Joshua Whitener (Gulliver) ©Thomas Jauk, Stage Picture

Die wahre Größe bleibt zunächst verborgen – Uraufführung der Familienoper GULLIVERS REISE im Opernhaus Dortmund

Joshua Whitener (Gulliver) ©Thomas Jauk, Stage Picture
Joshua Whitener (Gulliver)
©Thomas Jauk, Stage Picture

Nach knapp 80 Minuten löste sich die Spannung beim überwiegend jungen und ganz jungen Publikum in einen begeisterten Applaus und Jubel auf. Aber auch die Zuschauer, die dem Jugendalter entwachsen sind, konnten sich dem Zauber dieser Uraufführung nicht entziehen. Bestes Musiktheater für die ganze Familie. Kein Regie-Firlefanz sondern klare, verständliche Umsetzung der Handlung und dazu mal wieder zauberhafte Bühnenbilder und Kostüme von Tatjana Ivschina. / Bericht der Uraufführung v. 21.5.2017

Gerald Resch hat die Geschichte nach Motiven von Jonathan Swift’s „Gullivers Reisen“ mit hoher Musikalität zu einer Familienoper vertont. Die Uraufführung fand nun am 21.5.2017 im Opernhaus Dortmund statt. Die altbekannte Geschichte vom Jungen Gulliver, der schiffsbrüchig auf einer kleinen Insel strandet und bemerkt, das auf einmal so alles anders ist. Denn war er vorher der kleinste auf seinem Schiff, ist er hier auf der Insel der größte. Das Libretto von dem Dramatiker John von Düffel macht aus der Insel der Liliputaner ein Königreich mit einem exaltierten König und seiner durchgeknallten Tochter, Prinzessin Rosalila. Dazu gibt es noch einen, je nach Bedarf, beförderten oder degradierten Admiral Skyresch und es gibt noch Vaniliput, das klügste Mädchen des kleinen Reiches. Klug genug um allen am Ende zu zeigen, dass die körperliche Größe nichts über die wahre Größe eines Menschen aussagt. Ihre verliebte Freundschaft zum gestrandeten Gulliver stellen der Komponist Resch und der Librettist von Düffel in den Mittelpunkt dieser sehens- und hörenswerten Oper. 

Joshua Whitener (Gulliver) ©Thomas Jauk, Stage Picture
Joshua Whitener (Gulliver)
©Thomas Jauk, Stage Picture

Der gebürtige Linzer und vielfach ausgezeichnete Musiker und Komponist Gerald Resch vertont die altbekannte Geschichte von Gulliver und den Liliputanern auf äußerst geschickte und unterhaltsame Weise. Die Form der durchkomponierten Oper wahrend, überfordert er aber keineswegs das vorwiegend kindliche und jugendliche Publikum. Im Gegenteil, die Abwechslung in seiner Musik, die Tempi, die dramatischen und auch die gefühlvollen Anteile, aber auch die altbewährten Klänge dieser Komposition machen GULLIVERS REISE zu etwas besonderem. Chor und Solisten sind fast gleichermaßen musikalisch bedacht und bilden zusammen mit dem Orchester eine musikalische Einheit, die zu begeistern weiß.

Marcelo Diaz‘ Regie hält sich ganz an die Vorlage zu diesem Stück. Witzige Regieeinfälle und die oft herrlich überzeichneten Charakter der Oper unterhalten das Publikum bestens. Zusammen mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Tatjana Ivschina visualisierte er die Sicht auf die Welt der „Kleinen auf die Großen“ und umgekehrt einfach, aber absolut überzeugend. Keinerlei überflüssiger Deutungen oder Andeutungen bedurfte es um eine Geschichte auf der Opernbühne zu erzählen, wie sie vom ursprünglichen Verfasser einstmals aufgeschrieben wurde. Toll gemacht auch die dazu passenden Videoprojektionen von Kai Wido Meyer.

