dem NDR veranstaltete Festival für Neue Musik, erlebt eine weitere Ausgabe. Opern, Oratorien, Requien und Passionen von Bach und Mozart über Liszt bis Ligeti und Benjamin bringen die entsprechenden Werke in einen spannenden Dialog mit der Architektur des Großen Saals der Elbphilharmonie. Beim 4. Internationalen Musikfest Hamburg steht mit György Ligeti einer der wirkungsmächtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt. 

In der Reihe »Reflektor« gestalten die US-amerikanische Performance-Ikone Laurie Anderson sowie der Hamburger Nils Frahm eigene Konzertschwerpunkte. Mit so klangvollen Namen wie Myra Melford oder Craig Taborn hat die Reihe »Jazz Piano« im Kleinen Saal der Laeiszhalle gegenüber den Vorjahren noch einmal an Profil gewonnen. Ein Schwerpunkt des Jazzprogramms in der Elbphilharmonie liegt diesmal auf Gitarristen. Elbphilharmonie World bietet mit den Punch Brothers, Angelique Kidjo oder Noureddine Khourchid und tanzenden Derwischen eine faszinierende Vielfalt an musikalischen Welten rund um den Globus. Viele reizvolle, spezifisch auf unterschiedliche Altersgruppen zugeschnittene Produktionen für Kinder runden das Programm ab.

 

Saisoneröffnung unter französischem Vorzeichen

Der Saisonauftakt klingt gleich doppelt französisch: Nach der Opening Night des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter der Leitung seines Ersten Gastdirigenten Krzysztof Urbański mit Werken von Maurice Ravel und Guillaume Connesson (1.9.) eröffnet die HamburgMusik die Saison am 2. September mit dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique unter der Leitung seines Gründers Sir John Eliot Gardiner. Die Mezzosopranistin Joyce DiDonato ist die Solistin eines reinen Berlioz-Programms.

 

Internationale Orchester

Kurz darauf komplettiert das Boston Symphony Orchestra unter seinem Chefdirigenten Andris Nelsons mit seinem Gastspiel die Liste der »Big Five« unter den US-Orchestern in der Elbphilharmonie (5.9.). Der Hamburgische Generalmusikdirektor Kent Nagano führt das Orchestre Symphonique de Montréal aus Kanada, dessen Directeur musical er seit 2006 ist, erstmals in Hamburgs neues Konzerthaus (13.3.), auch das Sydney Symphony Orchestra aus Australien kehrt nach über 20jähriger Hamburg-Abstinenz an die Elbe zurück (3.12.).

 

Die Saison erlebt auch weitere Elbphilharmonie-Debüts führender Orchester aus dem europäischen Ausland. So gastieren etwa das Swedish Radio Symphony Orchestra unter Daniel Harding (16.11.) und die Tschechische Philharmonie unter ihrem neuen Chef Semyon Bychkov sowie, an zwei aufeinander folgenden Abenden, das Budapest Festival Orchestra mit seinem Chefdirigenten Iván Fischer und Werken von Bela Bartók (25./26.3.).

Zudem bietet sich die Chance zur Wiederbegegnung mit den Münchner Philharmonikern (21./22.1.Valery Gergiev), dem Philharmonia Orchestra London (30.1.Paavo Järvi), zwei Mal mit den Berliner Philharmonikern (17.2.Yannick Nézet-Séguin27.6.Tugan Sokhiev) und zwei Mal mit den Wiener Philharmonikern (8.4.Andris Nelsons5.6.Mariss Jansons).

 

Teodor Currentzis / Foto @ Robert Kittel
Teodor Currentzis / Foto @ Robert Kittel

Im Fokus: Teodor Currentzis

Kein zweiter Dirigent hat in den vergangenen zehn Jahren eine derart staunenswerte Karriere hingelegt wie Teodor Currentzis. In sieben über die Saison verteilten Konzerten skizziert die HamburgMusik ein facettenreiches Porträt des charismatischen, für seine packenden Konzerte und wegweisenden Aufnahmen vielfach preisgekrönten griechisch-russischen Maestros. Vier Abende gestaltet Currentzis mit seinen beiden im Jahr 2004 in Novosibirsk gegründeten Ensembles, dem Orchester musicAeterna und dem musicAeterna Chor, deren Musiker ihm 2010 nach Perm an den Ural folgten, als er dort das Staatstheater übernahm.

