Deutsche Oper Berlin: Bellinis NORMA mit Edita Gruberova in der Titelrolle – Premiere vom 7.5.2016

Edita Gruberova/ Deutsche Oper Berlin/ Roberto Devereux16 / Bettina Stoess_hf
Edita Gruberova/ Deutsche Oper Berlin/ Roberto Devereux16 / Bettina Stoess_hf

Immer wieder wird die Frage gestellt, warum sie in ihrem Alter immer noch auf die Bühnen der Welt tritt und ihre Kunst zum besten gibt: Nach der NORMA-Premiere vom vergangenen Samstag an der Deutschen Oper Berlin lautet die simple Antwort: Weil sie es kann!  Am Ende standen sie und das gesamte musikalische Ensemble der Aufführung im Mittelpunkt von Ovationen

Die Deutsche Oper Berlin bringt Vincenzo Bellinis Oper NORMA in einer konzertanten Fassung. Am vergangenen Samstag war  die langersehnte Premiere für die vielen „Gruberova-Fans“, die durchaus nicht nur aus Berlin angereist waren. Sie wurden nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil. Und auch, wer nicht zu ihrer Fangemeinde gehört, durfte sich über einen Opernabend von besonderer Klasse freuen. Denn nicht nur Edita Gruberova begeisterte das Premierenpublikum, auch das gesamte Solistenensemble gestaltete diesen konzertanten Opernabend zu einem musikalischen Ereignis, wie es einer Weltmetropole würdig ist.

Die Oper NORMA, die klassische Dreiecks-Geschichte zwischen zwei Frauen und einem Mann, in diesem Falle einer Hohen Druiden-Priesterin, einer jungen Priesterin und einem römischen Feldherren, ist ein ganz besonderes Juwel des italienischen Belcantogenres. Seit seiner Uraufführung an der Mailänder Scala im Jahre 1831 hat das Werk nichts von seinem Zauber, welches es auf die Zuschauer und die Sängersolisten ausübt, verloren. Bellini stellte höchste Ansprüche an seine Protagonisten, ganz besonders an die Darstellerin der Titelrolle.

Berlin wartet mit Edita Gruberova als NORMA auf. Die weltweit gefeierte Koloratursopranistin wirkte am  Premierenabend sehr konzentriert und auf ihre Partie fokussiert. Die Norma hatte sie erst vor knapp 13 Jahren einstudiert und ein triumphales Rollendebüt in Tokio gegeben. Seither hat sie dieser Rolle ihren eigenen typischen Gruberova-Stempel aufgedrückt. Und natürlich sind im Laufe der vielen Jahre Bühnenpräsenz dieser großartigen Sängerin die stimmlichen Mittel an einigen Stellen nicht mehr so glanzvoll wie zu ihren Hochzeiten, aber, und auch das muss einfach hier Erwähnung finden, die nach wie vor einmalig ergreifenden Schattierungen und Pianissimi einer Gruberova in dieser anspruchsvollen Sopranpartie sind immer noch von einer großen Intensität.

Immer noch steht mit der fast 70-jährigen Ausnahmekünstlerin eine über alle maßen erfahrene Sängerin auf der Bühne, deren mimische Ausdrucksfähigkeiten nach wie vor ungebrochen präsent sind. Zwar bringt Berlin die NORMA in einer konzertanten Aufführung, aber Frau Gruberova versteht es auch ohne Kostüm und Maske einer NORMA ausdrucksstarkes Profil zu geben.

Die für mich eindringlichsten Momente ihrer Interpretation an diesem Abend waren zweifelsohne ihre Rolle im Duett mit Adalgisa (wunderbar Sonia Ganassi) „Mira o Norma“, ihre vom Publikum mit vielen Bravos bedachte Arie „Casta Diva“ und ganz besonders das Finale der Oper, welches sie derart emotional sang und gestaltete, dass dies hier besondere Erwähnung verdient.  

Ihr zur Seite ein vorzügliches Ensemble. Fabio Sartori ist ein stimmlich höchst begnadeter Pollione. Geht es überhaupt noch besser? Der italienische Tenor begeisterte das Premierenpublikum auf ganzer Linie. Sonia Ganassi, seit Jahren eine der weltbesten Mezzosopranistinnen unserer Zeit, ist eine Idealbesetzung für die Partie der Adalgisa. Warm und doch stark setzte sie ihren Mezzo ein und stand natürlich auch im Mittelpunkt der Ovationen.

Besondere Erwähnung für den jungen Bass-Bariton Marko Mimica, der ein Oroveso von Weltklasse ist. Der gebürtige Kroate war für mich die gesangliche Überraschung des Abends. Das sah das Premierenpublikum ebenfalls so und bejubelte auch ihn hoch verdient.

Auf hohem Niveau dann auch die beiden kleinen Rollen Clotilde und Flavio, die von Rebecca Jo Loeb und Attilio Glaser gesungen wurden.

Natürlich wieder einmal eine ganz große Leistung des Chores der Deutschen Oper Berlin, der in diesem Werk viel gefordert ist. Unter der Leitung von William Spaulding glänzend einstudiert.

Peter Valentovic hatte die musikalische Leitung des Abends und zeigte schon bei  der Sinfonia zu Beginn der Oper wohin die musikalische Reise des Abends gehen würde. Er leitete das Orchester der Deutschen Oper Berlin effektvoll und dramatisch, aber auch ebenso zart und voller Gefühl für Belcanto.

Fazit: Große Oper konzertant dargeboten auf hohem Niveau. Mit Weltstar Edita Gruberova, die vom Premierenpublikum und ihren vielen Fans gefeiert wurde

Am 12. Juni 2016 gibt es eine weitere konzertante NORMA-Aufführung in der gleichen Besetzung an der Deutschen Oper Berlin. Weitere Infos und Kartenvorverkauf unter DIESEM LINK.

*Titelfoto: Edita Gruberova / Berlin 7.5.16 /Foto @ Bettina Stöß

Ein Gedanke zu „Deutsche Oper Berlin: Bellinis NORMA mit Edita Gruberova in der Titelrolle – Premiere vom 7.5.2016

  1. Berlin ist keine Weltmetropole, auch wenn es noch so oft an die Litfaßsäulen geschrieben wird. Das sind London, Paris, New York. Berlin ist eine etwas heruntergekommene, arme preußische Großstadt mit zu großem Selbstbewußtsein, mehr nicht.,

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