Gullivers Reise OPERNHAUS DORTMUND /Tamara Weimerich, Almerija Delic, oliver Weidinger, Luke Stoker u. Sangmin Lee/ Foto ©Thomas Jauk, Stage Picture
Gullivers Reise/OPERNHAUS DORTMUND /Tamara Weimerich, Oliver Weidinger, Almerija Delic, Luke Stoker u. Sangmin Lee/ Foto ©Thomas Jauk, Stage Picture

Joshua Whitener sang und spielte mit viel jungenhaftem Charme überzeugend den Titelheld Gulliver und war eine absolut ideale Besetzung für diese Rolle. Tamara Weimerich, wie immer, ein „Pfund“ der Oper Dortmund, wenn es um darstellerische und gesangliche Übereinstimmung mit einer Partie geht, war wieder in Höchstform. Herrlich, wie sie der Partie der nervigen und verwöhnten Königstochter Profil verlieh und dass auch im wahrsten Sinne gesanglich. In der Doppelrolle als  Kapitän (zu Beginn der Oper wird der Untergang des Schiffes von Gulliver angedeutet) und als König von Liliput glänzte Oliver Weidinger. Luke Stoker war als Steuermann auf dem Anfangs gezeigten Schiff und dann in der Haupthandlung als Admiral Skyresch wunderbar unterhaltend und sängerisch mal wieder überzeugend.

Dies darf auch Fritz Steinbacher und Ian Sidden bescheinigt werden. Erstgenannter spielte und sang die dreigeteilte Partie des Finanzminsters/Mundschenk/Kammerherrn mit ganz besonderem komödiantischen Talent und begeisterte die vielen Zuschauer im Publikum – jung bis älter – ganz besonders. Großes Lob an Ian Sidden, der kurzfristig für den ursprünglichen geplanten Sangmin Lee eingesprungen war. Lee hatte sich in der Generalprobe einen Hexenschuß zugezogen und konnte die Uraufführung daher nicht singen. Ian Sidden war mehr als ein Ersatz. Er war die bestmögliche Besetzung in der Doppelrolle des Maat und vor allem dann, des Besuffliput. Viel Applaus für ihn und eine extra Umarmung vom Dirigenten am Ende der Oper für ihn.

Almerija Delic (Vaniliput), Chor der Oper Dortmund ©Thomas Jauk, Stage Picture
Almerija Delic (Vaniliput), Chor der Oper Dortmund ©Thomas Jauk, Stage Picture

Die Rolle der Vaniliput, jenes junge Mädchen, welches als das klügste des Königreiches Liliput gilt, hat Gerald Resch für einen Mezzosopran geschrieben. Und das war gut so! Denn so konnte die Partie mit Almerija Delic besetzt werden. Zwar musste der opernbegeisterte Zuhörer fast bis auf das Ende warten, um die unter die Haut gehenden „gute Reise / guter Riese„- Rufe Vaniliputs von Almerija Delic erleben zu können, aber das erledigte die Dortmunder Mezzosopranistin dann auch auf ganz besonders eindringliche Weise. Natürlich war es dieser Moment, der sich einprägte, aber nicht nur. Almerija Delic hatte sichtlich Spaß an ihrer Rolle als Vaniliput, und das von Anfang an. 

Der Chor der Dortmunder Oper hat seine lohnenswerte Aufgabe souverän unter der Leitung seines Chefs Manuel Pujol gemeistert und wurde zu einem tragenden Bestandteil dieser Oper. Die Dortmunder Philharmoniker, ebenfalls von Gerald Resch reich bedacht, setzten diese Komposition in spannender, mitreißender und gefühlvoller Manier unter der Leitung ihres Dirigenten Ingo Martin Stadtmüller, bei dem die Uraufführung in besten Händen war, zum großen Vergnügen des Dortmunder Publikums um.

 

*Weitere Aufführungstermine und Eintrittskarten unter DIESEM LINK

*Homepage des Komponisten Gerald Resch

*Alle Fotos © Thomas Jauk, Stage Picture

 

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