In der Elbphilharmonie widmen sich die Russen zwei Mal dem Schaffen Giuseppe Verdis: zunächst mit einer konzertanten Aufführung von »La Traviata« (21.10.), im Frühjahr 2019 dann an zwei Abenden mit Verdis Messa da Requiem (1./2.4.). Am 26. Oktober 2018 erlebt die von Teodor Currentzis selbst beim Komponisten in Auftrag gegebene Choroper »Tristia« des Franzosen Philippe Hersant in der Elbphilharmonie ihre erste Aufführung in Hamburg.

Zu Beginn der Saison 2018/19 übernimmt Teodor Currentzis die Chefposition beim SWR Symphonieorchester. Für die beiden Gastspiele mit diesem Orchester, das unlängst aus der Fusion zweier traditionsreicher Rundfunkorchester des deutschen Südwestens entstand, hat Currentzis ausschließlich russische Musik ausgewählt: Im Dezember das Violakonzert von Alfred Schnittke (Solist: Antoine Tamestit) und Tschaikowskys 5. Sinfonie (19.12.), im Frühsommer dann Schostakowitschs eng mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs verknüpfte 7. Sinfonie, die »Leningrader« (21.6.). Schließlich bringt Currentzis das Mahler Chamber Orchestra mit seinem musicAeterna Chor für eine Aufführung von Brahms‘ »Ein deutsches Requiem« zusammen (4.6.).

 

Musikland Polen

Im Jahr 2018 jährt sich die Unabhängigkeit Polens zum 100. Mal. Dieses Jubiläum nehmen HamburgMusik und NDR zum Anlass für eine ausführliche Würdigung polnischer Musik sowie polnischer Komponisten, Orchester und Solisten. Die Musik Frédéric Chopins spielt natürlich eine Rolle, doch bietet das Festival vor allem Gelegenheit, auch wichtige, hierzulande seltener aufgeführte Werke von Karol Szymanowski (1882-1937) kennenzulernen, neben Chopin der bekannteste polnische Komponist und eine der bedeutendsten Musikschöpfer des frühen 20. Jahrhunderts. Auch das vielgestaltige Schaffen von Witold Lutosławski (1913-1994) wird in mehreren Konzerten reflektiert, ebenso die Musik von Krzysztof Penderecki, der in diesem Jahr seinen 85. Geburtstag feiert. So spielt Nicolas Altstaedt, Artist in Residence beim NDR Elbphilharmonie Orchester in der kommenden Saison, Lutosławskis Cellokonzert, die Leitung hat der aus Polen stammende Erste Gastdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters Krzysztof Urbański (13./14./16.9.). Im Laufe des Festivals treten bedeutende Solisten wie Jan LisieckiPiotr Anderszewski oder Leszek Możdżer auf, die aus Polen stammen oder polnische Vorfahren haben, sowie polnische Orchester, etwa das NFM Wrocław Philharmonic. Die Festwochen zur Feier der polnischen Musik beginnen am 10. September mit einem Konzert des Polish National Radio Symphony Orchestra und Werken von PendereckiLutosławskiPaderewski und Panufnik.

Bis in den späten November hinein öffnet sich dann sukzessive ein Panorama aus Orchester- und Kammermusik, Kinderkonzerten und Jazz, zu dem Polen über Jahrzehnte seine eigenen, unverwechselbaren Farben beigetragen hat.

 

Hör mal Venedig

Venedig sehen und sterben? Venedig hören und leben! So könnte der Imperativ des Festivals lauten, das die HamburgMusik in den Ostertagen 2019 der von Mythen umwobenen Stadt an der Lagune widmet. Die venezianischen Festtage verschränken sich gleich zu Beginn mit dem Komponistenporträt Olga Neuwirth, denn das Ensemble intercontemporain aus Paris führt unter der Leitung von Matthias Pintscher Neuwirths »Le Encantadas o le avventure nel mare delle meraviglie« auf. Das Stück verwebt Originalklänge aus der seit vielen Jahren öffentlich nicht mehr zugänglichen Chiesa di San Lorenzo, in der Neuwirth anlässlich einer Aufführung von Luigi Nonos »Prometeo« früh prägende musikalische Impulse empfing, mit von ihr hinzukomponierter Instrumentalmusik (18.4.).

