Ibrahim Yeşilay (Gulliver) FOTO: Hans Jörg Michel

Auch Duisburg folgt Gulliver auf seiner Reise! – Premierenerfolg für die Familienoper „Gullivers Reise“ von Gerald Resch

Iryna Vakula (Vaniliput), Ibrahim Yeşilay (Gulliver) FOTO: Hans Jörg Michel
Iryna Vakula (Vaniliput), Ibrahim Yeşilay (Gulliver) FOTO: Hans Jörg Michel

Die Familienoper GULLIVERS REISE, eine Kooperation der Deutschen Oper am Rhein, der Oper Dortmund und dem Theater Bonn, hatte am gestrigen Abend (3.10.2017) seine begeistert aufgenommene Premiere und reihte sich dem Erfolg der Uraufführung dieses Werkes in Dortmund vom 21.5.2017 nahtlos an. Wieder war es ein vorwiegend junges, bis sehr junges, Publikum, dass fast 90 Minuten lang der abenteuerlichen Geschichte von Titelheld Gulliver und seiner spannenden Zeit im Königreich Liliput folgte und das auch musikalisch wieder Groß wie Klein begeistern konnte. Komponist Gerald Resch, der wie auch zur Uraufführung in Dortmund persönlich anwesend war, durfte den hochverdienten Applaus des Publikums im gut besuchten Theater Duisburg zusammen mit allen an dieser Opernproduktion Beteiligten sichtlich zufrieden entgegennehmen.

 

DAS OPERNMAGAZIN war bereits zur Uraufführung der Familienoper GULLIVERS REISE in Dortmund im Mai dieses Jahr anwesend und hatte im Nachgang ausführlich über diese Inszenierung berichtet. Nachzulesen ist dies unter DIESEM LINK. Da die Inszenierung, das Bühnenbild, die Kostüme und die Choreographie identisch der Dortmunder Aufführung sind und ist, sei daher auf die Besprechung vom 23.5.2017 auf diesem Opernmagazin verwiesen. Aber natürlich kommt auch der Rezensent nicht umhin, noch einmal hier explizit die Künstler namentlich zu erwähnen, die für die visuelle und szenische Umsetzung dieser Oper verantwortlich zeigten.

Lavinia Dames (Rosalila), Bruno Balmelli (König), Iryna Vakula (Vaniliput), Richard Šveda (Skyresch) FOTO: Hans Jörg Michel
Lavinia Dames (Rosalila), Bruno Balmelli (König), Iryna Vakula (Vaniliput), Richard Šveda (Skyresch) FOTO: Hans Jörg Michel

Marcelo Diaz‚ Inszenierung ist eine Geschichtenerzählung der besten Art. Nimmt man die kleinsten Besucher der Premiere als Gradmesser für Begeisterung, – sie waren sicher deutlich im Vorschulalter – , und bemerkt deren durchgängige Aufmerksamkeit, dann muss dem Regisseur ohne weiteres attestiert werden, „sein“ Publikum hervorragend amüsiert und unterhalten zu haben. Mehr kann nicht erwartet werden!

Und dazu wieder einmal die hinreißende Kostümierung und das märchenhafte Bühnenbild von Tatjana Ivschina. Ich gebe zu, immer mehr ein Fan dieser Bühnenbildnerin zu werden. Versteht sie es doch meisterhaft dem Zauber und der Romantik, welche den Geschichten oftmals innewohnt, in ihre Bilder und Kostüme einzuarbeiten und umzusetzen, um damit das Publikum immer wieder aufs Neue von ihrer Kreativität zu begeistern. Und schließlich, für die Lichttechnik zuständig, recht wichtig in dieser Inszenierung, zeichnete sich Volker Weinhart kompetent verantwortlich.

