Deutsche Oper Berlin, copyright: Leo Seidel

Deutsche Oper Berlin – Highlights Juni 2018

Deutsche Oper Berlin, copyright: Leo Seidel
Deutsche Oper Berlin, copyright: Leo Seidel

IL VIAGGIO A REIMS dürfte einen der Höhepunkte in Rossinis Laufbahn bilden: Eine völlig abstruse Handlung, virtuose Koloraturkaskaden und ein vierzehnstimmiges Ensemble scheinen gleichzeitig Kondensat und der Schlussstrich unter Rossinis komischem Opernschaffen zu sein. Lange Zeit war die Partitur verschollen, doch die Wiederaufführung durch Claudio Abbado 1984 beim Rossini-Festival in Pesaro mit einem auserlesenen Solistenensemble war ein Paukenschlag – seitdem findet die Oper immer wieder ihren Weg auf die Spielpläne. So feiert am 15. Juni Rossinis letzte in italienischer Sprache geschriebene Oper Premiere im Haus an der Bismarckstraße, unter musikalischer Leitung von Giacomo Sagripanti und in einer Inszenierung von Jan Bosse. Weitere Vorstellungen am 22., 24., 30. Juni und 5. Juli.

 

Fast wie eine Farce mutet die Handlung an, sind doch die Protagonisten als überzeichnete europäische Nationaltypen alle in einem Hotel gestrandet. Ziel der Reise sind die Feierlichkeiten zur Krönung Karls X. als König von Frankreich, doch kommt es ständig anders als geplant. So verwickeln sich dann Liebesgeständnisse mit politischen Animositäten, wird die fehlende standesgemäße Bekleidung beklagt oder sich mit spitzer Zunge über die „nationalen Eigentümlichkeiten“ der europäischen Nachbarn lustig gemacht.18 Solisten braucht man für das Stück, davon 10 veritable Rossini-Spezia­listen – eine Herausforderung für jeden Operndirektor. Mit Elena Tsalla­gova, Meechot Marrero, Hulkar Sabirova, Siobhan Stagg, Davide Luciano, Philipp Jekal u. a. steht Regisseur Jan Bosse ein spielfreudiges Ensemble zur Verfügung. Bleibt ihnen nur, sich der absurd-komischen Grundsituation des wartenden Europa im französischen Kurhotel mit viel Leichtigkeit, Witz und Ironie anzunähern.

  

Deutsche Oper Berlin/La Gioconda/(Aufnahmen der Vorstellung vom 16.1.2014 mit Hui He in der Titelpartie, Marcelo Alvarez, Marianne Cornetti u.a./© Bettina Stöß
Deutsche Oper Berlin/La Gioconda/(Aufnahmen der Vorstellung vom 16.1.2014 mit Hui He in der Titelpartie, Marcelo Alvarez, Marianne Cornetti u.a./© Bettina Stöß

Besetzungs-HighlightsGounods FAUST & Ponchiellis LA GIOCONDA

Am 23. Juni kehrt Charles Gounods FAUST in der vielgerühmten Inszenierung von Philipp Stölzl zurück ins Programm: mit Jacques Lacombe am Pult stehen Diana Damrau als Marguerite, Bryan Hymel als Faust und Alex Esposito als Méphistophélès auf der Bühne. Weitere Vorstellungen am 26. und 29. Juni.

Amilcare Ponchiellis LA GIOCONDA in einer Inszenierung von Fillipo Sanjust und in  Originaldekorationen aus der Entstehungszeit des Werkes ist ein Dauerbrenner an der Deutschen Oper Berlin. Seit 1974 steht die Produktion auf dem Spielplan, ab dem 28. Juni wieder in einer herausragenden Besetzung mit Hui He in der Titelpartie, Daniela Barcellona als Laura, Alfred Kim als Enzo Grimaldo und George Gagnidze als Barnaba. Vorstellungen auch am 1., 4. und 7. Juli.

 

WIR AUS GLAS von Yasutaki Inamori, Regie: David Hermann

Mit der Uraufführung WIR AUS GLAS kooperiert die Deutsche Oper Berlin zum zweiten Mal mit der Münchener Biennale für Neues Musiktheater. Der japanische Komponist Yasutaki Inamori und die österreichische Autorin Gerhild Steinbuch erhielten den Auftrag für ein neues Werk für vier Sänger, einen Schauspieler, Kammerensemble und kleinen Chor, das am 2. Juni 2018 in München uraufgeführt wird. Zur Berliner Premiere laden wir sehr herzlich am Dienstag, 19. Juni, in die Tischlerei ein.

Die Privatsphäre und der Alltag stehen im Zentrum: eine Wohnung, fünf Menschen, sieben Tage. Die Wohnung wird für die Figuren zur Welt. Wohlig verpackt leben sie im Innern ihrer Blase, in steter Sorge um sich selbst. Vertraute Alltagsrituale schützen vor dem unberechenbaren Draußen und stiften Identität. Diese konstruierte „heile“ Welt darf nicht zusammenbrechen, und wer Außenseiter ist, wird zum Aggressor erklärt.

Die Uraufführung inszeniert David Hermann, der für die Deutschen Oper Berlin bereits mehrfach mit großem Erfolg Regie geführt hat: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN (2012), ORESTEIA (2014) und  DIE SACHE MAKROPULOS (2016).

Yasutaki Inamori, geboren 1978 in Tokio, ist international tätig. Er arbeitete zusammen mit Klangkörpern wie dem Gürzenich Orchester Köln, der New Japan Philharmonic, dem Tokyo Philharmonie Orchester, l’Instant Donné, Ensemble NOMAD, Ensemble Hand-Werk oder dem Forseti Saxophonquartett.

Gerhild Steinbuch ist eine der prägenden Autorinnen der jüngeren Generation. Sie erhielt für ihre Werke, die im Rowohlt Theater Verlag erschienen sind, zahlreiche Nominierungen, Preise und Stipendien.

 

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