Zu den weiteren Höhepunkten zählen ein Gastspiel von Jordi Savall (22.4.), der mit fünf Ensembles, darunter Le Concert des NationsLa Capella Reial de Catalunya und Hespèrion XXI, unter dem Motto »Byzanz und Venedig: Begegnung des Orients mit Europa« ein ost-westliches musikalisches Beziehungsgeflecht entspinnt. Ausgehend von der geschichtlichen Tatsache, dass es in Venedig bereits von 500 Jahren ein Ghetto für Juden gab, betrachtet der in New York lebende Trompeter Frank London aus dem Blickwinkel der improvisierten Musik Verbindungslinien zwischen venezianischen Gondelliedern, Synagogenmusik, mittelalterlicher italienischer Poesie, biblischen Texten und politischen Songs (21.4.). Der kanadische Cellist Jean-Guihen Queyras, in der Saison 2017/18 wiederholt als brillanter Solist unter anderem mit Bachs sechs Cellosuiten in der Elbphilharmonie zu erleben, spielt im Kleinen Saal Vivaldis sechs Cellosonaten, begleitet vom Cembalisten Michael Behringer (21.4.). Weitere Projekte sind in Planung. Das vollständige Programm wird zum Vorverkaufsstart am 6. November bekannt gegeben.

 

Zwei große Dirigenten, zwei kleine Residenzen

Der lettische Star-Dirigent Andris Nelsons leitet in der kommenden Saison vier Abende mit drei unterschiedlichen Top-Orchestern. Auf das Elbphilharmonie-Debüt des Boston Symphony Orchestra (5.9.), das Nelsons seit der Saison 2014/15 und bis mindestens 2021/22 leitet, und seinen zweiten Besuch als neuer Chef des Gewandhaus Orchesters Leipzig (19./20.1.) folgt ein Gastspiel mit den Wiener Philharmonikern (8.4.). Auch Sir Simon Rattle gestaltet in der ersten Saison nach seiner Ära als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker vier Abende mit drei unterschiedlichen Orchestern in der Elbphilharmonie. Mit dem Freiburger Barockorchester und Sängerinnen wie Anna Prohaska und Magdalena Kožená präsentiert er seine Lesart der Oper »Hippolyte et Aricie« von Jean-Philippe Rameau (27.11.), mit dem London Symphony Orchestra spielt er Bruckners Sinfonie Nr. 6 (23.2.), und am 6./7. April führt er mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment sowie den Solisten Camilla TillingMagdalena KoženáAndrew Staples und Mark Padmore Bachs Johannespassion auf. Die Bühneneinrichtung besorgt der britische Regisseur Peter Sellars.

 

Olga Neuwirth © Harald Hoffmann
Olga Neuwirth © Harald Hoffmann

Porträt Olga Neuwirth

Die Österreicherin Olga Neuwirth, 1968 in Graz geboren, ist eine der exponiertesten und erfolgreichsten Vertreterinnen zeitgenössischen Komponierens weltweit. Ihr keiner Schule zuzuordnendes Schaffen lässt sich ebenso wenig auf eine bestimmte Ästhetik reduzieren. Neuwirth nimmt wiederholt Bezug auf Außermusikalisches wie diverse wissenschaftliche Disziplinen, doch bei aller Hinwendung zur Abstraktion und Reduktion bewahrt sie in ihrem Werk immer eine hohe Klangsinnlichkeit.

Aus den fünf Abenden, die die HamburgMusik ihr in der Saison widmet, entsteht ein kleines, gleichwohl charakteristisches Mosaik der Komponistin aus Film- und Bühnenmusiken, aus Kammermusik und dem im Rahmen des Venedig-Festivals aufgeführten Raumklang-Werk »Le Encantadas«. Drei der fünf Konzerte sind beim Festivals Greatest Hits (28.11.1.12.) zu erleben, darunter die vom Ensemble phace gestaltete Aufführung des Filmkonzerts »Die Stadt ohne Juden«, eine rekonstruierte und mit Neuwirths Musik versehene Fassung des Stummfilms des österreichischen Regisseurs H.K. Breslauer aus dem Jahr 1924. Besonders gespannt sein darf man auch auf »The Outcast. Homage to Herman Melville«: Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien bringt eine konzertante, gleichwohl bildmächtige Fassung von Neuwirths Hommage an den Schöpfer des Weltromans »Moby Dick« mit zwei Chören, Gesangssolisten und der Videokünstlerin Netia Jones auf die Bühne des Großen Saals der Elbphilharmonie (4.3.).