Musikalisch wartete Duisburg mit einer durchweg neuen Besetzung zu Dortmund auf. Auch in Duisburg war dem Chor wieder eine besonders anspruchsvolle Rolle zugeteilt. Unter der Leitung von Christoph Kurig lieferte der Chor der Deutschen Oper am Rhein eine glanzvolle Arbeit ab und war stets ein gewichtiger Teil der gesamten Inszenierung, in musikalischer wie auch schauspielerischer Hinsicht. Bei den Solisten des Abends gab es durchweg auch nur positives zu berichten:

Peter Aisher glänzte und überzeugte in der dreigeteilten Partie des Smutje/Kammerherrn und Minister stimmlich wie darstellerisch. David Jerusalem als Maat, und später als Besuffliput, machte aus seiner Partie des irgendwie nicht so ganz trinkfesten Liliputaner ein Kabinettsstückchen der besonderen Art und hatte viele Lacher im Publikum auf seiner Seite. Lavinia Dames als so herrlich überzeichnete und völlig verwöhnt-nervigen Königstochter Rosalila gab dieser Partie eine ganz besondere Bühnenpräsenz und es machte einfach Spaß ihr zuzusehen und auch zuzuhören. Den König, und zu Beginn der Oper den Kapitän, verkörperte Bruno Balmelli mitreißend und auch gesanglich sehr aristokratisch. Iryna Vakula war die Vaniliput des Abends. Überzeugend in der Gestaltung der weiblichen Hauptpartie und mit großer Spielfreude wusste sie das Premierenpublikum zu überzeugen.

Bruno Balmelli (König), Richard Šveda (Skyresch), Chor FOTO: Hans Jörg Michel
Bruno Balmelli (König), Richard Šveda (Skyresch), Chor FOTO: Hans Jörg Michel

Richard Šveda in der Doppelrolle des Steuermann, und später dann als Admiral Skyresch, war ein Ereignis. Schon bei seinem ersten stimmlichen Einsatz wurde die Neugier und die Vorfreude auf das, was noch gesanglich kommen würde, geschürt und absolut nicht enttäuscht. Welch eine noble und kräftig-angenehme Baritonstimme, und demzufolge ja geradezu eine Idealbesetzung für diese Partie in Gerald Resch’s Familienoper. Bravo Richard Šveda!

Ebenfalls großes und einhelliges Lob auch für Ibrahim Yeşilay, dem Gulliver der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg. Stimmlich mal wieder brilliant, bis hinauf zu klaren tenoralen Höhen, war er auch vom Typ her ein idealer Gulliver. Fast noch Jungenhaft wirkend in seiner Darstellung und in seiner Kostümierung kam er, besonders für die vielen Kinder im Publikum, absolut authentisch daher. Und wieder ein bedeutender Schritt auf der kontinuierlich nach oben zeigenden Karriereleiter des jungen und sehr talentierten Tenors Ibrahim Yeşilay.

Ibrahim Yeşilay (Gulliver) FOTO: Hans Jörg Michel
Ibrahim Yeşilay (Gulliver) FOTO: Hans Jörg Michel

Der Dirigent und musikalischer Leiter des Abends, Lukas Beikircher, leitete die glänzend aufgelegten Duisburger Philharmoniker souverän durch die Partitur. Gut herausgearbeitet die verschiedenen Rhytmuswechsel, die stilistische Vielfalt der Komposition, als auch die fast schon schwelgerisch zu bezeichnenden Augenblicke, die diese Oper auch aufzubieten hat. Auch Beikircher und seiner Philharmoniker standen zu Recht im Mittelpunkt des starken Publikumszuspruch.

Am Ende viel Applaus und Jubel für alle an der Premiere Beteiligten auf und hinter der Bühne. Den vielen Kindern und Jugendlichen im Duisburger Theater hat es sichtlich gefallen. 

Fazit: Absolut empfehlenswert!

 

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  • Alle Fotos Deutsche Oper am Rhein, Gullivers Reise, Fotos @ Hans Jörg Michel
  • Titelfoto: Ibrahim Yeşilay (Gulliver) @ Hans Jörg Michel
  • Detlef Obens / © DAS OPERNMAGAZIN 10/2017

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