 

Multiversum Sir George Benjamin

Der Brite Sir George Benjamin, 1960 in London geboren, war gerade mal 15 Jahre alt, als er begann, einmal pro Monat von London nach Paris zu Kompositionsstudien bei Olivier Messiaen zu fahren. Seine frühe, schier grenzenlose Begabung führte jedoch nicht etwa zu massiver Produktivität in Form eines kontinuierlichen Outputs an Kompositionen, im Gegenteil: Zwischen seinem 18. und 22. Lebensjahr veröffentlichte Benjamin nicht mehr als zwei Stücke von insgesamt 20 Minuten Dauer. In späteren Jahren fiel ihm das Komponieren leichter, doch skrupulös in der Hervorbringung und Fixierung von Musik ist er geblieben. Dafür ist das Wenige, das Sir George Benjamin, der nach Messiaen auch Pierre Boulez als Lehrer hatte, an Werken veröffentlicht, stets von überragender Qualität.

Die Elbphilharmonie nimmt die für April 2019 vorgesehene Deutsche Erstaufführung von Benjamins neuer Oper »Lessons in Love and Violence« an der Staatsoper Hamburg (Premiere 7.4.) zum Anlass für ein tiefenscharfes Benjamin-Porträt. Die Reihe aus sechs Programmen in sieben Konzerten zwischen September 2018 und April 2019 enthält mit der konzertanten Aufführung seiner Oper »Written On Skin« (10.11.Mahler Chamber Orchestra), mit »Palimpsest« und »Into The Little Hill« (10./11.3.Ensemble Modern) »Dream of the Song« (29./30.3.NDR Elbphilharmonie Orchester) sowie »Octet« (23.2.Scharoun Ensemble Berlin) wesentliche Werke aus seinem Katalog. »Sudden Time« schließlich ist kurz nach Saisoneröffnung vom Orchester der Lucerne Festival Academy unter Matthias Pintscher zu hören (12.9.).

 

Oper, Requiem, Oratorium: Von Bach bis heute

Die kommende Saison ist die erste, bei deren Gestaltung reale Erfahrungen aus dem Spielbetrieb der Elbphilharmonie einfließen konnten. Das hat unter anderem auch zur Folge, dass hier nun deutlich mehr Oratorien, Requien und Opern erklingen, denn (auch) diese Genres funktionieren hervorragend in der Elbphilharmonie, wenn man sie räumlich klug positioniert. Die beiden Gegenwartskomponisten Olga Neuwirth und Sir George Benjamin, denen die HamburgMusik große Porträts widmet, steuern für diese Programmlinie Werke bei: die konzertante Aufführung von Neuwirths Bühnenstück »The Outcast. Homage to Herman Melville« (4.3.) sowie »Written on Skin« (10.11.) und »Into The Little Hill« (11.3.) von Sir George Benjamin. Auch Sir Simon Rattles Aufführungen der Johannespassion von Bach (6./7.4.) und Jean-Philippe Rameaus »Hippolyte et Aricie« (27.11.) gehören in diese Reihe. Rund um Silvester leitet Manfred Honeck das NDR Elbphilharmonie Orchester, den NDR Chor sowie Gesangssolisten, deren Namen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden, durch drei Aufführungen der »Fledermaus«. Iván Fischer bringt für den zweiten Abend des Doppelgastspiels mit dem Budapest Festival Orchestra eine konzertante Fassung von Béla Bartóks Einakter »Herzog Blaubarts Burg« mit (26.3.), das Kammerorchester Basel kommt mit Mozarts »Don Giovanni« und Erwin Schrott in der Titelpartie (6.1.). Und Alan Gilbert bringt zum 4. Internationalen Musikfest Hamburg (27. April bis 29. Mai 2019) seine New Yorker Produktion von György Ligetis Oper »Le Grand Macabre« in einer für die Elbphilharmonie adaptierten, halbszenischen Fassung an drei Abenden auf die Bühne (10./12./13.5.).

 

Das Alte Werk

Die traditionsreiche, bereits in den 50er-Jahren gegründete Konzertreihe NDR Das Alte Werk geht mit Beginn der Saison 2018/19 in die gemeinsame Trägerschaft von HamburgMusik und NDR über. Die Aufführungen finden auch in Zukunft wie gewohnt in der Laeiszhalle statt. Zu den sechs hochkarätigen Konzerten zählt ein Abend mit dem Huelgas Ensemble, das eine konzertante Aufführung der Oper »La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina« mitbringt, das Werk einer Komponistin aus dem 16. Jahrhundert: Francesca Caccini (24.9.)  Des Weiteren ist ein spanisches Weihnachtskonzert mit Al Ayre Español programmiert (5.12.) und ein Abend mit der Accademia Bizantina und einer Oper des in Bergedorf geborenen Barockmeisters Johann Adolf Hasse (konzertante Aufführung, 9.11.). Das Collegium 1704 und der NDR Chor singen und spielen geistliche Musik von Graupner und Bach (24.1.), Werke von Albinoni, Vivaldi, Caldara und Galuppi stehen auf dem Programm des italienischen Ensembles Concerto de‘ Cavalieri (27.2.). Am Montag vor Ostern schließlich bringt die Akademie für Alte Musik Berlin Carl Philipp Emanuel Bachs »Die letzten Leiden des Erlösers« in die Laeiszhalle (15.4.).

 

Reflektoren

Nach dem begeisternden und überaus erfolgreichen Debüt der »Reflektor«-Serie in der Spielzeit 2017/18 mit Bryce Dessner und Yaron Herman gibt die Elbphilharmonie in der kommenden Saison der US-amerikanischen Performance-Meisterin Laurie Anderson Carte blanche für ein mehrtägiges Festival nach eigenen Vorlieben und Ideen (25.-28.2.). Anderson realisiert seit 40 Jahren immer wieder aufsehenerregende Produktionen mit ihrer Stimme, Violine, Elektronik und visuellen Effekten und darf als Pionierin der Kunstform »musikalische Performance« gelten. Der zweite »Reflektor«-Künstler ist der in Hamburg geborene Pianist, Klangtüftler und Komponist Nils Frahm, der seit einigen Jahren von Berlin aus seine bemerkenswerte Laufbahn mit überwiegend leisen, magischen Klängen zwischen akustischer Musik und Elektronik fortsetzt (8.-10.6.). Die Programme für beide »Reflektor«-Programme werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

 

Improvisationskünstler, World Music, Klassik der Welt

Dem zeitgenössischen Jazz gibt das Programm der HamburgMusik noch mehr Raum als bisher. In der Reihe Jazz Piano im Kleinen Saal der Laeiszhalle treten neben dem polnischen Virtuosen Leszek Możdżer (23.10.) mit Myra Melford’s Snowy Egret (20.11.), Craig Taborn solo (12.2.), David Helbock’s Random / Control (21.3.) und dem Jamie Saft Trio (16.4.) gleich vier Solisten bzw. Ensembles auf, die unter eigenem Namen in Elbphilharmonie oder Laeiszhalle noch nicht zu erleben waren. Auch das Gastspiel des Quintetts um den US-Saxofonisten Donny McCaslin, der auf David Bowies letztem Album »Blackstar« so eindrücklich spielt, in der Elbphilharmonie ist ein Debüt (15.10.). Mit dem San Francisco Jazz Collective kommt zeitgenössisch interpretierte Musik des brasilianischen Song-Großmeisters Antonio Carlos Jobim nach Hamburg (11.11.), und mit Bugge Wesseltoft am Klavier und den Keyboards präsentieren sich Dan Berlund und Magnus Öström, die Rhythmusgruppe des legendären schwedischen Trios e.s.t., als neues Klaviertrio Rymden dem Publikum (22.2.).

Mit dem Wolfgang Muthspiel Quintet (5.11.), Marc Ribot’s Ceramic Dog (6.12.), dem Ferenc Snétberger Trio (4.2.) und dem Julian Lage Trio (27.3.) treten vier jeweils von der Gitarre dominierte Improvisationskollektive im Kleinen Saal der Elbphilharmonie auf.

Neun Konzerte in den Reihen »Elbphilharmonie World« und »Klassik der Welt« bringen Musik von fernen Ländern an den Hafen. Die Hör-Reise geht vom Flamenco mit Diego El Cigala (13.10.) über US-amerikanischen Virtuosen-Folk der Punch Brothers (18.11.) und die Afro-Pop-Ikone Angélique Kidjo, die das legendäre Album »Remain In Light« der Talking Heads (1980) neu interpretiert. Sie macht Station bei Noureddine Khourchid & den tanzenden Derwischen aus Damaskus, die das Festival »Lux aeterna« eröffnen (3.2.), macht einen Abstecher zu Huong Thanh, die mit ihrem Trio klassische vietnamesische Musik spielt, und kulminiert gegen Saisonende in einer Synthese aus Tango und französischer Improvisationskunst, wenn das Orquesta Típica El Afronte mit Emilie Parisien und Vincent Peirani aufeinandertrifft (6.6.).

 

 

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